25. Juli 2018

Sonnenschutz: 3 aktuelle Erkenntnisse

Wie wichtig Sonnenschutzmittel sind, um Sonnenbrand oder gar Hautkrebs zu vermeiden, ist unumstritten. Dennoch bleiben manche Fragen offen: Heben sich Sonnencremes und Mückenschutz auf? Wie steht es mit der Bildung von Vitamin D? Und wie umweltschonend sind herkömmliche Sonnencremes? Erfahren Sie hier die Antworten.

Lesedauer: 4 Minuten

Der folgende Beitrag basiert im Wesentlichen auf einem Artikel in der Springer-Zeitschrift hautnah dermatologie 2018; 34 (S1). Dr. Nina Mörsch, coliquio-Redaktion, fasst drei interessante Erkenntnisse zusammen.

Sonnencreme vs. Mückenschutz: Was kommt zuerst auf die Haut?  

Gerade bei Reisen in tropische Länder müssen sich Urlauber vor Sonne und vor Stechmücken schützen. Doch wie geht man am besten vor? „Die gleichzeitige Anwendung einer Sonnenschutzcreme und eines Repellents macht sicher keinen Sinn“, erläutert Prof. Dr. Thomas Schwarz, Direktor der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie des Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein. Aus seiner Sicht gehe die Wirkung der UV-Filter verloren, wenn unmittelbar nach Eincremen oder Sprühen mit einem Sonnenschutzmittel ein anderes Mittel aufgetragen wird.  Gleiches gelte für das Mückenspray, wenn dieses zuerst appliziert werde.

Die Empfehlung lautet daher:

  • Textilen Sonnenschutz nutzen und die Kleidungsstücke mit Repellentien imprägnieren.
  • Auf freie Körperpartien ausreichend Sonnenschutzmittel applizieren, 30 Minuten einwirken lassen, dann Repellent auftragen.

Beim Repellent rät Prof. Schwarz zu Sprays, da Lotionen verrieben werden müssen und dadurch der UV-Filter wieder entfernen können. Kombinationspräparate aus Sonnenschutzmittel und Mückensprays hält er hingegen für nicht sinnvoll, da diese „nämlich viel zu dünn aufgetragen werden, womit dann der UV-Schutz hinfällig ist“.

Senkt Sonnenschutz den Vitamin-D-Spiegel?

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) blocken Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 20 rund 95 Prozent der UV-Strahlung ab 2. Dass sich so auch der Vitamin D-Spiegel senkt, ist logisch, erklärt Prof. Schwarz: „Da die Vitamin-D-Synthese durch UV-B stimuliert wird, liegt es auf der Hand, dass Filtern von UV-B ein Absinken der Vitamin-D-Spiegel zur Folge hat.“ Tritt dies nicht ein, kann man nur daraus schließen, dass die Filtersubstanz nicht wirkt. Sonnenschutzmittel, die damit  beworben würden, dass sie die Vitamin-D-Spiegel nicht senken, seien entweder nichts wert oder wurden nicht richtig angewendet, so der Dermatologe. Optimal und wünschenswert wäre zwar aus seiner Sicht ein UV-B-Filter, der vor Erythem und DNA-Schaden schützt, aber Vitamin D nicht absenkt. Doch den „dürfe es und wird es nicht geben, zumal das Aktionsspektrum für DNA-Schaden und Vitamin-D-Synthese zwar nicht identisch, aber doch recht ähnlich ist“.

Sonnenbrand nicht riskieren
Wer sich auf natürlichem Weg – also mit Sonnenlicht – mit Vitamin D versorgt, sollte das Hautkrebsrisiko nicht vergessen. Aus Sicht von Fachgesellschaften und Behörden genügt es zur Vitamin-D-Bildung, Gesicht, Hände und Arme zwei- bis dreimal die Woche unbedeckt ohne Creme der Sonne auszusetzen – und zwar etwa die „Hälfte der Zeit, in der man sonst ungeschützt einen Sonnenbrand bekommen würde“. 3 Beispielsweise bedeutet dies für Menschen mit Hauttyp II bei hohen sonnenbrandwirksamen UV- Bestrahlungsintensitäten (UV-Index 7) rein rechnerisch eine Bestrahlungszeit von circa 12 Minuten.

Dilemma Sonnenschutz:  Gut für die Haut – schlecht für die Umwelt

So gut und wichtig Sonnenschutzmittel für unsere Haut sind: Derzeit stehen viele UV-Filter unter Beobachtung, da sie eventuell eine Gefährdung der Meeresumwelt darstellen könnten. So wurden UV-Filter unter anderem in Fischen nachgewiesen und scheinen zur Korallenbleiche beizutragen. Aus diesem Grund hat nun Hawaii als erster US-Bundesstaat ein Gesetz erlassen, das den Verkauf von Sonnencremes mit den Inhaltsstoffen Octinoxat und Oxybenzon verbietet, so ein Bericht der Deutschen Presseagentur.

Auch in Deutschland sind UV-Filter aus Sonnencremes in Gewässern zu finden, zum Beispiel in der Ostsee, wie Messungen in Strandnähe 2015 ergaben. Das Umweltbundesamt (UBA) beschäftigt sich vorsorglich seit Jahren mit UV-Filtern: Einige der Stoffe wirken hormonähnlich, manche reichern sich in der Umwelt und in Organismen an – mit unklaren Langzeitfolgen. „Die Konzentrationen an chemischen UV-Filtern, die in deutschen Gewässern gemessen werden, sind bisher noch so, dass kein Fisch akut lebensbedroht ist“, sagt Jürgen Arning vom Umweltbundesamt der Deutschen Presseagentur. Ein flächendeckendes Monitoring von Gewässern in Hinblick auf UV-Filter gebe es allerdings nicht.

Natürlicher Sonnenschutz: Die Suche nach Alternativen
Um das ökologische Problem zu lösen, wird nach natürlichen UV-Filtern gesucht, schreibt Prof. Schwarz. So schützten sich Protozoen, Algen, Seetang, Korallen, Wirbellose, Fische aber auch terrestrische Pilze unter anderem durch die Produktion von Mycosporin-artigen Aminosäuren (MAA). MAA werden über einen komplexen Syntheseweg produziert. Die Hauptabsorption liegt zwischen 268 nm und 362 nm, deckt also nahezu den gesamten UV-Bereich ab. MAA sind photostabil und haben zusätzlich antioxidative Eigenschaften. Zwar gibt es einige wenige Präparate, die bereits MAA beinhalten, allerdings in einer derart niedrigen Konzentration, dass die Filterwirkung vermutlich zu vernachlässigen ist und der UV-Schutz in diesen Präparationen durch die konventionelle Filtersubstanzen erreicht wird.

Aus Sicht des Dermatologen ist die Entwicklung und Herstellung von MAA dennoch vielversprechend. Eine umweltschonende Alternative zu Sonnencremes ist das Tragen von Neopren-Anzügen beim Schnorcheln oder Tauchen.

Übrigens: Sonnenschutzmittel muss nicht teuer sein

Sonnenschutzmittel, ob Cremes, Lotionen oder Sprays stehen jedes Jahr auf dem Prüfstand der Stiftung Warentest 4. Dieses Jahr wurden Mittel mit hohem bis sehr hohem Schutzfaktor von 30, 50 bis 50 + getestet. Laut Ergebnis konnten 17 der 19 getesten Produkt überzeugen und zuverlässig vor UVB und UVA-Strahlung schützen. Dabei sagte der Preis nichts über die Qualität der geprüften Produkte aus. Das günstigste Produkt im Test – schon für 1,17 Euro pro 100 Milliliter zu haben – schützte ebenso zuverlässig wie deutlich teurere, für die bis zu 20 Euro pro 100 Milliliter fällig sind. Doch ausgerechnet das teuerste Produkt im Test (21,20 Euro pro 100 Milliliter) fällt in puncto Sonnen­schutz durch.

1. Thomas Schwarz: Neueste Erkenntnisse zu Photoprotektoren, hautnah dermatologie > Sonderheft 1/2018

2. RKI, Stand 27.06.2014: Antworten des Robert-Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D

3. Bundesamt für Strahlenschutz, 23.11.2017: Konsentierte Empfehlung zu UV-Strahlung und Vitamin D

4. Stiftung Warentest, 06.07.2018: Sonnenschutzmittel: Vier sind sehr gut und günstig

Titelbild: © iStock.com/RomoloTavani, weitere Bilder © iStock.com: manode, ratmaner, prasit chansarekorn

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