01. November 2017

Unangenehme Urlaubssouvenirs: 4 häufige Reisedermatosen

Nach Reisen in exotische Länder kommen Urlauber häufig mit Hauterkrankungen zurück in die Heimat. Die Diagnose fällt oftmals schwer, da die Krankheitsbilder ungewohnt sind. Hier erhalten Sie einen Überblick über vier der häufigsten Tropendermatosen. (Lesedauer: 3 Minuten)

Dieser Beitrag beruht auf einer Publikation in der Fachzeitschrift MMW Fortschritte der Medizin 1 sowie Informationen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) 2-5 und wurde von Christoph Renninger für Sie aufbereitet.

1. Leishmaniose

Abb. 1 Leishmaniose

Die Leishmaniose wird durch eine Infektion mit Parasiten der Gattung Leishmania hervorgerufen und tritt in den Tropen, Subtropen, aber auch in Südeuropa auf. Verbreitet wird der Erreger durch Sandmücken (Phlebotominae). Die häufigste Form der Erkrankung ist die kutane Leishmaniose, welche sich typischerweise Wochen bis Monate nach dem Stich der Sandmücke ausbildet. Charakteristisch ist eine singuläre, ulzerierende schmerzlose Papel mit einem Randwall (Abb.1).

Therapie: Die Hauterkrankung heilt meist von selbst wieder ab. Allerdings kann dies mehrere Monate dauern und Narben hinterlassen. Zur lokalen Therapie kann Antimon oder eine Paromomycin-Salbe eingesetzt werden. Ist der Gesichtsbereich betroffen oder treten mehrere Läsionen auf, ist eine systemische Therapie mit pentavalenten Antimonen notwendig.

Schwere Formen: Wesentlich schwerwiegender ist der seltene Fall der viszeralen Leishmaniose. Typische Symptome, welche teilweise erst Jahre nach der Infektion auftreten, sind Fieber, Gewichtsverlust und Hepatosplenomegalie. Im Blutbild ist eine Anämie, Leukopenie und Thrombozytopenie auffällig.

Schutzmaßnahmen: Zur Vorbeugung sollte der Kontakt zu Sandmücken durch Schutzmaßnahmen verhindert werden, beispielsweise durch lange Kleidung, Insektensprays und Moskitonetze. Sandfliegen halten sich meist in den unteren Stockwerken von Gebäuden auf.2

2. Myiasis

Abb. 2 Myiasis

Bei der Myiasis handelt es sich um eine Infektion mit Larven verschiedener Fliegenspezies (Myia), die in Afrika sowie in Mittel- und Südamerika vorkommen. Die Fliegeneier gelangen über die Kleidung oder andere Insekten auf die Haut des Wirts. Innerhalb weniger Minuten schlüpfen die Larven und penetrieren aktiv die Haut. Bei einer sekundären Myiasis werden die Eier direkt in offene Wunden oder nekrotisches Gewebe abgelegt.

Symptomatik: Auf der Haut zeigt sich ein furunkulärer Knoten mit einem zentralen Porus (Abb. 2). Gelegentlich bewegen sich die Larven unter der Haut, wandern dabei jedoch nicht weiter in den Körper ein. Mögliche Komplikationen sind eine Phlegmone oder ein Erysipel.

Therapie: Die Therapie besteht in der chirurgischen Entfernung der Larven. Dazu kann der Porus mit Vaseline oder Ultraschallgel abgedeckt und die Larven mit einer Pinzette herausgezogen werden, wenn sie zum Atmen an die Hautoberfläche kommen. Zur Verhinderung weiterer Symptome sollte nach der Extraktion eine Antibiotikatherapie durchgeführt werden.3

Welche Hautkrankheiten hierzulande am häufigsten vorkommen, lesen Sie in unserem Beitrag “5 häufige Hautkrankheiten: Blickdiagnose & Therapie”.

3. Tungiasis

Abb. 3 Tungiasis

Der Sandfloh (Tunga penetrans) kommt in tropischen und subtropischen Regionen vor und hält sich bevorzugt in sandigen Gegenden auf. Das gravide Weibchen bohrt sich durch die Hornhaut und nistet sich im Stratum granulosum ein. In der Haut wächst der Floh auf eine Größe von einem Zentimeter und legt in einem Zeitraum von 1-2 Wochen bis zu 1000 weißliche Eier über einen Porus an der Oberfläche ab (Abb. 3). Etwa drei Wochen nach dem Stich verstirbt das Tier in der Haut.

Symptomatik: Betroffen sind vor allem die unteren Extremitäten, da der Sandfloh nicht besonders hoch springen kann. Der Stich ist üblicherweise schmerzlos. Symptome, wie Juckreiz und Reizungen, treten erst auf, wenn das Flohweibchen angewachsen ist. Es kann zu Entzündungsreaktionen und Ulzerationen kommen, bei massivem Befall der Füße auch zu Gehproblemen. Dabei sind auch sekundäre bakterielle Infektionen, wie Tetanus oder Gangrän, nicht ungewöhnlich.

Therapie: Die Behandlung erfolgt durch die vollständige chirurgische Entfernung des Sandflohs. Um Begleitinfektionen zu verhindern, empfiehlt sich eine antibiotische Therapie und Tetanusprophylaxe.4

4. Larva migrans cutanea

Abb. 4 Larva migrans

Verschiedene Hakenwürmer (Ancylostomatidae), die am häufigsten in tropischen und subtropischen Ländern vorkommen, befallen vor allem Hunde und Katzen. Doch auch Menschen können mit dem Parasiten infiziert werden, meist durch Barfußlaufen auf den mit Tierkot kontaminierten Stränden. Dabei dringen die Larven in die Haut der Fußsohle ein und wandern unter der Haut weiter. Larva migrans sind auch unter dem Namen Hautmaulwurf bekannt.

Symptomatik: Innerhalb weniger Stunden nach dem Eindringen kommt es zu lokalem Juckreiz und Rötungen. Nach wenigen Tagen zeigen sich stark juckende, gyrierte, erythematöse Gangstrukturen (Abb. 4). Diese entstehen durch die entzündliche Reaktion auf die Antigene der Larven. Die Symptome sind zeitlich begrenzt, da die Larven innerhalb weniger Wochen absterben.

Therapie: Empfohlene Therapie ist die systemische Einmalgabe von Ivermectin, bei ausbleibendem Therapieerfolg oder einer Unverträglichkeit kann Albendazol lokal oder systemisch eingesetzt werden.5

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  1. Juchems A. Nicht jedes Souvenir ist auch ein schönes Andenken. MMW Fortschritte der Medizin 2017; 159(12): 16-17.
  2. Leishmaniasis. Centers for Disease Control and Prevention
  3. Myiasis. Centers for Disease Control and Prevention
  4. Tungiasis. Centers for Disease Control and Prevention
  5. Hookworm. Centers for Disease Control and Prevention

Bildquellen: Titelbild © Jasmina007-istockphoto.com
Leishmaniose © Centers for Disease Control and Prevention, Dr. Mae Melvin
Myiasis © Petruss Creative Commons
Tungiasis © 2007 Ugbomoiko et al. PLoS Negl Trop Dis 1 (3): e87.
Larva Migrans © The Center for Food Security & Public Health, Iowa State University

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