10. Juli 2018

Nahrungsergänzungsmittel: 3 Auswirkungen auf die ärztliche Praxis

Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren oder pflanzliche Wirkstoffe sind als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) weit verbreitet. Allerdings können sie auch unerwünschte Wirkungen haben, Laborergebnisse beeinflussen oder mit Medikamenten interagieren.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag beruht auf einem Artikel in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift, den Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Jeder dritte Deutsche nimmt NEM

Im Jahr 2015 wurde in Deutschland mit Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) ein Umsatz von fast 1,2 Milliarden Euro gemacht. Auch wenn die Präparate als Pulver oder Tabletten vertrieben werden, gelten sie nicht als Arzneimittel und unterliegen dem Lebensmittelrecht.

Viele Produkte werden mit Versprechen vermarktet, sich positiv auf die Gesundheit auszuwirken. Allerdings sind gesundheitsbezogene Angaben nur dann zulässig, wenn wissenschaftliche Belege vorliegen.

Neben Vitamin- und Mineralstoffpräparaten sind im Handel zunehmend auch Produkte mit Aminosäuren oder Fettsäuren erhältlich. Ebenso gewinnen NEM pflanzlichen Ursprungs (Botanicals) an Bedeutung.

3 Auswirkungen auf die ärztliche Praxis

1. Unerwünschte Wirkungen

Beim Konsum von NEM können allergische Reaktionen, bis hin zum anaphylaktischen Schock, auftreten. Entsprechende Fallberichte gibt es für Gelée Royale-haltige Präparate.

Nierenschäden wurden im Zusammenhang mit Aristolochiasäure-haltigen Pflanzenzubereitungen berichtet. Verschiedene NEM können zu Leberschäden führen.

Bei online im Ausland bestellten Präparaten zur Potenzsteigerung können verbotenerweise die Wirkstoffe Sildenafil, Tadalafil oder ähnlich wirkende Substanzen enthalten. Beim Konsum können die bekannten Nebenwirkungen der Medikamente auftreten.

2. Wechselwirkung mit Medikamenten

Medikamente wie Tetracycline oder Chinolon-Antibiotika können durch NEM mit hohem Kalzium- oder Magnesiumgehalt beeinträchtigt werden.

Die Wirkung von Warfarin oder Cumarin-Antikoagulanzien kann durch die gleichzeitige Einnahme von NEM verstärkt (Glucosamin-haltige Präparate) oder vermindert (hohe Vitamin-K-Konzentrationen) werden.

Verschiedene pflanzliche Inhaltsstoffe können sich auf die Bioverfügbarkeit auswirken. Ein Beispiel ist Piperin ein Alkaloid aus dem schwarzen Pfeffer, das die Resorption im Magen und Darm erhöht. Piperin wird im Kraftsport als NEM eingesetzt und soll zudem gegen Fettleibigkeit wirken.

3. Einfluss auf Laborparameter

Ein Beispiel wie NEM Laborergebnisse verfälschen können, sind falsch negative Befunde beim Nachweis von okkultem Blut im Stuhl mit dem Guajak-Test durch hohe Vitamin-C-Zufuhr.

In einem Fall wurde aufgrund erhöhter Homovanillinsäurespiegel bei einem Kind ein Katecholamin-produzierender Tumor vermutet. Auslöser war jedoch ein Quercetin-haltiges NEM.2

Wichtig: Bei der Anamnese sollten Patienten daher nicht nur nach Medikamenten gefragt werden, sondern auch, ob sie regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

  1. Bakhiya N et al. Nahrungsergänzungsmittel: Bedeutung in der ärztlichen Praxis. Dtsch MEd Wochenschr 2018; 143: 722-729.
  2. Weldin J et al. Quercetin, an over-the-counter supplement, causes neuroblastoma-like elevation of plasma homovanillic acid. Pediatr Dev Pathol 2003; 6: 547–551

Bildquelle: © istock.com/NoDerog

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