13. September 2017

Kopfläuse richtig behandeln: So geht’s

Ein Kopflausbefall ist zwar kein medizinischer Notfall, aber ohne richtiges Vorgehen mitunter kaum zu kontrollieren. Insbesondere in Schulen und Kindergärten führen die jährlichen Kleinepidemien deshalb schnell zur Frustration. Lesen Sie hier, was Sie tun können, um die Parasiten effektiv zu bekämpfen und eine Ausbreitung zu vermeiden (Lesedauer: 4 Minuten)

Die folgenden Informationen basieren größtenteils auf einer Publikation aus dem Deutschen Ärzteblatt.1 Dr. Nina Mörsch fasst wichtige Details für Sie zusammen.

Kopfläuse: Kein Zeichen von mangelnder Hygiene

Jeder Mensch kann Kopfläuse bekommen. Am häufigsten erkranken jedoch Studien zufolge Kinder zwischen dem 5. und 13. Lebensjahr. In der Regel trifft es dabei Mädchen häufiger als Jungen: So gelten längere braune oder rötliche Haare als unabhängiger Risikofaktor. Die Läuse und Nissen bleiben hier häufig unbemerkt und sind schwieriger zu therapieren. Zudem scheinen auch geschlechtstypische Verhaltensmuster eine Rolle zu spielen, da Mädchen eher länger die Kopfe zusammenstecken als Jungen.1

Hinweise darauf, dass mangelnde Körperpflege das Risiko einer Infestation von Kopfläusen erhöht, gibt es nicht. Vielmehr wird vermutet, dass die Parasiten sogar frisch gewaschenes Haar bevorzugen.2 Darin unterscheiden sie sich von Kleiderläusen, die zwischen der Körperbehaarung (Kopf ausgenommen) oder in der Bekleidung hausen und tatsächlich unter schlechten hygienischen Bedingungen auftreten.

Übertragungsrisiko über unbelebte Gegenstände ist vernachlässigbar

Der Hauptübertragungsweg von Kopfläusen ist der enge Kopf-zu-Kopf-Kontakt, weshalb bevorzugt Gruppen wie Schulkinder, die sich auf engem Raum aufhalten, betroffen sind. Das Risiko einer Übertragung durch Gegenstände wie zum Beispiel Haarbürsten, Kopfkissen oder Kopfbedeckungen ist vernachlässigbar. Dennoch raten Experten dazu, Kämme und Bürsten mit einer Seifenlösung zu reinigen.  Haustiere spielen bei der Übertragung von Kopfläusen keine Rolle.

Zur Infektionskontrolle ist aus diesem Grund die Behandlung betroffener Köpfe, jedoch nicht die Umgebung essenziell. Die meisten Kopfläuse sterben ohne weitere Blutaufnahme innerhalb von 30 Stunden nach dem letzten Blutsaugakt.  

Nachweis einer aktiven Infestation: „Feuchtes Kämmen“ Methode der Wahl

Symptomatisch kann sich ein Befall durch Juckreiz äußern. Dieser ist eine allergische Reaktion auf den Speichel der Läuse und tritt 4-6 Wochen nach Erstinfestation auf. Die Technik des „feuchten Kämmens“ eignet sich am besten, um eine aktive Infestation mit Läusen zu erkennen. Effektiver als ein Plastikkamm ist ein Metallkamm mit 0,2 mm Zinkenabstand. Dieser wird beginnend an der Kopfhaut durch nasses Haar gezogen. Der Vorgang sollte systematisch, Strähne um Strähne, erfolgen. Läuse, Eier und leere Hüllen bleiben am Kamm hängen und sind gut identifizierbar. Wiederholtes feuchtes Auskämmen (4-mal, alle drei Tage) kann als alternative Therapiemaßnahme eingesetzt werden.

Will man eine durchgemachte Infestation erfassen, also nur Eihüllen oder nicht entwicklungsfähige Eier detektieren, ist die visuelle Inspektion dem feuchten Durchkämmen überlegen. Zur Diagnosestellung reicht der Nachweis einer lebenden Laus.

Behandlung: So wirkt sie effektiv

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät bei der Beseitigung von Kopfläusen in doppelter Weise vorzugehen: 2

  1. Ein geeignetes Mittel gegen Kopfläuse anwenden und
  2. Die Haare mit einem Läusekamm nass auskämmen

Befallene und Kontaktpersonen (u.a. Familienangehörige) müssen synchron behandelt werden, da Überträger asymptomatisch und unerkannt bleiben können. Eine Einnistung erfolgt besonders in Haaren über den Schläfen, hinter den Ohren und im Nacken. Außerhalb des Kopfes können Kopfläuse maximal zwei Tage überleben, eine Infektiosität ist bereits nach wenigen Stunden nicht mehr gegeben. 

Neurotoxische Lokaltherapeutika wie Permethrin werden durch Ausbildung von Resistenzen zunehmend unwirksamer gegen Kopfläuse. Bei nicht-toxischen Dimeticonen hingegen sind Resistenzen nicht zu erwarten, da diese synthetischen Silikonöle physikalisch durch Verschluss der Atemöffnung wirken. Unabhängig vom Ausmaß des Befalls zeigten ovizidale Gemische aus zwei Dimeticonen in Studien mit 97% die beste Effektivität.1

Alternativ kann eine mechanische Entfernung der Parasiten mittels Läusekamm im nassen Haar erfolgen. Dieses „feuchte Auskämmen“ ist besonders bei Schwangeren bzw. Stillenden, Neugeborenen sowie Patienten mit Asthma oder offenen Wunden auf der Kopfhaut zu empfehlen.

Therapeutische Interventionen: Einmal ist keinmal?

Abb.1: Lebenszyklus der Kopfläuse mit therapeutischen Interventionen (nach 1)

Nur ovizide Mittel sind bei einmaliger Anwendung so wirksam, dass sachgemäß Behandelte bereits nach einem Tag nicht mehr als infektiös gelten. Nicht-ovizide Maßnahmen müssen wiederholt werden, bedingt durch den Lebenszyklus der Kopfläuse von durchschnittlich 21 Tagen (Abb. 1).

Fünf Tage nach der Paarung erfolgt die Eiablage am Haaransatz, gut verklebt mit der Kopfhaut. Etwa 8 Tage später schlüpfen die Nymphen, welche sich in drei Stadien von jeweils drei Tagen zu geschlechtsreifen Läusen entwickeln. Um den Befall nachhaltig zu eliminieren, sollte eine Behandlung mit 4% Dimeticon insgesamt dreimal erfolgen: Nach Eiablage mit zwei Wiederholungen in wöchentlichen Abständen. 

Gründe für eine unwirksame Behandlung

Das Robert-Koch-Institut nennt als mögliche Fehler in der Behandlung, die das Überleben von Eiern, Larven oder Läusen begünstigen,

  • zu kurze Einwirkzeiten,
  • zu sparsames Auftragen des Mittels,
  • eine ungleichmäßige Verteilung des Mittels,
  • eine zu starke Verdünnung des Mittels in triefend nassem Haar oder
  • das Unterlassen der Wiederholungsbehandlung.3

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1. Meister L, Ochsendorf F: Headlice—epidemiology, biology, diagnosis and treatment. Dtsch ArzteblInt 2016; 113:763-72.

2. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Kopfläuse..was tun?

3. Robert-Koch-Institut: Informationen zum Kopflausbefall

Bildquelle: istockphoto.com, Bildnachweis: KevinDyer

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