03. Februar 2018

Handy & Gesundheit: Krebs, Fortpflanzung & Psyche

Smartphones sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch welche gesundheitlichen Folgen und Risiken hat die Mobilfunknutzung? Hier erhalten Sie einen Überblick zur derzeitigen wissenschaftlichen Datenlage. (Lesedauer: 2 Minuten)

Dieser Beitrag basiert auf Berichten und Bewertungen des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), die Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, für Sie zusammenfasst.1,2

Kein erhöhtes Tumorrisiko

Die INTERPHONE-Studie untersuchte die Auswirkung der elektromagnetischen Strahlung auf Tumoren im Kopfbereich (Gliome, Meningeome, Akustikusneurinome und Tumoren der Parotis). Die epidemiologische Fall-Kontroll-Studie, an der Personen aus 13 Ländern teilnahmen, zeigte dass der Gebrauch von Mobiltelefonen keinen Einfluss auf das Auftreten von Hirntumoren hat.

Auch bei Langzeitnutzern (>10 Jahre) treten Gliome, Meningeome und Akustikusneurinome nicht häufiger auf, zu Parotis-Tumoren ließ sich aufgrund der geringen Fallzahl keine Aussage treffen.

Allerdings fanden Forscher ein signifikant erhöhtes Risiko für Gliome und Akustikusneurinome bei sehr intensiver Handynutzung (>1640 Stunden/Jahr). Die Tumoren der Gliazellen lagen dabei vermehrt in Regionen nahe den Ohren und auf der Kopfseite, die bevorzugt zum Telefonieren genutzt wird. Jedoch sind die Ergebnisse fraglich, da Antworten zur Nutzungshäufigkeit oftmals nicht nachvollziehbar waren und es keine biologisch-medizinische Erklärung gibt.

Obwohl nach der bisherigen Studienlage von einem durchschnittlichen Gebrauch von Mobiltelefonen kein ernsthaftes Gesundheitsrisiko ausgeht, hat ein italienisches Gericht im Frühjahr 2017 erstmals berufliches Handytelefonieren als Ursache eines Hirntumors anerkannt. Mehr dazu erfahren Sie hier >>.

Smartphones und Tablets für Kinder: Strahlenbelastung minimieren

Allerdings bestehen nach wie vor Unsicherheiten in der Risikobewertung, die durch das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm nicht vollständig beseitigt werden konnten. Diese betreffen insbesondere

  • mögliche gesundheitliche Risiken einer langfristigen Belastung mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern durch Telefonate mit dem Handy bei Erwachsenen (intensive Handynutzung über mehr als 10 Jahre)
  • die Frage, ob sich die Nutzung von Mobiltelefonen durch Kinder gesundheitlich auswirken könnte.

Aus diesen Gründen hält das BfS einen vorbeugenden Gesundheitsschutz (Vorsorge) weiterhin für erforderlich: Die Exposition durch elektromagnetische Felder sollte so gering wie möglich sein, heißt es auf der Internetseite des Amtes.

Studien, die die Effekte auf Kinder untersuchen sind derzeit die MOBI-KIDS-Studie und die COSMOS-Studie.1

Mobilfunksender und Krebsrisiko

Auch die Nähe zu Mobilfunkbasisstationen hat keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Krebserkrankungen, so das Ergebnis eines bevölkerungsbezogenen Krebsregisters, das über 177.000 Einwohner berücksichtigte. Das Erkrankungsalter unterschied sich nicht zwischen Gegenden mit und ohne Mobilfunkmasten.

In tierexperimentellen und epidemiologischen Studien konnte kein Zusammenhang zwischen der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung und Neoplasien festgestellt werden. Eine mechanistische Erklärung, wie Mobilfunkwellen dem Organismus schaden können, wurde noch nicht identifiziert.1

Handynutzung und männliche Fruchtbarkeit

Bei Einhaltungen der gültigen Grenzwerte und Normen haben hochfrequente elektromagnetische Felder keine Auswirkungen auf die Hoden und Spermien. Tierstudien ergaben teilweise widersprüchliche Ergebnisse, was jedoch vor allem durch qualitative Mängel erklärt werden kann. Bei Einhaltung wissenschaftlicher Standards fand sich kein Einfluss auf die Fruchtbarkeit.

Bei in vitro Untersuchungen von Spermien wurde teilweise eine verminderte Beweglichkeit festgestellt. Allerdings lässt sich dies auf die Wärmebelastung zurückführen, welche unter normalen Umständen nicht auftritt.

Auch über längere Zeiträume beeinträchtigen elektromagnetische Felder die Fortpflanzungsfähigkeit nicht.1

Risiko für Fehlgeburten

Eine aktuelle Studie konnte einen Zusammenhang zwischen nicht-ionisierender Strahlung, die unter anderem bei Mobilfunk und WLANs auftritt, und dem Auftreten von Fehlgeburten zeigen. Bei einer hohen Strahlenbelastung war das Risiko um den Faktor 2,72 erhöht.

Die Art der Strahlungsquelle hatte keinen Einfluss auf das Risiko. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass die Assoziation auch bei alltäglichen Verhalten der Probandinnen bestand und nicht von außergewöhnlichen Expositionen abhing.3

Kognition, Elektrosensibilität & Lebensfreude

Welche Auswirkungen Smartphones auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben, was es mit Elektrosensibilität auf sich hat und welche Nutzungsdauer glücklich macht, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags. Außerdem finden Sie dort sechs Tipps zum Umgang mit Handys.

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