11. Mai 2018

3 häufige sexuell übertragbare Krankheiten

Filzläuse, Herpes genitalis & Trichomonas vaginalis

Zu den häufigen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) zählen neben den bekannten bakteriellen Krankheiten (Syphilis, Gonorrhö & Chlamydien) auch Viren und Parasiten wie Trichomonas vaginalis oder Filzläuse.

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Beitrag beruht auf Informationen der Deutschen STI-Gesellschaft und internationalen Leitlinien, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.

Filzläuse: Kleine, blaue Flecken auf der Haut

Filzlaus (Phthirus pubis)

Im Vergleich zu Kopfläusen (Pediculus humanus capitis) sind Filzläuse (Phthirus pubis) mit einer Größe von 1,5-2 mm kleiner und haben eine krabbenähnliche Form. Sie krallen sich an (Scham)haaren fest und legen dort ihre Eier (Nissen) ab. Da sie sich kaum bewegen sind die Parasiten mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Bevorzugt befallen die Tiere Regionen mit apokrinen Schweißdrüsen, v.a. im anogenitalen Bereich. Seltener sind sie in Körperhaaren, Augenbrauen oder Wimpern zu finden.

Die Übertragung erfolgt vor allem durch Geschlechtsverkehr, allerdings ist auch eine Infektion über Kleidung, Bettwäsche oder Handtücher möglich. Betroffen sind häufig Jugendliche und junge Erwachsene.

Filzlausbefall im Schamhaar

Die Stiche der Filzläuse führen zu kleinen, blauen, verwaschenen Flecken auf der Haut (tâches bleues), welche vermutlich durch Blutablagerungen nach Kontakt mit dem Speichel der Läuse entstehen. Der Juckreiz ist meist nicht besonders stark ausgeprägt und tritt meist nachts auf.

Ähnlich wie bei Kopfläusen erfolgt die Behandlung mit Permethrin oder Allethrin. Sind die Wimpern befallen, kann die Atmung der Läuse mithilfe von fettenden Salben (Vaseline) verhindert werden, um eine Entfernung mit der Pinzette zu erleichtern. Mehr über die Therapie von Kopfläusen lesen Sie im Beitrag „Kopfläuse richtig behandeln: So geht’s“.

Kontaktpersonen sollten ebenfalls untersucht und behandelt werden. Es ist sinnvoll die betroffene Körperbehaarung zu entfernen und während der Therapie keine sexuellen Kontakte zu haben. Betroffene Kleidung und Bettwäsche sollte bei mindestens 60°C gewaschen werden.1

Herpes genitalis: Lebenslange Infektion unter Kontrolle?

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Herpes simplex 2 Virionen

Bei Herpes-simplex-Viren (HSV) im Genitalbereich ist in 80-90% der Fälle HSV 2 der Auslöser, während im Gesicht (Lippenherpes) überwiegend durch HSV 1 verursacht wird. Nach der Erstinfektion kommt es zu einer latenten Besiedlung der Ganglien. Durch Triggerfaktoren (Stress, Sonnenlicht, mechanische Reizung, Erkrankungen, Menstruation) können immer wieder Läsionen auftreten.

Bei frischen Läsionen besteht das Risiko einer Übertragung durch Haut- oder Schleimhautkontakt, z.B. durch Geschlechtsverkehr oder Küssen. Eine Infektion des Kindes während der Geburt ist möglich, aber selten.

Herpes genitalis bei Frau und Mann

Nach der Übertragung bilden sich an den betroffenen Körperregionen kleine, gruppierte Bläschen, die sich mit der Zeit in oberflächliche Geschwüre umwandeln und verkrusten. Weitere Symptome sind ein Spannungsgefühl, Schmerzen und Juckreiz. Die Läsionen bestehen meist über einen Zeitraum von zwei Wochen.

Infektionen von Neugeborenen können schwere Folgen haben, wie eine mögliche Erblindung (Keratokonjunktivitis), ein Befall des zentralen Nervensystems oder eine Sepsis.2

Eine Eliminierung der Viren im Körper ist nicht möglich, jedoch kann das Ausmaß und die Länge der Ausbrüche mit oralen Virostatika reduziert werden. Empfohlene Behandlungsregime über einen Zeitraum von fünf Tagen sind:3

  • Aciclovir (200 mg, 5 x täglich)
  • Aciclovir (400 mg, 3 x täglich)
  • Valaciclovir (500 mg, 2 x täglich)
  • Famciclovir (250  mg, 3 x täglich)

Trichomoniasis: Die häufigste sexuell übertragbare Infektion

Trichomonas vaginalis

Das parasitisch lebende Flagellat Trichomonas vaginalis kann bei Frauen in der Vagina, Urethra und paraurethralen Drüsen vorkommen. In den USA sind mehr als 11% aller Frauen infiziert. Die Schleimhautentzündung kann zu Symptomen wie vaginaler Juckreiz, Dysurie, Geruchsentwicklung und einem grünlich-gelblichen Ausfluss führen. Das Risiko für HIV-Infektionen ist bei einer Trichomoniasis um das zwei- bis Dreifache erhöht.

Bei Männern ist üblicherweise die Harnröhre betroffen, wobei die Infektion bei 70-85% asymptomatisch verläuft. Ein manchen Fällen kommt es zu leichten Harnwegsentzündungen. Der Nachweis der Infektion erfolgt über Kulturen oder die mikroskopische Untersuchung feuchter Präparate der Genitalsekrete.

Ausfluss bei Trichomoniasis

Die Übertragung erfolgt meist durch Geschlechtsverkehr, seltener durch Schmierinfektionen. Auch in nicht chloriertem Badewasser können die Erreger mehrere Stunden überleben, was eine Infektion beispielsweise über Handtücher ermöglicht. (Welche Keime noch im Wasser lauern können, erfahren Sie in unserem Beitrag “5 Infektionsrisiken beim Baden in See, Meer und Pool”.)

Patienten sollten mit Metronidazol oder Tinidazol behandelt werden, entweder mit einer Einmalgabe (2 g, oral) oder bei Metronidazol über sieben Tage mit 500 mg, 2 x täglich. Aufgrund des Disulfiram-Effekts des Medikaments muss während der Therapie auf Alkohol verzichtet werden, da sonst starke Nebenwirkungen zu erwarten sind. Mit der antiparasitären Therapie kommt es zum vollständigen Ausheilen der Krankheit.4

  1. Filzläuse (Pediculosis pubis, Phthiriasis). Deutsche STI-Gesellschaft
  2. Herpes genitalis. Deutsche STI-Gesellschaft
  3. Patel R et al. 2017 European guideline for the management of genital herpes. International Journal of STD & AIDS 2017; 0(0): 1-14.
  4. 2015 Sexually Transmitted Diseases Treatment Guidelines: Trichomoniasis. Centers for Disease Control and Prevention

Bildquellen: ©iStock.com/eclipse_images, Centers for Disease Control and Prevention, SOA-AIDS Amsterdam, CDC/Dr.Fred Murphy; Syliva Whitfield,

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