05. Oktober 2018

Grippe-Spezial 2018: Alle Fakten zum Saisonstart

Die vergangene Grippewelle war eine der schwersten der letzten Jahre, so das RKI. Da die nächste Saison bereits vor der Tür steht: Frischen Sie jetzt Ihr Wissen zu den aktuellen Impfstoffen auf und erfahren Sie mehr über mögliche gesundheitliche Folgen einer Grippeinfektion.

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch

Rückblick 2017/18: Schwerste Grippewelle seit Jahren

Die Grippewelle im Winter 2017/18 ist außergewöhnlich schwer gewesen, berichtet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert Koch-Instituts.1 Danach gab es geschätzte neun Millionen influenzabedingte Arztbesuche. Besonders betroffen waren die Altersgruppen ab 35 Jahren.

Der Trend zeigte sich auch in der Klinik, wo auf Intensivstationen die Zahl der Patienten mit schweren akuten respiratorischen Erkrankungen die drei Vorsaisons deutlich übertraf. Auf die Schwere der Grippesaison weist außederm die Auswertung der "Übersterblichkeit" im Zeitraum der Grippewelle hin, die für Berlin bereits vorliegt. Die im Bericht gezeigten Daten für Berlin übertreffen mit geschätzten 1.100 zusätzlichen Todesfällen die bereits hohen Schätzwerte für 2016/17.

"Die Schutzmöglichkeiten müssen besser genutzt werden", betont RKI-Präsident Lothar H. Wieler. Die Impfung ist trotz der von Saison zu Saison unterschiedlichen Wirksamkeit die wichtigste Schutzmaßnahme. Die Experten empfehlen die Impfung ab Oktober, denn nach einer Impfung könne es noch bis zu zwei Wochen dauern, bis der Schutz vollständig aufgebaut sei. Außerdem betont Wieler die Bedeutung von gründlichem Händewaschen mit Seife sowie das Abstandhalten zu Erkrankten, um das Erkrankungsrisiko zu verringern.

Vierfach-Impfstoff: Höhere Chance, keine Grippe zu bekommen

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist in der Schutzimpfungs-Richtlinie der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gefolgt, dass ab der Impfsaison 2018/2019 zur Grippeimpfung ein quadrivalenter Impfstoff mit der jeweils aktuellen, von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Antigenkombination zu verwenden ist. Dieser deckt laut RKI im Vergleich zu dem bislang oft verwendeten Dreifach-Impfstoff ein größeres Erregerspektrum ab. "Das ist jetzt nicht das Allheilmittel", sagte eine RKI-Sprecherin. Es sei aber eine höhere Chance als bisher, keine Grippe zu bekommen.

Mehr Informationen zu den aktuellen Impfstoffen finden Sie hier: "4 Fragen & Antworten zum neuen Influenzaimpfstoff 2018/19"

Impfempfehlungen bleiben unverändert

Die Empfehlungen der STIKO zur Influenzaimpfung haben sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert. Nach wie vor wird die Impfung als Standardimpfung bei Personen über 60 Jahren empfohlen und als Indikationsimpfung insbesondere für folgende Gruppen:

  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens
  • Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel (bei erhöhtem Risiko infolge eines Grundleidens ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel)
  • Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen

Grippeschutz für MS-Patienten? Was bei einer vorsorglichen Grippeschutzimpfung für Patienten mit Multipler Sklerose zu beachten ist, erfahren Sie hier.

Impfquoten unter medizinischem Personal nach wie vor sehr niedrig

Medizinisches Personal stellt eine mögliche Infektionsquelle für die von ihm betreuten Patienten dar. Dabei handelt es sich oft um Patienten, die wegen bestehender Grunderkrankungen ein erhöhtes Risiko haben, eine schwere, eventuell tödliche Verlaufsform der Influenza zu entwickeln. Die Impfung des medizinischen Personals folge daher dem ethischen Gebot, Patienten nicht zu schaden, betont das RKI. 2

Gleichzeitig dient die Impfung dem persönlichen Schutz des medizinischen Personals, das mit Influenzakranken in Kontakt kommen könnte. Dennoch lassen die Impfquoten von Ärzten und Pflegern nach wie vor zu wünschen übrig: So waren RKI-Wissenschaftler zufolge in der Grippesaison 2016/2017 in der Ärzteschaft nur 61,4 % geimpft, beim Pflegepersonal 32,5 % und bei therapeutischen Berufen 34,2 %. Aber auch in der Bevölkerung waren gerade einmal 34,8 % der Personen über 60 Jahre geimpft.

Für Praxisärzte: So wird die Impfung vergütet

Die Influenzaimpfung wird für die in der Schutzimpfungs-Richtlinie aufgeführten Risikogruppen ohne Mengenbegrenzung zu festen Preisen vergütet, meldet die Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV. 3 Das heißt, die Krankenkassen stellen für jede Impfung zusätzliches Geld bereit. Gegebenenfalls haben Kassenärztliche Vereinigungen regionale Vereinbarungen mit Krankenkassen zur Grippeschutzimpfung geschlossen, die eine Übernahme der Impfkosten auch für weitere Patientengruppen vorsehen. Die KBV rät Praxisärzten deshalb dazu, sich diesbezüglich bei der jeweiligen KV zu erkundigen.

Gefahren und Langzeitrisiken einer Grippeinfektion: In Teil 2 mehr erfahren >>

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