14. Oktober 2017

Grippeimpfung: Wichtige Fakten zum Saisonstart

Im Oktober beginnt der optimale Zeitraum für die Grippeimpfung. Frischen Sie hier Ihr Wissen zu den bestehenden Impfempfehlungen auf und erfahren Sie mehr über die aktuellen Impfstoffe sowie Neuerungen in den STIKO-Empfehlungen. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Der folgende Beitrag von Dr. Nina Mörsch basiert auf Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). 1,2,3

Rückblick Grippesaison 2016/17: Wer war besonders betroffen?

Die schwere Grippewelle der Saison 2016/2017 hat nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vor allem Senioren stark getroffen. Einer der Gründe: Mehr als 90 Prozent der Influenzaviren gehörten in dieser Saison zum H3N2-Subtyp, der besonders bei älteren und hochbetagten Menschen zu schweren Krankheitsverläufen führt. Hinzu komme die besonders niedrige Impfquote von älteren Menschen, erläutert Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des RKI.

Auch wenn die Wirksamkeit der Grippeimpfung nicht optimal ist, können aufgrund der Häufigkeit der Influenza viele Erkrankungsfälle und schwere Verläufe verhindert werden, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von RKI und Paul-Ehrlich-Institut.

Aktuelle Impfstoffe: Welche stehen zur Verfügung?

Neben den Impfstoffen zur intramuskulären Injektion in den Oberarm gibt es in dieser Saison auch einen Impfstoff, der subkutan, injiziert werden kann, erläutert Prof. Dr. Klaus Cichutek, Präsident des PEI 1 . Zusätzlich steht ein Nasenspray-Impfstoff für Kinder und Jugendliche ab dem Alter von zwei bis einschließlich 17 Jahren zur Verfügung, sowei ein Impfstoff für Personen über 65 Jahren mit Wirkverstärker. Es gibt drei tetravalente Influenza-Impfstoffe, die gegen alle kursierenden Hauptstämme des Influenzavirus schützen können. Eine vollständige Liste der verfügbaren Impfstoffe finden Sie hier auf den Internetseiten des PEI.

Kein hühnereiweißfreier Impfstoff verfügbar
Einen hühnereiweißfreien Impfstoff gibt es in dieser Saison nicht, so das PEI. Dennoch müssten sich Menschen mit einer Hühnereiweißallergie keine Sorgen machen: Schwerwiegende allergische Reaktionen auf eine Influenzaimpfung treten auch bei ihnen selten auf bzw. nicht häufiger, als bei Personen ohne Hühnereiweißallergie. Dennoch sollte bei bekannter Hühnereiweißallergie immer der Arzt informiert werden.

Zusammensetzung: Abweichungen zur Vorsaison

Für die Saison 2017/18 hat sich Influenza-Impfstoff im Vergleich zur Vorjahressaison in einer Komponente geändert. Dreifach-Impfstoffe sollten Antigene folgender Viren enthalten:

  • A/Michigan/45/2015 (H1N1) pdm 09-ähnlicher Stamm
  • A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2)-ähnlicher Stamm
  • B/Brisbane/60/2008-ähnlicher Stamm (Victoria-Linie)

Für quadrivalente Impfstoffe werden die Antigene der oben genannten Viren sowie eine Variante von B/Phuket/3073/2013 (Yamagata-Linie) empfohlen.

Vierfach-Impfstoff: (Noch) keine bevorzugte Empfehlung

Seit der Saison 2013/14 sind Vierfach-Impfstoffe mit einer zweiten B-Virus-Variante in Deutschland verfügbar. In Saisons, in denen der B-Stamm in nennenswertem Umfang zirkuliert, der nicht im Dreifach-Impfstoff enthalten ist, erscheint es aus Sicht des RKI plausibel, dass der Vierfach-Impfstoff einen umfassenderen Schutz bietet. Eine bevorzugte Verwendung von Vierfach-Imfpstoffen wird derzeit diskutiert – eine Empfehlung seitens der WHO oder der STIKO besteht allerdings noch nicht.

Risikogruppen: Ärzte & Pfleger nach wie vor nicht ausreichend geimpft

Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung nach wie vor bei Personen über 60 Jahre, chronisch Erkrankten und Schwangeren. Auch Ärzte und Pfleger sollte sich aufgrund der beruflichen Exposition impfen lassen – doch viele kommen dieser Empfehlung nicht nach. So waren einer Studie an zwei Unikliniken zufolge nur knapp 40 Prozent der Klinikmitarbeiter geimpft, 56 Prozent bei den Ärzten, 34 Prozent des Pflegepersonals und 27 Prozent bei therapeutischen Berufen.1

Geänderte Impfempfehlung bei Kindern und Jugendlichen

Ihre Empfehlung, bei Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren bevorzugt einen nasalen Impfstoff (abgeschwächter Lebendimpfstoff) einzusetzen, hat die STIKO mit dieser Saison endgültig zurückgezogen. Hintergrund ist, dass in den vergangenen Jahren im Vergleich zu den inaktivierten Impfstoffen keine überlegene Wirksamkeit mehr nachweisbar war. 3 Stattdessen empfiehlt die STIKO für die Altersgruppe von zwei – 17 Jahren entweder die Anwendung des nasalen Impfstoffs oder eines intramuskulär zu applizierenden inaktivierten Impfstoffs, sofern eine Indikation für die saisonale Influenza-Impfung besteht.

Weitere Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Influenzaimpfung sind auf den Internetseiten des RKI zu finden. Mehr Informationen rund um die von der STIKO empfohlenen Impfungen finden Sie außerdem in unserem Infocenter “Aktuelle STIKO.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

1. RKI und PEI, Pressemitteilung 14/2017: Influenza – vor allem ältere Menschen stark betroffen

2. RKI, Stand 28.09.2017: Saisonale Influenzaimpfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten

3. Epidemiologisches Bulletin Nr.35, 2017: Neuerungen in den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI für 2017/2018

Bildquelle: istockphoto.com, Bildnachweis: sitox

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