22. August 2017

Pflanzenvergiftungen: Symptome & Therapie (Teil 2)

Erfahren Sie hier mehr über weitere giftige Pflanzen in Heim und Garten, welche Symptome sie auslösen können und wie Sie therapeutisch vorgehen. (Lesedauer: 2 Minuten)

Dieser Beitrag beruht auf einer Publikation in der Fachzeitschrift MMW Fortschritte der Medizin 1 und wurde von Christoph Renninger für Sie aufbereitet.

Tollkirsche und Co.

Tollkirsche
Tollkirsche

In der Tollkirsche (Atropa belladonna), der Engelstrompete (Brugmansia sanguinea), im Stechapfel (Datura stramonium) und dem schwarzen Bilsenkraut (Hyosciamus niger) finden sich Alkaloide, die anticholinerg wirken. Klassische Symptome nach dem Verschlucken sind Mydriasis, trockene, warme Haut, Tachykardie, Harnverhalt und Delir. Auch zerebrale Krampfanfälle können bei schweren Intoxikationen auftreten.

Mit Physostigmin steht ein effektives Antidot zur Behandlung zur Verfügung. Außerdem sollte eine symptomatische und supportive Therapie erfolgen.

Wunderbaum

Wunderbaum
Wunderbaum

In der Samenschale des Wunderbaums (Ricinus communis) kommt das hochgiftige Protein Ricin vor, bereits ein halbes Samenkorn kann für ein Kind tödlich sein. Das Lektin hemmt die Proteinbiosynthese und führt ebenfalls erst nach einer Latenz von 4-8 Stunden zu klinischen Symptomen. Nach dem Verzehr der Samen treten eine hämorrhagische Gastroenteritis und hohes Fieber auf, die Vergiftung kann bis zum Multiorganversagen führen.

Auch bei Ricinvergiftungen besteht keine spezifische Therapie, ein Antidot zeigte Wirkung in Tierstudien. Neben den Erstmaßnahmen (Aktivkohle, Magenspülung) ist die Therapie supportiv. Einen aktualisierten Ratgeber für Ärzte zur Ricin-Intoxikation des Robert-Koch-Instituts finden Sie hier.

Dieffenbachie

Dieffenbachie
Dieffenbachie

Eine lokale Reizung kann durch die Blätter der Dieffenbachie (Dieffenbachia), einer beliebten Zimmerpflanze, ausgelöst werden. Verursacht wird diese durch Kalziumoxalatkristalle. Kritische Situationen treten nur im Ausnahmefall auf und können durch ein Zuschwellen der Atemwege nach Verschlucken der Blätter vorkommen.

Auch Nutzpflanzen bergen Risiken: Tomaten, Kartoffeln und Bohnen

Grüne & rote Tomaten
Grüne & rote Tomaten

Gastroenterologische Symptome können durch Solanin, das in grünen Kartoffeln und Tomaten enthalten ist, ausgelöst werden. Das Alkaloid verursacht Erbrechen und Durchfall. Allerdings sind schwere Verläufe sehr selten.

Unangenehme Magen-Darm-Beschwerden löst auch Phasin aus, ein Lektingemisch, das in mehreren Bohnensorten (v.a. der roten Nierenbohne) vorkommt. Die Vergiftungssymptome treten rasch ein und sind meist von kurzer Dauer. Beim Kochen der Bohnen wird Phasin abgebaut.

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  1. Rabe C et al. Gift aus dem Garten. MMW Fortschritte der Medizin 2017; 12(159): 46-49.

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