15. November 2018

Teil 2

Häufige Fehlerquellen bei der Beurteilung von Alkoholisierung

Erfahren Sie im folgenden Beitrag mehr über Fehlerquellen bei Alkoholgutachten – hier im Bereich der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU). Betrachten Sie außerdem die Bildergalerie der kuriosen Gründe, die eine Alkoholisierung rechtfertigen sollen.

Lesedauer: 2 Minuten

Der folgende Beitrag von Norbert Beck stammt aus dem Buch „Das Böse behandeln“ und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft (MWV). Redaktionelle Umsetzung: Marc Fröhling.

Medizinisch-Psychologische Untersuchung

Der Anlass einer MPU ist zu etwa einem Drittel die erstmalige Alkoholauffälligkeit im Straßenverkehr, in knapp 20% der Fälle liegt eine wiederholte Auffälligkeit vor. Hinzu kommen Alkoholauffälligkeiten kombiniert mit anderen Verkehrsdelikten wie Fahrten unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss. Hierbei werden insbesondere bei den Alkoholdelikten Missbrauch und Sucht voneinander unterschieden.

Alkoholmissbrauch

Der  Alkoholmissbrauch  im Straßenverkehr ist ein Delikt unter dem Einfluss von Alkohol, ohne dass Suchtparameter in ausreichendem Maße vorliegen. Jedoch wird auch hier bei wiederholten Delikten oder ab einem Blutalkoholwert von 1,6‰ eine behördliche Überprüfung vor der Wiederteilung der Fahrerlaubnis fällig. Eine Abstinenz ist auch erforderlich, wenn ohne Vorliegen von ausreichenden Anzeichen für die Sucht ein Kontrollverlust in der Geschichte der Alkoholaufnahme bei der betreffenden Person zu explorieren war.

Alkoholabhängigkeit

Im Gegensatz zum Alkoholmissbrauch orientiert sich die Alkoholabhängigkeit nicht nur am Normverstoß, sondern definiert sich auch durch das Krankheitsbild. Diese liegt gemäß ICD-10 vor, wenn innerhalb des letzten Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig vorhanden waren:

ICD-10 Kriterien:

  • starker Wunsch/Zwang zum Konsum
  • verminderte Kontrollfähigkeit
  • körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung bzw. Reduktion
  • Nachweis einer Toleranz
  • fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen
  • hoher Zeitaufwand für Besorgung des Suchtmittels
  • anhaltender Konsum trotz Nachweis schädlicher Folgen

Bei einer festgestellten Abhängigkeit ist zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis eine Entwöhnungsbehandlung stationär oder im Rahmen einer ambulanten Therapie erforderlich und dem Arzt der Untersuchungsstelle nachzuweisen. Nach der Therapie ist die Abstinenz nach etablierten Therapieverfahren in der Regel über ein Jahr zu belegen und ärztlich über Urinanalysen zu kontrollieren.

Fehlerquellen im Bereich der MPU

  • Falsche Fragestellung durch die Behörde bzw. die Fragestellung durch den Gutachter wurde nicht beantwortet.
  • Falsche Suchtdiagnose durch den Hausarzt bzw. den behandelnden Psychiater.
  • Keine Anforderung von ärztlichen Vorbefunden durch den Gutachter.
  • Abweichen von den Beurteilungskriterien ohne fundierte Begründung.
  • Unzureichende Rückkopplung zwischen begutachtendem Arzt und Psychologen.
  • Falsche Interpretation von Laborwerten.
  • Fehlende differenzialdiagnostische Erwägungen bei auffälligen Laborwerten.
  • Fehlende Laborakkreditierung, keine forensische Absicherung der Laborergebnisse.

Alkohol am Steuer: 5 kuriose Begründungen

In den Akten finden sich immer wieder auch kuriose Einlassungen, wodurch eine Alkoholisierung begründet sein soll. Einige davon haben wir in dieser Bildergalerie für Sie zusammengestellt.

Detailliertere Informationen finden Sie im Buch „Das Böse behandeln".

Das Buch „Das Böse behandeln“ wurde herausgegeben von Nahlah Saimeh in der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft (MWV). Mehr Informationen zu Themen rund um die forensische Medizin, den Maßregelvollzug und die Behandlung des Bösen finden Sie im Buch.

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Titelbild: © iStock.com/8vFanl, Symbolbild mit Modellen
Bildergalerie:
Abb. 1: © iStock.com/Ekaterina_Molchan
Abb. 2: © iStock.com/gerenme
Abb. 3: © iStock.com/skynesher, Smybolbild mit Modellen
Abb. 4: © iStock.com/gopixa
Abb. 5: © iStock.com/magicmine

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