17. April 2018

Teil 1

Die Farben des Urins und ihre Bedeutung

Urinuntersuchungen haben eine lange Geschichte in der Medizin. Bereits die Farbe kann einiges über den Gesundheitszustand verraten.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Übersichtsarbeit im Southern Medical Journal, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Gelb: Alles im normalen Bereich

Gesunder Urin ist klar und hat eine hellgelbe bis goldene Farbe. Die Farbschwankungen hängen von der Flüssigkeitszufuhr ab, je mehr getrunken wird, desto heller der Urin. Verursacht wird die Färbung durch Urobilin, ein Abbauprodukt des Gallenfarbstoffs Bilirubin.

Rot: Blut, Porphyrie oder rote Bete?

Berichten Patienten über roten Urin, sollte ein Test auf Hämoglobin oder Erythrozyten erfolgen. Handelt es sich tatsächlich um Blut im Urin, sind die möglichen Ursachen vielfältig, von Nierenerkrankungen oder hämatologischen Krankheiten bis zur Kontamination mit Menstruationsblut.

Verschiedene Krankheiten, wie Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Favismus), Sichelzellanämie oder Thalassämie können zu einer hämolytischen Anämie führen, bei welcher der Urin eine tiefrote Farbe hat.

Doch auch ohne Blut kann roter Urin ein Warnzeichen sein. Bei akuten Porphyrien (Stoffwechselerkrankungen der Häm-Biosynthese) treten zudem u.a. schwere, kolikartige Bauchschmerzen, Lichtunverträglichkeitsreaktionen oder neurologische Ausfälle auf. Lesen Sie mehr im “Bild der Woche: Warum wechselt der Urin seine Farbe?”.

Andere, harmlose Auslöser einer rötlichen Färbung sind Medikamente (z.B. Warfarin, Rifampicin oder Deferoxamin) oder Lebensmittel wie Karotten, Brombeeren oder rote Bete.

Orange: Meist harmlos

Orange-farbener Urin kann bei Wassermangel auftreten oder als harmlose Nebenwirkung von Medikamenten wie Isoniazid oder Phenazopyridin. In seltenen Fällen können Harnwegsinfektionen mit Gram-negativen Bakterien ebenfalls zu einer solchen Urinfarbe führen.

Braun: Zeichen für Melanozyten?

Brauner Urin kann durch Melanozyten in den Harnwegen verursacht werden. Metastasierende Melanome können in seltenen Fällen Hautverfärbungen, Läsionen innerer Organe und braun-schwarzen Urin auslösen.

Eine weitere mögliche Ursache ist eine Überdosis Paracetamol, da sich der Metabolit p-Aminophenol ansammelt und den Urin braun färbt. Lesen Sie hier mehr über die Folgen einer Überdosis im Artikel “Paracetamol-Intoxikation: Wie im Notfall vorgehen?”.

Schwarz: Nebenwirkung in der Parkinson-Therapie

Sehr dunkler Urin kann in Folge einer Behandlung mit L-Dopa oder α-Methyldopa auftreten. Auch andere Medikamente wie Metronidazol, Laxantien oder intramuskuläre Eisen-Injektionen können schwarzen Urin zur Folge haben.

Eine seltene Erbkrankheit ist die Alkaptonurie, bei der Tyrosin-Stoffwechsel beeinträchtigt ist und es zur Akkumulation von Homogentisinsäure kommt. Klinische Symptome sind Arthritis, Nierensteine und dunkle Verfärbungen der Haut und des Urins.

Teil 1: Von Gelb und Rot bis Braun und Schwarz
Teil 2: Von Blau und Grün bis Violett und Weiß

  1. Aycock RD & Kass DA. Abnormal Urine Color. Southern Medical Journal 2012; 105(1): 43-47.

Bildquelle: © iStock.com/Evgenii141/LucaLorenzelli

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