14. Dezember 2017

Auffälliges Blutbild

Teil 2: Thrombozytose

Blutbildauffälligkeiten sind ein häufiger Befund in Klink und Praxis. Lesen Sie mehr über Differenzialdiagnosen bei Erhöhung der Thrombozytenzahl. (Lesedauer: 2 Minuten)

Dieser Beitrag basiert auf einer Publikation in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift und wurde von Christoph Renninger für Sie zusammengefasst.1

Formen, Symptome & Therapie

Kommen im peripheren Blut mehr Thrombozyten als die physiologischen 150.000-450.000/µl (150-450 G/l) vor, kann dies durch eine Veränderung der Thrombopoese oder der Verteilung verursacht werden. Unnormale lange Lebenszeiten der Blutplättchen gibt es jedoch nicht.

Klonale Erhöhungen der Thrombozytenzahl aufgrund myeloproliferativer Neoplasien werden als Thrombozythämie bezeichnet. Wesentlich häufiger sind aber reaktive Formen der Thrombozytose im Rahmen verschiedener Grunderkrankungen.

Meist verläuft eine Thrombozytose asymptomatisch und stellt sich erst als Zufallsbefund heraus. Bei primären Formen können Mikrozirkulationsstörungen in den Zehen und Fingern auftreten. Auch das Risiko für schwerwiegende Thromboembolien ist für diese Patienten erhöht. Bei reaktiven Formen ist ohne weitere Risikofaktoren die Neigung zu thromboembolischen Erkrankungen nicht erhöht und eine prophylaktische Therapie mit Antikoagulantien ist nicht notwendig.

Differenzialdiagnosen primärer und sekundärer Formen

Eine primäre Thrombozytose kann ausgelöst werden durch:

  • myeloproliferative Neoplasien (essenzielle Thrombozythämie, Polycythämia vera)
  • Erkrankungen des Knochenmarks (CML, myelodysplastisches Syndrom)

Die Grunderkrankungen einer sekundären Thrombozytose sind vielfältig. Auslöser sind beispielsweise:

  • chronische Infektionen oder Entzündungen (Tuberkulose, chronisch entzündliche Darmerkrankungen)
  • paraneoplastisch (metastasierte Tumorerkrankungen)
  • posttraumatisch (nach hohem Blutverlust)
  • Eisenmangelanämie (chronische gastrointestinale Blutungen, Mangelernährung)
  • regenerativ (Regeneration nach Knochenmarkssupression durch Chemotherapie)

Sonderform: Eine Sonderform stellt die Asplenie, z.B. nach Splenektomie, Milzatrophie oder bei Sichelzellanämie, dar. Hierbei findet eine Umverteilung der Thromozyten vom Milz-Pool ins periphere Blut statt. Über einen besonderen Fall der Asplenie lesen Sie im Beitrag “Das Rätsel der verschwundenen Milz”.

Die wichtigste primäre Form: Essenzielle Thrombozythämie (ET)

Mit einer Inzidenz von 1/100.000 ist die ET zwar selten, aber trotzdem die wichtigste Differenzialdiagnose einer primären Thrombozytose. Die Krankheit tritt im Durchschnitt mit 55 Jahren auf und trifft Frauen häufiger als Männer. Bei mehr als 90% der Patienten liegt eine Mutation in den charakteristischen Genen JAK2, MPL oder CALR vor.

Etwa ein Drittel der Patienten ist beschwerdefrei, doch können Erythromelalgien, Schwindel oder Sehstörungen auftreten. Zudem ist das Risiko für venöse Thrombosen bei ET-Patienten über 60 Jahren deutlich erhöht (15% pro Patient und Jahr vs. 1% in der Allgemeinbevölkerung).

Die Therapie richtet sich daher nach dem Risiko für thromboembolische und hämorrhagische Komplikationen. Die Betreuung der Patienten sollte in Absprache mit einem Hämatologen erfolgen.

Thrombozyten: Zu wenig statt zu viel

Veränderungen der Thrombozytenzahl können auch in die umgekehrte Richtung ausschlagen. Mehr über die Thrombozytopenie erfahren Sie im dritten Teil des Beitrags. Mehr zur Leukopenie finden Sie im ersten Teil.

Auffälliges Blutbild Teil 1: Leukopenie

Lesen Sie mehr über wichtige Differenzialdiagnosen bei Veränderungen der Leukozyten. Hier zum Beitrag>>

Auffälliges Blutbild Teil 3: Thrombozytopenie

Erfahren Sie mehr über Ursachen, Symptome und Risiken bei einer Verminderung der Thrombozytenzahl. Hier zum Beitrag >>

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

  1. Wille K et al. Thrombozytose und Thrombozytopenie – Ursachen und klinische Bedeutung. Dtsch Med Wochenschr 2017; 142: 1732-1743.

Bildquelle: © royalstockphoto-istockphoto.com

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653