Leukopenie
Blutbildauffälligkeiten sind ein häufiger Befund in Klinik und Praxis. Doch die Interpretation der Laborergebnisse ist nicht immer einfach. Lesen Sie mehr über Differenzialdiagnosen bei Veränderungen der Leukozyten.
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Dieser Beitrag basiert auf einer Publikation in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift und wurde von Christoph Renninger für Sie zusammengefasst.1
Definition von Leukopenie
Physiologisch kommen 4.000-10.000 Leukozyten/µl im peripheren Blut vor, wobei es Unterschiede je nach Geschlecht, Alter und Ethnie gibt. Eine Leukopenie liegt vor, wenn deutlich weniger weiße Blutkörperchen vorhanden sind. Doch erst ein Differenzialblutbild lässt eine vollständige Beurteilung zu, da auch bei unauffälliger Leukozytenzahl eine Neutro- oder Lymphopenie vorhanden sein kann. (Tab.1)
| Zelltyp | Anteil an der Leukozytenzahl |
|---|---|
| neutrophile Granulozyten | 40-75% |
| Lymphozyten | 20-45% |
| Monozyten | 2-10% |
| eosinophile Granulozyten | 1-6% 1-6% |
| basophile Granulozyten | <1% |
Neutropenie: Es kann zu medizinischem Notfall kommen
Klinisch relevant ist vor allem die Neutropenie, insbesondere wenn die Zahl der neutrophilen Granulozyten <500/µl liegt. Hier ist das Infektionsrisiko deutlich erhöht und die typischen Symptome einer Entzündung werden möglicherweise verschleiert. Ein medizinischer Notfall liegt bei schwerer Neutropenie und Zeichen einer Infektion (Fieber >38°C, Tachykardie, Hypotonie) vor.
Da die Mortalität bei unbehandeltem neutropenem Fieber hoch ist, muss unverzüglich mit einer intravenösen Antibiotikatherapie begonnen werden. Blut- und Urinkulturen dienen der Identifizierung des Erregers.
Stabile, bestehende Leukopenie ist kein Notfall
Sind im Blutbild auch die Werte für Erythrozyten und Thromozyten erniedrigt, ist dies ein Hinweis auf eine Bildungsstörung im Knochenmark. Auch der zeitliche Verlauf und der Vergleich mit Vorwerten ist bedeutend bei der Bewertung einer Leukopenie. Eine stabile, bestehende Leukopenie ist meist kein Notfall.
Leukopenie: Mit 7 Fragen zur Diagnose
Wird bei einem Patienten eine isolierte Leukopenie festgestellt, spielt die Anamnese eine wichtige Rolle für die Differenzialdiagnose. Mit folgenden Fragen, können Sie der Ursache der Leukopenie auf die Spur kommen:
- Bestehen hämatologische oder maligne Erkrankungen (z.B. Knochenmarkkarzinome, multiples Myelom, Lymphome)?
- Ist der Patient mit HIV, Hepatitis oder Tuberkulose (Lymphopenie) infiziert?
- Liegt eine Autoimmunerkrankung vor?
- Wurde der Patient bestrahlt, erhielt er eine Chemotherapie oder eine Therapie mit Rituximab?
- Liegt eine Vergrößerung der Milz und der Lymphknoten vor?
- Besteht ein Vitamin B12 - und Folsäuremangel?
- Finden sich Dysplasiezeichen im Blutbild?
Neutropenie als Medikamenten-Nebenwirkung: Viele häufig verordnete Medikamente können als seltene Nebenwirkung eine Neutropenie verursachen, darunter fallen Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac, Metamizol), Antibiotika (Amoxicillin, Cephalosporine, Vancomycin), Antiepileptika (Carbamazepin, Levetiracetam, Valproat) und Antipsychotika (Clozapin).
Leukopenie: Wenn alle Fragen keinen Hinweis liefern
Sind die genannten Ursachen einer Leukopenie ausgeschlossen, sollte eine Knochenmarkspunktion durchgeführt werden. Eine histologische, molekularbiologische und zytogenetische Analyse kann Aufschluss über mögliche Störungen der Hämatopoese geben. Mögliche Ursachen einer insuffizienten Hämatopoese sind:
- das myelodysplastische Syndrom
- eine aplastische Anämie
- eine Myelofibrose
Auch toxische Schäden, die durch Chemo- oder Strahlentherapie verursacht werden, können die Blutbildung im Knochenmark stören und dadurch eine Leukopenie verursachen.
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Originaltext veröffentlicht am 14.12.2017, aktualisiert am 30.07.2025



