15. Februar 2018

Aus dem Kollegenkreis

Einfache Behandlung von analem Juckreiz

Quälender analer Juckreiz ist ein häufiges Problem. Dabei werden oft Analmarisken fälschlich als „äußere Hämorrhoiden“ angesehen. Wie Sie diese schnell erkennen und einfach behandeln können, erfahren Sie hier. (Lesedauer: 3 Minuten)

PD Dr. med. Jürgen Kreusch, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, ist unseren Lesern vor allem durch seine praxisrelevanten Tipps zur Behandlung von Mückenstichen und Rhagaden an den Fingerkuppen bekannt. Auf vielfachen Wunsch unserer Leser setzen wir mit diesem Artikel die beliebte Beitragsserie fort.

Analmarisken: Weiche faltenreiche Hautlappen ohne Blut beim Pressen

Analmarisken lassen sich leicht bei einfacher Inspektion erkennen als weiche, breitbasig aufsitzende oder gestielte, faltenreiche Hautlappen, oft umgeben von mehr oder weniger stark entzündeter Haut und Schleimhaut. Im Pressversuch füllen sie sich nicht mit Blut. Viele Patienten haben eine jahrelange Odyssee hinter sich, bekommen oft starke Cortison-Salben (Klasse 3 oder 4 nach Niedner) verschrieben, die in der Langzeitanwendung durchaus problematisch sein können. Ebenfalls sieht man nicht selten die durch lange frustrane Behandlungen erworbenen Kontaktsensibilisierungen gegen z.B. Bufexamac oder Lokalanästhetika der verwendeten Salben oder Zäpfchen.

Anamnese: Reinigungsprozedur abfragen

Neben der klinischen Untersuchung (auch zur Klärung des Vorliegens von Rhagaden oder Analfisteln, einer Mykose, einer Psoriasis der Analfalte, seltener auch von Wurmbefall usw.) ist eine vertiefte Befragung der Patienten sehr wichtig. Natürlich beinhaltet die Anamnese die Fragen nach Stuhlunregelmäßigkeiten sowie Blut- oder Schleimbeimengungen. Beim eindeutigen Befund von Marisken sollte man aber „Klartext“ mit den Patienten reden.

Dazu gehört auch die Frage, ob nach dem Stuhlgang viele Reinigungsvorgänge notwendig sind, bis das Toilettenpapier sauber ist. Verbliebene Stuhlreste und die Reibung mit dem Toilettenpapier sind häufig für den immer wiederkehrenden Juckreiz verantwortlich. Wichtig ist auch die Frage, ob Wasser und ggf. auch Seife oder feuchtes Toilettenpapier zur Reinigung verwendet werden. Seife ruft bei häufigen Reinigungsvorgängen eine irritativ bedingte Dermatitis hervor, feuchtes Toilettenpapier kann wegen der stets darin enthaltenen Konservierungsstoffe zusätzlich ein allergisches Kontaktekzem bewirken.

Körperlotion nach jedem Stuhlgang schafft Abhilfe

Es ist auch für Patienten leicht nachvollziehbar, dass die wiederholten Reinigungsvorgänge die empfindliche Analhaut reizen können. Eine einfache Lösung dieses Problems ist die Verwendung einer Körperlotion, die nach der ersten groben Reinigung auf das nächste Stück Toilettenpapier gegeben wird. Dank des Fettanteils der Lotion gleitet das Toilettenpapier fast reibungslos, das Ablösen von Stuhlresten erfolgt wesentlich leichter, vollständiger und schonender. Dermatologen nennen das „Abölen“ und wenden fettige Substanzen (Öle, Salben) oft zur schonenden Entfernung von Belägen der Hautoberfläche an.

Linderung schnell spürbar

Patienten merken die bessere Wirkung dieser einfachen Prozedur schon daran, dass der Verbrauch von Toilettenpapier zurückgeht. Schließlich hinterlässt die Lotion einen dünnen, schützenden Fettfilm auf der Hautoberfläche und wirkt durch ihren Wasseranteil kühlend und juckreizlindernd. Ferner leuchtet auch die Erklärung ein, dass man bei Säuglingen zum Säubern der Windelregion von Stuhlresten und Penatencreme ein ölgetränktes Pflegetuch verwendet.

Am besten Körperlotionen ohne Harnstoffanteil

Abbildung 1: Probefläschchen
Abbildung 2: große Spender

Am besten eignen sich preiswerte, normale Körperlotionen, möglichst ohne Harnstoffanteil (Urea), weil dieser in Einrissen der Haut Brennen und Schmerzen verursacht. Die Umstellung der Reinigungsprozedur muss als Dauermaßnahme langfristig erfolgen. Es ist daher ratsam, Probefläschchen für unterwegs zu nutzen (Abb. 1) und zusätzlich einen größeren, handelsüblichen Spender gleicher Lotion neben die häusliche Toilette zu stellen (Abb. 2), damit jedes Mal nach dem Stuhlgang nachgereinigt werden kann.

Falls keine Linderung eintritt, andere Ursachen abklären

Es lässt sich in wenigen Tagen überprüfen, ob die Marisken Ursache des Juckreizes waren – die Beschwerden lassen nach. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist, müssen selbstverständlich die zahlreichen weiteren, auch u.U. bösartigen Ursachen des analen Juckreizes von entsprechend spezialisierten Ärzten geklärt werden. Sofern man aber Patienten mit einer einfachen Maßnahme diese oft aufwendigen, unangenehmen Untersuchungen ersparen kann, hat sich der Versuch gelohnt. Für manche dieser Patienten bietet sich auch die operative Entfernung der Marisken an – hiervon sind allerdings die Koloproktologen nicht immer leicht zu überzeugen.

Dieser Beitrag wird vertreten von PD Dr. med. Dr. rer. nat. Jürgen F. Kreusch, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten mit dem Arbeitsschwerpunkt Hautkrebsdiagnostik. Dr. Kreusch ist (Mit-)Verfasser von mehreren Lehrbüchern zur Auflichtmikroskopie von Hauttumoren. Folgen Sie Dr. Kreusch hier.

Möchten auch Sie Gastautor bei coliquio werden? Hier finden Sie alle wichtigen Informationen und eine Liste aller coliquio-Autoren.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

Titelbild: iStock. Bildnachweis: RapidEye.

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653