24. Oktober 2019

Teil 2: Junge Frau (32) wirft diagnostische Rätsel auf

Nachdem die Endokarditis erfolgreich behandelt worden ist, erscheinen nun violette, schmerzlose Papeln auf den Hand- und Fußrücken, sowie an den Beinen. Die Patientin leidet unter Hepatits C – doch ist das Ursache? 1

Lesedauer: 2 Minuten

Janeway-Läsionen unwahrscheinlich

Die Behandler halten Janeway-Läsionen im Rahmen der Endokarditis für unwahrscheinlich, da diese Embolien mit septischem Material sich normalerweise als flache Makulae palmar sowie plantar manifestieren.

Kryoglobulinämie möglich

Eine Hepatitis-C-Erkrankung kann mit einer Kryoglobulinämie einhergehen. Dabei handelt es sich um eine Immunkomplex-vermittelte Vaskulitis der kleinen Gefäße, die sich durch eine Purpura mit Ulzerationen und Nekrosen zeigt und die mit Gelenkschmerzen und Polyneuropathie einhergehen kann. Deshalb veranlassen die Ärzte wiederholte Blutuntersuchungen, bei denen das Kryoglobulin jedoch stets negativ bleibt.

In den Biopsien, die aus den betroffenen Stellen entnommen wurden, zeigten sich perivaskuläre Infiltrationen von neutrophilen Granulozyten, zusammen mit fibrinoiden Nekrosen kleiner Gefäße. Bakterien konnten nicht nachgewiesen werden.

Kutane leukozytoklastische Angiitis

Somit schließen die Ärzte die Kryoglobulinämie und Janeway-Läsionen aus. Was nun als Ursache übrig bleibt, ist die Medikation, denn auch durch Arzneimittel, darunter ß-Laktame, kann eine leukozytoklastische Vaskulitis ausgelöst werden. Die Behandler setzen nun Oxacillin ab und verabreichen stattdessen das bereits zuvor verwendete Vancomycin, woraufhin die Hautläsionen ohne Narbenbildung abheilen.

Über die Diagnose

Damit handelt es sich um den zweiten beschriebenen Fall, in dem Oxacillin mit einer kutanen leukozytoklastischen Angiitis assoziiert ist. Während etwa 50% aller Fälle idiopathisch sind, hängen 10-24% der Fälle mit einem Arzneimittel wie Sulfonamiden, NSAID und Beta-Laktam-Antibiotika zusammen. Dabei stützt die Literatur die Diagnose der Behandler, da auch Oxacillin ein ß-Laktam ist. Eine kutane leukozytoklastische Angiitis ist meist, wie im Namen enthalten, rein kutan, kann aber nicht selten den Gastrointestinaltrakt und die Nieren miteinbeziehen. In solchen Fällen kann eine immunsuppressive Therapie angezeigt sein.

Es bleibt jedoch offen, so die Autoren, ob die Purpura durch die Endokarditis selbst ausgelöst wurde, da es auch Fälle gab, in denen (wahrscheinlich) die bakteriellen Antigene die Bildung von autoaggressiven Immunkomplexen induzierten.

Die Patientin erholt sich vollständig. Die Trikuspidalklappe wird im weiteren Verlauf operativ ersetzt, wobei keinerlei Komplikationen auftreten. Einen Monat nach Entlassung sind keine neuen Hautläsionen aufgetreten.

  1. Mericliler M et al: Oxacillin-induced leukocytoclastic vasculitis. IDCases. Volume 17, 2019, e00539

Bildquelle: © Getty Images/Lothar Drechsel

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