22. Mai 2019

Das steckt hinter der Anämie

Bei ihrem Sturz hatte sich die alte Dame eine Verletzung der Milz zugezogen, allerdings kam es erst mit einer Verzögerung zur Ruptur und dadurch starkem Blutverlust. Aufgrund der verspäteten Behandlung verstarb die Patientin.1

Lesedauer: 2 Minuten

Hämaskos nach verzögerter Milzruptur

CT-Scan, der eine vergrößerte Milz, ein subkapsuläres Hämatom, eine Hämorrhagie und ein Hämatoperitoneum zeigt.

Im CT-Scan des Abdomens sehen die Ärzte ein Milzhämatom mit konstanter Blutung und eine große Blutmenge im Peritonealraum (Abbildung). Eine Embolisation der A. splenica wird durchgeführt und führt zunächst zu einer klinischen Verbesserung. Allerdings verschlechtert sich der Zustand der Patientin in den folgenden Tagen rapide, mit Pneumonie, Nierenversagen und bestehender Anämie.

Aufgrund ihrer Situation entscheiden sich die Patientin und ihre Angehörigen gegen weitere kurative Maßnahmen und die Frau verstirbt in der Klinik, 33 Tage nach der Operation am Oberschenkelhals.

Bei der Obduktion zeigt sich eine rupturiere Milz, ein Milzhämatom und nekrotische Milzpulpa. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass sich die Patientin bei ihrem Sturz auch eine Verletzung der Milz zugezogen hat. Allerdings ist es erst mit einer Verzögerung zur Ruptur und dadurch zur katastrophalen Blutung gekommen.

Milz häufig bei stumpfem Trauma betroffen

Die Milz ist das Organ, das bei stumpfen Abdominaltraumata am häufigsten verletzt wird. In der Mehrzahl der Fälle zeigt sich die Verletzung unmittelbar durch ein akutes Abdomen oder hämodynamische Instabilität. Jedoch tritt bei ca. 15% der Verletzung die Milzruptur erst mit einer Verzögerung von Tagen bis Wochen nach dem Trauma auf. Bei verzögerten Milzrupturen ist die Mortalität mit 5-15% hoch (vgl. 1% bei akuter Verletzung).

Verletzungen der Milz
Erfahren Sie in diesem Deximed-Beitrag das Wichtigste über Milzverletzungen.

Die Diagnose ist häufig schwierig, da keine oder unspezifische Symptome vorliegen und die Zeit zwischen (auch harmlos erscheinenden) Unfällen und Auftreten des Milzrisses variabel ist. Als Goldstandard in der Diagnostik gilt die Computertomographie (95-97% Genauigkeit).

Warum wurde die Verletzung bei der Patientin übersehen?

Bei etwa 30-40% der Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch liegt bei der Aufnahme in die Klinik der Hämoglobinwert unterhalb des Referenzbereichs. Auch der operative Eingriff kann zu einer Absenkung um ca. 2 g/dl führen. Darauf wurde die postoperative Anämie zurückgeführt, zumal keine weiteren Anzeichen bestanden.

Die Ultraschalluntersuchung ist nicht immer sensitiv und spezifisch genug, um Verletzungen der Milz zu erkennen. In diesem Fall ist das falsch-negative Ultraschallergebnis vermutlich darauf zurückzuführen, dass sich zum Zeitpunkt der Untersuchung noch keine große Blutmenge im Peritonealraum befand. Die Autoren stellen zur Diskussion, ob alle Patienten mit einer Fraktur des Oberschenkels routinemäßig mit einem CT-Scan auf weitere Verletzungen untersucht werden sollen.

  1. Kar S et al. A rare cause of anaemia in an older patient with fractured neck of femur. J R Coll Physicians Edinb 2016; 46: 18-20.

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