22. Mai 2019

Sturz einer alten Dame mit verheerenden Folgen

Eine 84-Jährige bricht sich bei einem Sturz auf der Straße den Oberschenkelhals. Die Operation verläuft erfolgreich, doch in der Zeit danach treten unerklärliche Symptome auf. Schließlich kollabiert die Frau.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Kasuistik im Journal of the Royal College of Physicians of Edinburgh, die Christoph Renninger für Sie zusammengefasst hat.1

Oberschenkelhalsbruch und gelungener chirurgischer Eingriff

Die 84 Jahre alte Frau ist noch fit und selbstständig, in den vergangenen Jahren litt sie zwar an Angina pectoris, einer gastroösophagealen Refluxkrankheit und Arthrose, sie muss aber keine Medikamente regelmäßig einnehmen. Als sie eines Tages vom Einkaufen nach Hause läuft, stürzt sie auf den Bürgersteig. Sie wird in das nahegelegene Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte eine intrakapsuläre Fraktur des linken Oberschenkelhalses feststellen.

Es bestehen keine weiteren sichtbaren Verletzungen, die Frau klagt nicht über Schmerzen in Brust- oder Bauchraum. Die Untersuchungen (kardiovaskulär, neurologisch, EKG, Röntgenthorax, Blutanalyse) in der Klinik sind unauffällig. Der Hämoglobinwert liegt bei 10,8 g/dl (Normwert für Frauen 12-16 g/dl), der Serumnatriumwert bei 132 mmol/l (Normwert 135-148 mmol/l).

Die Ärzte veranlassen eine Operation mit einem Hemiarthroplastiksystem, die ohne Komplikationen und mit einem zufriedenstellenden Ergebnis verläuft. Postoperativ ist der Hämoglobinwert leicht erniedrigt bei 9,0 g/dl.

Sprachstörungen und Pneumonie

Vier Tage nach dem Eingriff entwickelt die Patientin eine leichte Dysphasie, aber keine anderen neurologischen Symptome. Eine Computertomographie des Gehirns zeigt keine Anzeichen eines Infarkts oder einer Hämorrhagie. Zu diesem Zeitpunkt liegt der Hämoglobinwert bei 6,4 g/dl und sie erhält zwei Bluttransfusionen. Eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens ist unauffällig, eine endoskopische Untersuchung wird von der Patientin abgelehnt. Die Ärzte vermuten einen ischämischen Schlaganfall und verordnen Acetylsalicylsäure (1 x täglich 75 mg).

Weitere drei Tage später kommt es zu einer Pneumonie und einer akuten Niereninsuffizienz, welche mit intravenösen Antibiotika und Flüssigkeitsgabe behandelt werden. Die Frau erholt sich langsam wieder und auch die Dysphasie verbessert sich. Zehn Tage nach der Operation wird die Patientin auf eine geriatrische Station verlegt, zur weiteren Rehabilitation, aber auch zur Beobachtung der Anämie.

Bei einer gastrointestinalen Endoskopie stellen die Ärzte einen Barrett-Ösophagus fest. Auch während der Zeit auf der neuen Station bleiben die Hämoglobinwerte bei 8-9 g/dl. Weitere Blutuntersuchungen zeigen einen geringen Eisenwert von 6 µmol/l (Referenzbereich: 7-27 µmol/l), bei normalen Werten für Ferritin, Vitamin B12 und Folsäure.

Plötzlicher Zusammenbruch

Am 29. Tag des Klinikaufenthalts kollabiert die Seniorin, ohne dass zuvor Brustschmerzen, Atemnot oder Palpitationen aufgetreten sind. Die Frau hat über leichte Bauchschmerzen geklagt. Ihr Blutdruck liegt bei 84/50 mmHg, ihr Abdomen ist ausgedehnt und auf der linken Seite druckempfindlich. Ihr Hämaoglobinwert liegt bei 7,2 g/dl, bei normaler Koagulation.

Die Frau bleibt hämodynamisch instabil und trotz Flüssigkeitsgabe sinkt der Hämoglobinwert in den folgenden Stunden auf 5,2 g/dl. Es werden fünf Blutkonserven transfundiert und weitere Schritte zur Diagnostik eingeleitet.

Was die Ärzte schließlich feststellen und wie es der Frau weiter ergeht, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. Kar S et al. A rare cause of anaemia in an older patient with fractured neck of femur. J R Coll Physicians Edinb 2016; 46: 18-20.

Bildquelle: © istock.com/Aleksandar Nalbantjan

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