31. Mai 2019

Sectio nach Krampfanfällen – doch Symptome bleiben bestehen

Lesedauer: 2 Minuten

Aufgrund der Krampfanfälle wird eine Sectio durchgeführt. Der Junge kommt mit einem Gewicht von 1,1 kg zur Welt, der APGAR-Score beträgt 2 nach einer Minute und 7 nach fünf Minuten. Der Ballard-Score zeigt ein Gestations-Alter von 29 Wochen an. Der Junge entwickelt subependymale Blutungen (Hirnblutung Grad I). Eine zusätzliche schwere Thrombopenie wird im Kontext der konnatalen Syphilis interpretiert. Nach der entsprechenden supportiven und antibiotischen Behandlung entwickelt er sich allerdings gut und kann nach vier Wochen in gutem klinischem Zustand entlassen werden.

Hypertonie und Proteinurie bleiben vorerst bestehen

Die Symptome der jungen Mutter, nämlich die Hypertonie und die Proteinurie, bleiben bestehen. In Zusammenschau der Befunde erhärtet sich der Verdacht auf eine Glomerulonephritis. Dafür sprechen die Urinbefunde, die eine Mikrohämaturie anzeigen, und der verminderte Komplementfaktor C4. Ein Schwangerschaftshypertonus kann bis zu vier Wochen nach Geburt persistieren, remittiert allerdings in der Regel innerhalb weniger Stunden.

Die Nieren-Biopsie zeigte schließlich eine IgA-dominante Glomerulonephritis.

A und B: PAS-Färbung(40x) C: Silberfärbung nach Jones (40x) D: Elektronenmikroskop (8000x). Der blauer Pfeil zeigt subendotheliale Ablagerungen an.
Direkte Immunfluoreszens der Nierenbiopsie. IgG und IgM sind negativ. IgA und C3c sind positiv.

Die junge Frau wurde antibiotisch mit Benzathin-Benzylpenicillin 2,4 Mio. IE i.m./Woche über drei Wochen behandelt.

Vier Monate nach der Geburt ging es sowohl der jungen Mutter als auch dem Kind gut. Proteinurie und Hypertension sind vollständig remittiert, ebenso wie die Lues-Infektion.

Zusammenfassung

Eine (wahrscheinlich) 16-Jährige entwickelte im Rahmen einer ihr (angeblich) unbekannten Schwangerschaft und einer zeitgleich bestehenden Lues-Infektion im Sekundärstadium eine postinfektiöse IgA-Glomerulonephritis. Klinisch zeigte sich zunächst das Bild einer Präeklampsie, bedingt durch den Bluthochdruck und die Proteinurie. Laborchemische Hinweise auf die Glomerulonephritis widersprachen jedoch der These der Präeklampsie, ebenso wie die ausbleibende Remission nach Sectio.

Dass die Syphilis auch zu Glomerulonephritiden führen kann, ist bereits bekannt. Die Autoren sehen in diesem Fall jedoch ein warnendes Beispiel dafür, dass bei einer Schwangerschafts-Hypertonie stets auch an eine zugrunde liegende (latente) Nephropathie gedacht werden sollte. Besonders in Ländern mit Ressourcen-Knappheit, wie in diesem Fall Mexiko, könne das Urinsediment erste Hinweise auf eine Differentialdiagnose liefern.

Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Patientin Läuse und Flöhe hatte. Das heißt, dass zusätzlich zur Lues und der dadurch ausgelösten Glomerulonephritis auch eine Präeklampsie bestand und beide Faktoren das klinische Bild bedingten.

  1. Orozco Guillén et al.: “Acute IgA-Dominant Glomerulonephritis Associated with Syphilis Infection in a Pregnant Teenager: A New Disease Association“, Journal of Clinical Medicine, 18.01.2019

Bildnachweis: Die Bilder stammen aus dem Artikel von Ozozco Guillén et al. (2019)

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