31. Januar 2020

Junge Frau mit häufigen Stürzen durch ungewöhnliche Ursache

Eine junge Frau (29) leidet seit 20 Jahren immer wieder unter starken Bauchschmerzen, doch nun kommt es außerdem vermehrt zu Stürzen und Taubheitsgefühlen in den Beinen. Die vermeintliche Diagnose der Ärzte passt jedoch nicht zu den Laborergebnissen.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Kasuistik im Journal of the Royal College of Physicians Edinburgh, die Christoph Renninger für Sie zusammengefasst hat.1

Eine lange Krankheitsgeschichte

Die 29-Jährige wird im Rollstuhl in eine neurologische Klinik gebracht. Seit 2 Monaten kommt es immer wieder zu Stürzen und verstärktem Harndrang. Sie beschreibt in beiden Beinen eine Taubheit unterhalb der Knie, außerdem Parästhesien unterhalb der Hüfte und eine veränderte Wahrnehmung an beiden Handflächen.

Nach einer Appendix-Ruptur 20 Jahre zuvor, kommt es wiederholt zu starken Abdominalschmerzen. Die Patientin hat mehrere Laparotomien hinter sich, welche Verwachsungen und eine Zyste am rechten Eierstock offenbart haben. Aufgrund der starken Schmerzen nimmt sie verschiedene Medikamente ein:

  • lang und kurz wirksame Morphin-Präparate,
  • Butylscopolamin,
  • Paracetamol,
  • Ondansetron.

Nachdem ihr Hausarzt die Opioiddosis reduziert hat, sucht die Frau mit zunehmender Häufigkeit Notaufnahmen auf, um Mittel gegen ihre Schmerzen zu erhalten, zuletzt bis zu 2 Mal täglich. Ihren Beruf als Verkäuferin hat sie aufgrund der Stürze aufgegeben. Sie raucht 10 Zigaretten am Tag, trinkt keinen Alkohol und ernährt sich aufgrund der Bauchschmerzen wechselhaft.

Einige Auffälligkeiten kommen zum Vorschein

Die Untersuchungen der oberen Extremitäten, Hirnnerven, Reflexe, Sprache und Kognition haben normale Ergebnisse. Der Muskeltonus ist schwierig zu untersuchen, aber es besteht kein Klonus. Die Kraft in beiden Beinen wird mit Grad 4 von 5 angegeben.

Die Position der Zehengelenke ist verändert, ebenso ist die Schmerzwahrnehmung unterhalb des T6-Dermatoms beeinträchtigt. Das große Blutbild ist unauffällig, ebenso die Werte für TSH, Kupfer und Caeruloplasmin.

Im MRT sehen die Ärzte eine Hypersensitivität im Rückenmark im Bereich zwischen C2 und T5. Die Kombination aus Myelopathie, peripherer Neuropathie und den Veränderungen im MRT sprechen für eine Degeneration des Rückenmarks.

Vermeintliche Diagnose passt nicht zum Labor

Die häufigste Ursache für die Symptome ist ein Vitamin B12-Mangel. Allerdings liegt der Laborwert mit 162 pg/ml (Normbereich: 145-569 pg/ml) im unteren normalen Bereich und ist nicht niedrig genug, um das Krankheitsbild zu erklären.

Was die ungewöhnliche Ursache für die Stürze der jungen Frau ist, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. Sleeman I et al. An Unusual cause of falls in a young woman. J R Coll Physicians Edinb 2016; 46: 160-162.

Bildquelle: © Getty Images/AnnaStills

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