31. Januar 2020

Ungewöhnliche Ursache für die Stürze

Bei ihren Besuchen in den Notaufnahmen hat die junge Frau zur Behandlung ihrer Schmerzen auch ein Lachgasgemisch erhalten. Dieses inhalative Analgetikum führte schließlich zur Myelopathie.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Gut gemeint, aber mit verheerenden Folgen

Um die Dosis an Opioiden zu reduzieren, haben die Ärzte in der Notaufnahme ihr MEOPA, ein äquimolares Gasgemisch aus Sauerstoff und Lachgas (N2O, Distickstoffoxid), verarbreicht. Aufgrund ihres schlechten Ernährungszustands löste das Medikament jedoch eine Degeneration des Rückenmarks aus.

Die Patientin erhält im weiteren Verlauf Vitamin B12-Injektionen, ebenso wird eine intensive Physiotherapie begonnen. Zwei Jahre später kann die Frau mithilfe von Krücken laufen, doch besteht noch immer eine Fallneigung beim Gehen und sie ist nicht in der Lage, ihre Arbeit wieder aufzunehmen.

Die toxische Wirkung von N2O führt zu einer Demyelinisierung des Hinter- und Seitenhorns des Rückenmarks, ebenso zu einer Degeneration großer myelinisierter peripherer Nerven. Bei der Patientin sind die Pyramidenbahnen geschädigt, wodurch die Schwäche der unteren Extremitäten, die veränderte Wahrnehmung an den Handflächen und die urologischen Symptome verursacht werden.

Weitere Symptome, die bei einer Schädigung durch Distickstoffoxid auftreten können sind:

  • Lhermitte-Zeichen,
  • Ataxie,
  • Spastiken,
  • Hyperreflexie,
  • Klonus.

Lachgas unter Jugendlichen und Studierenden verbreitet

Im Jahr 2015 haben 6,1% der Jugendlichen (16-24 Jahre) in Großbritannien angegeben, Lachgas in ihrer Freizeit konsumiert zu haben. Dabei werden vor allem Kartuschen aus Sprühsahnedosen verwendet. Aufgrund seiner analgetischen und euphorisierenden Wirkung wird MEOPA oftmals von Medizinstudierenden missbraucht.

Auch bei gesunden Erwachsenen, die Lachgas während einer Operation inhalieren, können transiente megaloblastäre Veränderungen des Knochenmarks auftreten. Bei Patienten mit niedrigem Vitamin B12-Spiegel oder einer makrozytären Anämie kann die Verwendung 2 Tage bis 6 Wochen postoperativ zu neurologischen Folgen führen. Bei mangelernährten Patienten empfehlen die Autoren daher eine präoperative Bestimmung des Vitamin B12-Werts.

Bei der Behandlung toxischer Effekte ist die Abstinenz von Lachgas der wichtigste Schritt. Intramuskuläre Vitamin B12-Injektionen können die Erholung unterstützen, auch bei normalen Serumwerten. Allerdings zeigen Fallberichte, dass die Verbesserung der Symptome oftmals nur langsam voranschreitet und auch Monate später noch Symptome bestehen.

  1. Sleeman I et al. An Unusual cause of falls in a young woman. J R Coll Physicians Edinb 2016; 46: 160-162.

Bildquelle: © Getty Images/sudok1

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