17. Mai 2019

Unbedarftes Verhalten mit Folgen

Auf Nachfrage gibt der Kanadier an, auf Empfehlung eines Naturheilpraktikers hochdosiertes Vitamin D einzunehmen. Durch ein Versehen übersteigt die tägliche Dosis die empfohlene Menge um ein Vielfaches.1

Lesedauer: 2 Minuten

Verwechseltes Präparat und Überdosis

Der Heilkundler hat dem Mann empfohlen, täglich acht Tropfen eines bestimmen Vitamin-D-Präparats (500 IE/Tropfen) zu sich zu nehmen, obwohl keine Anzeichen eines Vitamin-D-Mangels vorliegen. Versehentlich ersteht der Mann ein anderes Präparat (1.000 IE/Tropfen).

Es findet keine Beratung über mögliche Risiken einer Überdosierung statt und über einen Zeitraum von 2,5 Jahren nimmt der Patient eine tägliche Dosis von 8.000-12.000 IE ein, die empfohlene Tagesdosis liegt bei 800 IE.2

Die Blutwerte für 1,25-Dihydroxyvitamin D 3 und 25-Hydroxyvitamin D 3 sind ebenfalls erhöht. Die Ärzte verordnen das Absetzen aller Vitamin-D-Präparate und eine kalziumarme Ernährung. Die Hypertonietherapie wird wieder aufgenommen, jedoch nicht die Diuretika.

Werte normalisieren sich unter Therapie

Die 1,25-Dihydroxyvitamin D 3 und Kalziumwerte steigen jedoch weiter an, als neues Symptom tritt ein starker Juckreiz auf. Aufgrund der fortschreitenden Hyperkalzämie empfehlen die Behandler eine Therapie mit Glukokortikoiden, welche der Patient jedoch ablehnt, da er eine Gewichtszunahme befürchtet.

Nach Aufklärung über die Risiken und möglichen Nebenwirkungen (z.B. retinale Toxizität) wird eine Therapie mit Hydroxychloroquin (400 mg/Tag) begonnen. Unter der Behandlung sinken die Serumwerte für Kalzium und Vitamin D.

Ein Jahr nach den Ereignissen liegen die Blutwerte weiter auf einem normalen Niveau. Allerdings haben die Nieren bleibenden Schaden genommen, es besteht eine chronische Niereninsuffizienz (Stadium 3; Glomeruläre Filtrationsrate 34 ml/min; Referenzbereich >90 ml/min).

Vitamin D-Toxizität ist selten

Toxische Effekte von Vitamin D können auftreten, wenn hohe Dosen (>10.000 IE/Tag über mehrere Monate) eingenommen werden. Aufgrund von Malabsorption oder CYP24A-Mutationen können die Dosen jedoch variieren. Eine Überdosis verläuft häufig asymptomatisch.

Es können jedoch auch verschiedene Symptome auftreten, welche hauptsächlich durch die Hyperkalzämie verursacht werden:

  • zentralnervös: Lethargie, Verwirrtheit, Koma
  • gastrointestinal: Übelkeit, Erbrechen, Pankreatitis
  • kardiovaskulär: Hypertonie, Arrhythmien, Short-QT-Syndrom
  • urologisch: Polyurie, Nephrokalzinose, Nierenversagen

Auch wenn keine klinischen Studien zur Behandlung vorliegen, haben sich verschiedene Medikamente als wirksam erwiesen, in dem die aktive Form von Vitamin D reduziert wurde. Dazu zählen Glukokortikoide, Ketocanozol und Hydrochloroquin.

  1. Auguste BL et al. Use of vitamin D drops leading to kidney failure in a 54-year-old man. CMAJ 2019; 191 (14): E390-E384.
  2. Vitamin D (Calciferole). Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.

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