02. August 2019

Toxischer Schock durch Brustabszess

Die Ärzte stellen fest, dass die junge Frau an einem Abszess an der Brust leidet. Die Bakterien führen zu einem toxischen Schocksyndrom (TSS). In dieser Form handelt es sich um den ersten publizierten Fall.1

Lesedauer: 2 Minuten

Sonographie gibt Aufschluss

Abb.1 Ultraschallaufnahme der rechten Brust, mehrere zystische Veränderungen

Eine Ultraschalluntersuchung der rechten Brust zeigt mehrere zystische Gebiete, die größte Zyste hat einen Umfang von 2,0 × 1,0 × 1,3 cm. (Abb.1) Die Ärzte stellen die Diagnose eines Abszesses, der ein toxisches Schocksyndrom auslöste. Die Patientin erhält intravenös Vancomycin (40 mg/kg) und Clindamycin (40 mg/kg).

Die Eryhrodermie verschlimmert sich dennoch zunehmend und trotz Flüssigkeitsersatz sinkt der Blutdruck weiter, bis auf 82/46 mmHg. Die Teenagerin erhält Noradrenalin und wird auf eine pädiatrische Intensivstation verlegt. Ein Untersuchung des Beckens zeigt keine entzündlichen Prozesse oder Fremdkörper.

Operation wird notwendig

Nach Ausschluss alternativer Ursachen wird eine Operation zur Inzision und Drainage des Abszesses anberaumt. Während des Eingriffs stellen die Operateure mehrere Abszesshöhlen fest, die mit eitrigem Material gefüllt sind. Es wird ein Debridement zusammen mit Haut-, Brust- und subkutanem Gewebe durchgeführt.

In einer Bakterienkultur können im späteren Verlauf Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) nachgewiesen werden. Am zweiten Tag nach der Operation wird das Noradrenalin abgesetzt und der Ausschlag bessert sich. Die junge Patientin erholt sich unter der antibiotischen Behandlung gut und kann am vierten Tag entlassen werden.

Die Therapie mit oralem Clindamycin wird für 10 Tage fortgesetzt. Bei einer Kontrolluntersuchung einen Monat später ist die Jugendliche wieder vollkommen gesund und trainiert für die nächsten Schwimmwettbewerbe.

TSS: Nicht nur durch Tampons

Das Toxische Schocksyndrom wird durch Infektionen mit Staphylokokken oder Streptokokken ausgelöst. Traurige Bekanntheit hat die Krankheit durch Fälle erlangt, bei denen Tampons zu lange im Körper verblieben (Tamponkrankheit). Allerdings ist durch Aufklärung über den sachgerechten Gebrauch die Inzidenz seit den 1980ern stark gefallen.

Etwa die Hälfte aller Fälle tritt unabhängig von der Menstruation auf, etwa nach Operationen, durch postpartale Wundinfektionen oder Brandverletzungen. Eine frühe Diagnose ist von enormer Bedeutung, da innerhalb von 24 bis 72 Stunden eine lebensbedrohliche Infektion auftreten kann.

Wissen im Überblick: Toxisches Schocksyndrom
Lesen Sie mehr über das toxische Schocksyndrom in unserem Deximed-Beitrag.

Der beschriebene Fall der 16-jährigen Schwimmerin ist in der Literatur bislang einzigartig, da ein Prodrom, ähnlich einer Virusinfektion, für nur 3 Tage bestand und die initiale Untersuchung in der Klinik ohne Auffälligkeiten gewesen ist. Innerhalb weniger Stunden nahm die Erkrankung einen fulminanten Verlauf. Es handelt sich hierbei um den ersten beschriebenen Fall eines Staphylokokken-assoziierten TSS nach einem Brustabszess. Hier zurück zur Fallbeschreibung.

  1. Taylor GM et al. Breast abscess in a competitive high school swimmer: a case of toxic shock syndrome. Oxford Medical Case Reports 2019; 6: omz054.

Bildquelle: © iGetty Images/Morsa Images

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