20. August 2021

39-jährige Schwangere mit Kurzatmigkeit und Hypoxämie

Eine Patientin kommt in der 30. Schwangerschaftswoche mit Atemnot, Husten und Fieber in die Kinik. Dort stellen die Ärztinnen und Ärzte eine schwere Hypoxämie und eine Influenza-Grippe fest. Doch trotz umfänglicher Untersuchungen dauert es 10 Monate bis sie schließlich die seltene, aber potenziell tödliche Krankheit erkennen. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Der folgende Beitrag beruht auf einer Kasuistik aus der Fachzeitschrift European Heart Journal Case Reports. 1 Redaktion: Dr. Nina Mörsch

Die Fallbeschreibung

Eine 39-jährige Patient stellt sich in der 30. Schwangerschaftswoche bei ihrem Arzt vor: Sie berichtet von erschwerter Atmung, Husten und Fieber. Der Arzt stellt eine schwere Hypoxämie sowie eine Influenza-B-Infektion fest und verordnet Oseltamivir sowie Amoxicillin- Clavulansäure. Doch weder die Hypoxämie noch die Hypokapnie verbessern sich unter der Therapie.

Zum Ausschluss einer Lungenembolie erfolgt eine Computertomografie der Lunge. Außerdem wird eine Ventilations-/Perfusions-Szintigrafie zur Beurteilung der Belüftungsverhältnisse in der Lunge durchgeführt. Alle Befunde fallen negativ aus.

In der 33. Schwangerschaftswoche fällt die Entscheidung für einen elektiven Kaiserschnitt. Doch die Hypoxämie bleibt auch nach der Geburt bestehen und die Patientin benötigt zusätzlichen Sauerstoff.

Anamnese

In der Krankheitsgeschichte der Patientin fallen eine arterielle Hypertonie und eine Hypothyreose während der aktuellen Schwangerschaft auf. Außderdem berichtet sie im ersten Anamnese-Gespräch vom frühen Tod ihrer 17-jährigen Schwester.

Bei der Aufnahme verneint sie Brustschmerzen, Synkopen und Hämoptysen. Auch habe sie nie geraucht. Bei der körperlichen Untersuchung ist sie leicht dyspnoeisch und hypoxämisch [Sauerstoffsättigung mit zusätzlichem Sauerstoff bei 4 L/min 99 %]. Die Auskultation der Lunge ergibt ein bibasilares Knistern. Es finden sich aber kein peripheres Ödem und keine Haut-, Finger- oder Nagelveränderungen.

Die Erstuntersuchung zeigt eine schwere Hypoxämie [PaO 2 59 mmHg mit einer Fraktion des eingeatmeten Sauerstoffs (FiO 2) von 21 %] mit Hypokapnie, die jedoch gut auf die Sauerstofftherapie anspricht. Die biochemischen und autoimmunologischen Untersuchungen sind unauffällig (Alle Laborergebnisse in der tabellarischen Übersicht >> )

Die Röntgenaufnahme des Brustkorbs zeigt keine pleuralen oder pulmonalen Veränderungen. Die Lungenfunktionsuntersuchung ergibt normale Atemvolumina, aber eine niedrige Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid (DLCO) von 56,9 %. Das Ergebnis der hochauflösenden CT lässt eine Beteiligung des Lungenparenchyms ausschließen. (Zur Bildgebung des Brustkorbs >>)

Kardiale Diagnostik

Ein transthorakales Echokardiogramm (TTE) zeigt einen nicht dilatierten rechten Ventrikel und einen Geschwindigkeitsgradienten der Trikuspidalregurgitation von 3,0 m/s (Abbildung der transthorakalen Echokardiographie). Mit dem Bubble-Test schließen die Herzspezialisten einen intrakardialen oder intrapulmonalen Shunt aus. Anschließend führen sie eine Rechtsherzkatheteruntersuchung durch.

Diese zeigt eine schwere Ruhehypoxämie (SaO 2 86 %) und eine leichte präkapilläre pulmonale Hypertonie (PH), die mit 100 % O 2 teilweise reversibel ist (Ergebnisse der Rechtsherzkatheteruntersuchung im Überblick).

Da der Schweregrad der Hypoxie nicht im Verhältnis zur leichten pulmonalen Hypertonie steht, entscheidet sich das Ärzteteam für die Durchführung einer Lungenbiopsie, die ein unspezifisches Muster einer chronischen Bronchiolitis (Bilder der Lungenbiopsie) offenbart. Da der Befund die Diagnose einer pulmonalen Gefäßerkrankung nicht stützt, entlassen die Ärztinnen und Ärzte die Patientin unter Sauerstofftherapie, ohne spezifische Medikamente zu verordnen.

Richtige Diagnose erfolgt 10 Monate später

Erfahren Sie im zweiten Teil, weshalb die Lungenbiopsie für die Patientin gefährlich hätte werden können und welcher entscheidende Hinweise der Patientin erst 10 Monate später die Ärzte und Ärztinnen zur richtigen Diagnose führt.

  1. Santos-Ferreira C, Cardoso D, Paiva B, Baptista R. Pulmonary arterial hypertension unveils itself: a cancer-like progression – a case report.Eur Heart J Case Rep. 2021;5(5):ytab149. Published 2021 May 22. doi:10.1093/ehjcr/ytab149

Bild: © GettyImages/Ridofranz

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