04. Oktober 2019

Portugiese (63) mit rätselhaftem Leberbefund

Ein Portugiese, der in seinem Leben nicht allzu weit verreist ist, kommt wegen blutigen Durchfalls in die Notaufnahme. Hat seine neue Partnerin etwas mit der wachsenden Raumforderung in der Leber zu tun?

Dieser Artikel beruht auf dem Case Report von Sofia R. de Valdoleiros et al.1 Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera Mendoza

Tag 1: Diarrhö, Fieber, Bauchschmerzen

Ein 63-jähriger Portugiese stellt sich im Juli 2018 in der Notaufnahme vor, nachdem er seit zehn Tagen unter blutiger Diarrhö leidet, mit 7-8 Stuhlgängen am Tag. Er berichtet über Fieber, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Außerdem hat er Schmerzen im rechten Unterbauch.

Der Mann ist Raucher und leidet unter Diabetes Mellitus Typ 2.

Die Reiseanamnese ist praktisch leer

Aufgrund der Symptomatik erheben die Behandler eine Reiseanamnese. Der Patient ist Zeit seines Lebens nur in der europäischen Union, den USA und einmalig in Marokko gewesen – diese Reise fand 1976 statt.

Lediglich seine neue Partnerin sei im März 2018 in Indien gewesen, wo sie sich eine Amöbiasis durch Infektion mit Entamöba histolytica zuzog, die erst Mitte Mai diagnostiziert wurde. Der erste sexuelle Kontakt erfolgte Anfang Mai.

Das Paar lebt nicht zusammen und hat wegen der mittlerweile behandelten Erkrankung der Frau streng auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen geachtet.

Befund der körperlichen Untersuchung

  • Körpertemperatur: 39,2 °C
  • Atemfrequenz: 26/min
  • Haut/Schleimhäute: Anzeichen für Dehydrierung
  • Abdomen: global schmerzhaft

Die Abbildung zeigt die Blutwerte vom Tag der Aufnahme. Bei den neutrophilen Granulozyten fällt eine Linksverschiebung auf. Zusätzlich sind die HIV-, HCV- und HBV-Serologien negativ und der Patient ist immun gegen HAV. Drei Stuhlproben werden abgenommen und bleiben alle negativ, es sind weder Zysten noch Trophozoiten nachweisbar. Auch die Stuhlkulturen liefern keinen pathologischen Befund.

Abdomensonographie zeigt Raumforderung

Die initial durchgeführte Sonographie des Abdomens zeigte im rechten Leberlappen subkapsulär eine heterogene, noduläre Läsion mit einem Durchmesser von 8,4 cm. Diesen Befund deuten die Behandler als einen Abszess und überweisen den Patienten auf die infektiologische Station. Eine orale Antibiose mit Ciprofloxacin 500 mg 2x/d wird begonnen, da die Ärzte von einem pyogenen Leberabszess ausgehen.

Die Gründe, die für diese Verdachtsdiagnose sprechen, sind:

  • Der Patient ist eher älter (63 Jahre alt)
  • Diabetes mellitus ist ein Risikofaktor für pyogene Leberabszesse
  • Im Labor sieht man eine erhöhte Neutrophilen-Zahl mit Linksverschiebung
  • Der Abszess im Ultrachall ist heterogen
  • Sexuelle Übertragung einer Amöbiasis ist nur vereinzelt in der Literatur beschrieben

Die Raumforderung wächst
Während der stationären Behandlung wächst die hepatische Raumforderung weiter. Erst nach 15 Tagen gelingt der diagnostische Durchbruch.

  1. Valdolerios SR et al.: Nontravel-related invasive Entamoeba histolytica infection with probable heterosexual transmission, IDCases 2019; 18: e00592
  2. Jeong SW et al.: Cryptogenic pyogenic liver abscess as the herald of colon cancer. J Gastroenterol Hepatol. 2012 Feb;27(2):248-55.

Titelbild: © Getty Images/ dragana991 (Symbolbild mit Modell)

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