28. Dezember 2021

Teil 2

Prominente Patienten: Woran sie litten, weshalb sie starben

Erfahren Sie hier im zweiten Teil, welche körperlichen und psychischen Leiden unter anderem Bob Marley, Steve McQueen und Auguste Renoir plagten.

Lesedauer: 5 Minuten

Rita Hayworth: Ihr Gehirn verwirrte die Ärzte

Das bizarre Verhalten der Filmdiva Rita Hayworth (1918-1987) ist lange auf ihren Alkoholkonsum zurückgeführt worden. Die wahre Diagnose blieb für fast ein Jahrzehnt unerkannt. Ihr Schicksal und die damit verbundene Wiederentdeckung der Alzheimer-Demenz hat zu einem immensen Auftrieb der Demenzforschung bis heute geführt.

Hayworth war ähnlich alt wie Auguste Deter, bei der Alois Alzheimer im Jahre 1901 erstmals die Zeichen der bis dahin unbekannten Form der Demenz beschrieben hatte.

Etwa mit Beginn der 1970er-Jahre hatte die Tänzerin und Schauspielerin (damals knapp über 50 Jahre alt) zunehmend Probleme, sich Texte und Tanzschrittfolgen zu merken. 1972 scheiterte daran die Übernahme einer Rolle im Broadway-Musical „Applause“. Für ihren letzten Film „The Wrath of God“ (Zum Teufel mit Hosianna), der im Jahr 1972 anlief, musste sie den Text für jede einzelne Szene Zeile für Zeile erlernen oder von Tafeln ablesen.

Phasen großer Erregung irritierten Freunde und Öffentlichkeit. Erst als sich der Psychiater Ronald Fieve aus New York ihrer annahm, konnte 1979 die Diagnose Alzheimer-Demenz gestellt werden.

Friedrich Hölderlin: „Das wilde Tier bändigen“

Friedrich Hölderlins (1770-1843) Schicksal wirft ein Schlaglicht auf die abenteuerlichen Auffassungen über psychische Erkrankungen und deren Therapie Anfang des 19. Jahrhunderts.

Im September 1806 wird der wahrscheinlich an einer Psychose leidende Lyriker in die neue Tübinger Universitätsklinik gebracht. Dort behandelt ihn der leitende Arzt Johann Autenrieth. Zwar ist über die folgenden 231 Tage nichts Genaues bekannt, wohl aber, was Autenrieth seinen Studenten über „Geistesverwirrte“ beigebracht hat.

Er glaubte an einen „pathischen Stoff“, der den Wahnsinn auslöse und den Patienten zu „widersinnigen Einbildungen, Trieben und Verstandesäußerungen“ bringe. Diesen „pathischen Stoff“ gelte es zu entfernen, etwa mit gewaltsamer Zufuhr von Medikamenten, die dramatische Durchfälle, Hämorrhoidalblutungen, Bluterbrechen und heftige Schmerzen auslösen. Ziel war: Den „Maniacus“ wie ein wildes Tier zu bändigen.

Dazu gehörten auch Schläge, Knebelungen, Hungern und Dursten lassen. Hinzu kamen zur Beruhigung Belladonna und Rohopium. Als „unheilbar“ entlassen, verbrachte Hölderlin nach dieser „Kur“ die folgenden 36 Jahre in Obhut einer Schreinerfamilie im „Tübinger Turm“ am Neckarufer.

Bob Marley: Malignes Melanom am großen Zeh

Bei dem Reggae-Musiker Bob Marley (1945-1981) soll 1977 am rechten großen Zeh ein malignes Melanom festgestellt worden sein, nachdem er wegen einer Verletzung beim Fußball einen Arzt aufgesucht hatte.

Marley äußerte angeblich gegenüber seinem Manager, dort hätte bereits seit Jahren eine mal offene, mal geschlossene Wunde bestanden. Eine Amputation des Zehs lehnte der Musiker ab. Lediglich Nagel und Nagelbett wurden entfernt und ein kleiner Hautlappen vom Oberschenkel transplantiert.

Es soll sich um ein akrolentiginöses Melanom gehandelt haben. Wer diese Diagnose gestellt hat, ist unklar. Nur 4% der Melanom-Patienten erkranken an diesem Subtyp.

Im September 1980 schließlich bricht Marley beim Joggen im New Yorker Central Park zusammen. Ärzte finden Metastasen in Leber, Lunge und Gehirn. Wenig später gibt er sein letztes Konzert und reist nach Deutschland. Er verbringt ein halbes Jahr am Tegernsee in der alternativ-medizinischen Ringberg Klinik des umstrittenen „Wunderheilers“ und Arztes Dr. Josef Issels in Rottach-Egern. Marley schafft es anschließend nicht mehr nach Hause und stirbt nach einer Zwischenlandung in Florida.

Steve McQueen: King of Cool vertraute Scharlatanen

Sein lässiges Auftreten war das Markenzeichen des Hollywood-Stars Steve McQueen (1930-1980). Aber 1978 stellten Ärzte bei ihm ein Pleuramesotheliom fest. Die seltene Krebserkrankung ist zu 80 bis 90% mit Asbestexposition assoziiert. Diese könnte in seiner Zeit als Marineinfanterist oder durch das Tragen feuerfester Rennkleidung als Motorsportler erfolgt sein.

McQueen versuchte, die Diagnose geheim zu halten. Er ließ sich mit unorthodoxen Methoden wie Vitaminen, Mineralien und Kaffee-Einläufen behandeln. Schließlich begab er sich in die Hände eines zweifelhaften US-Mediziners in Mexiko, der behauptete, mit Pankreasenzymen, einer strengen Diät und anderer Methoden Krebsgeschwüre „verdauen“ zu können.

6 Wochen nach Behandlungsbeginn hieß es, die Tumormasse sei um 60 bis 75% geschrumpft. Bei einem finalen Operationsversuch in der Santa Rosa Clinic in Juarez-Stadt zeigte sich, dass der rechtsseitige Lungentumor bis zum Zwerchfell reichte und die linke Lunge miterfasst hatte. 24 Stunden nach der Operation war McQueen tot. Offizielle Todesursache: Herzinfarkt.

Auguste Renoir: Ballspiele gegen das Rheuma

Man sieht den Werken von Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) nicht an, ob er sie mit der rechten oder seiner linken Hand gemalt hat. Oder womöglich im Laufe seiner Erkrankung sogar mit einer extrem deformierten Hand – bei nahezu vollständiger Bewegungsunfähigkeit.

Denn ab einem Alter von etwa 50 Jahren litt der Maler unter Symptomen einer rheumatoiden Arthritis, die ihn die letzten 7 Lebensjahre an den Rollstuhl fesselten. Fast bewegungsunfähig, kachektisch, gequält von Schmerzen und Dekubital-Ulzera malte er dennoch großformatige Bilder, indem er verschiedene Hilfsmittel benutzte.

Zunächst kämpfte er gegen die zunehmende Unbeweglichkeit an, indem er mit Lederbällen jonglierte, Billard oder Federball sowie ein Geschicklichkeitsspiel mit einem Stab und einer Kugel (Bilboquet) spielte. Der Rheumatologe Dr. Henning Zeidler aus Hannover hat Renoir deshalb als „Erfinder der Ergotherapie“ bezeichnet. An seinem letzten Lebenstag malte Renoir Anemonen, die das Hausmädchen für ihn gepflückt hatte. „Ich glaube, allmählich verstehe ich etwas davon“, soll er gesagt haben – und starb in der gleichen Nacht.

Andy Warhol: Ein Fremder auf dem Planeten Erde

Das exzentrische Verhalten und die Kunst des US-Stars (1928-1987) wird mit dem Asperger-Syndrom in Verbindung gebracht. Legendär sind seine einsilbigen Interviews. Er antwortete inadäquat wie ein Kind, konnte mit den Fragen oft nichts anfangen. Ein Fremder auf dem Planeten Erde…

3 Kernsymptome kennzeichnen das Asperger-Syndrom: nichtverbale Kommunikationssignale werden vermindert wahrgenommen, es gibt sprachliche Kommunikationsstörungen sowie stereotype Verhaltensweisen. Andererseits zeichnen sich Asperger-Persönlichkeiten oft durch Inselbegabungen aus.

Bei Warhol war dies die grafisch-künstlerische Begabung. Sein Markenzeichen: die ständige Wiederholung von Bildmotiven aus dem Alltag. Oder immer wieder reproduzierte Abbildungen Prominenter wie Marilyn Monroe oder Elvis Presley. Von „Campbell’s Soup Cans“ fertigte er 32 fast identische Bilder, weil es die Suppe in 32 Geschmacksrichtungen gab.

In Gesellschaft verhielt sich Warhol linkisch und scheu. Stets war er völlig eingenommen von seiner Arbeit – dem einzigen Thema, über das er angeblich überhaupt redete. Er starb 1987 wahrscheinlich an den Folgen einer Gallenblasen-Operation.

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape.de erschienen.

Bildquelle: © gettyImages/Nico De Pasquale Photography

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.
 
coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653