04. Januar 2019

Krachen, Knistern und Knallen im Hals

Wenn Niesen gefährlich wird

Ein 34-Jähriger hält beim Niesen Nase und Mund geschlossen und hört dabei ein Knacken im Hals. Einige Stunden später entwickelt er starke Schmerzen beim Schlucken.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Fallbericht aus der Fachzeitschrift BMJ Case Reports, den Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Odynophagie und Stimmveränderung

Der zuvor gesunde Mann kommt in die Notaufnahme, da er akute Schmerzen beim Schlucken hat und sich seine Stimmer verändert anhört. Zuvor hatte er sich beim Niesen die Nase und den Mund zugehalten. Dabei hörte er ein knackendes Geräusch und sein Hals schwoll an beiden Seiten an.

Bei der Untersuchung sind die Vitalzeichen normal, es besteht kein Stridor oder andere Probleme bei der Atmung. Die Ärzte stellen Krepitationen am Hals fest, die bis zum Sternum reichen. Eine nasale Pharyngoskopie zeigt keinen auffälligen Befund.

Luftstreifen und Emphysem

Im Röntgenbild sehen die behandelnden Mediziner Luftstreifen im retropharyngealen Bereich sowie ein ausgeprägtes Emphysem vor der Luftröhre. Eine angeordnete Computertomographie bestätigt das Emphysem und zeigt ein Pneumomediastinum, das von der Schädelbasis bis zum 9. Brustwirbel reicht.

Es finden sich keine Anzeichen eines Pneumothorax oder einer Verletzung der Bronchien. Auch das Lungengewebe und der Ösophagus erschienen normal. Als wahrscheinliche Ursache der Perforation des Pharynx nehmen die Ärzte einen Riss im rechten Recessus piriformis an.

Spontane Pharynxrisse sind selten

Eine Perforation des Rachens geht meist mit einem Trauma, einem operativen Eingriff oder einer Infektion einher. Ein spontanes Auftreten ist eher selten und steht häufig mit einem plötzlichen Druckanstieg in Verbindung, etwa beim Husten, Niesen oder Erbrechen.

Der Patient wird aufgrund des erhöhten Risikos für Infektionen stationär aufgenommen und konservativ behandelt. Er wird über eine Nasensonde ernährt und erhält prophylaktisch Antibiotika intravenös.

Eine wichtige Differentialdiagnose ist das Boerhaave-Syndrom, ein spontaner Riss des Ösophagus, welches aufgrund der hohen Mortalität und Morbidität sofort behandelt werden muss.

Schnelle Verbesserung nach der konservativen Therapie

Im Verlauf der nächsten Tage bessert sich der Zustand des Patienten. Ein CT eine Woche nach der Aufnahme zeigt ein deutlich vermindertes Emphysem und keine Luft mehr im Mediastinum. Bei einer Kontrolluntersuchung zwei Monate später sind keine Beschwerden vorhanden.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

  1. Yang W et al. Snap, crackle and pop: when sneezing leads to crackling in the neck. BMJ Case Reports 2018; DOI: 10.1136/bcr-2016-218906.

Bildquelle: © istock.com/PeopleImages (Symbolbild mit Modell)

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.
 
coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653