08. November 2019

Rätselhaftes Nierenversagen: Auf der Suche nach der Ursache

Ein zuvor gesunder 81-Jähriger hat plötzlich auffällige Nierenwerte. Sein Zustand verschlechtert sich weiter und er wird von einem Facharzt zum nächsten verwiesen, stets ohne Ergebnis. Was ist die Ursache?

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Fallbericht im Fachjournal BMJ Case Reports, den Christoph Renninger für Sie zusammengefasst hat.1

Kerngesunder Rentner auf verschiedenen Stationen

Der 81-jährige Mann leidet seit 30 Jahren unter Diabetes mellitus Typ 2, welcher durch eine bewusste Ernährung und seit kurzem mit Glipizid gut unter Kontrolle ist. Bei einem Arztbesuch fällt ein erhöhter Kreatinin-Wert von 1,5-1,7 mg/dl (Norm <0,84 mg/dl) und er wird zur Untersuchung in eine nephrologische Klinik überwiesen. Bislang gibt es keine Anzeichen einer diabetischen Nephropathie.

Urologische Beschwerden, Hämaturie, Flankenschmerzen oder zuvor aufgetretene Nierensteine verneint der Patient. Auch Fieber, Gewichtsverlust, Krankheitsgefühle oder andere Symptome treten nicht auf. Neben Glipizid nimmt er nur Vitamin C (500 mg/Tag) und Mutivitamintabletten ein. In der Familie gab es keine Nierenerkrankungen. Er raucht nicht und trinkt nur selten Alkohol.

Die Vitalzeichen liegen alle im normalen Bereich und die körperliche Untersuchung ist unauffällig. Im 24-Stunden-Urin wird ein erhöhter Proteinwert von 258 mg (Normwert: <30 mg) und es werden eine Anämie und monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) festgestellt. Der Mann wird für weitere Analysen an die Abteilung für Hämatologie verwiesen.

Außerdem wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, welche normal große Nieren ohne Obstruktionen oder Steine zeigt. Die Prostata erscheint etwas vergrößert und ein Besuch der urologischen Abteilung wird empfohlen. Doch in beiden Fachabteilungen kann keine Ursache für die veränderten Kreatininwerte gefunden werden.

Symptome und weitere pathologische Laborwerte treten auf

Einige Wochen später, ohne dass eine Änderung der Medikation oder eine Toxinaussetzung stattgefunden hat, kommt der Rentner wieder in die Klinik, da er seit einigen Tagen unter Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Lethargie leidet. Im Labor fallen folgende Werte auf:

  • Kreatinin: 6,3 mg/dl
  • Blut-Harnstoff-Stickstoff (BUN): 120 mg/dl (Normwert: 7-25 mg/dl)
  • Hämoglobin: 7,3 g/dl (Normwert: 14-18 g/dl)
  • Thrombozyten: 93 × 109/l (Normwert: 150-450 × 109/l)

Die Vitalzeichen und weitere körperliche Untersuchungen sind ohne auffälligen Befund. Eine Analyse des Urinsediments zeigt grobe, granulierte Zylinder und weist auf eine akute Tubulusnekrose hin. Die Ursache dafür bleibt jedoch noch unklar.

Auf der Suche nach dem Auslöser

Tab.1 Ergebnisse der Laboruntersuchung

Nach einer Flüsssigkeitsinfusion verbessert sich der Kreatininwert auf 5,3 mg/dl. Es werden ausführliche Laboruntersuchungen durchgeführt, mit wenigen Auffälligkeiten (Tab.1). Auch eine Knochenmarksbiopsie ist ohne pathologisches Ergebnis.

Aufgrund der negativen Ergebnisse wiederholen die Ärzte eine der Analysen. Auch eine Nierenbiopsie bringt sie der Diagnose näher und schließlich stellen sie die entscheidende Fragen.

Was der Auslöser des Nierenversagens ist und wie es dem Patienten weiter ergeht, erfahren Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. Clark B et al. Diet-induced oxalate nephropathy. BMJ Case Rep 2019; 12: e231284.

Bildquelle: © Getty Images/Liderina (Symbolbild mit Modell)

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