08. November 2019

Zu viele Nüsse führen zum Nierenversagen

Im Urinsediment finden die Ärzte bei einer erneuten Analyse nun auch Kalziumoxalatkristalle. Diese können auch in der Nierenbiopsieprobe nachgewiesen werden. Bei der Frage nach seiner Ernährung, gibt der 81-Jährige Erstaunliches an.

Lesedauer: 1,5 Minuten

Sehr starkes Gesundheitsbewusstsein

In der Biopsie der Nieren werden folgende Befunde gemacht:

  • tubuläre Oxalose,
  • akute Tubulusnekrose,
  • leichte glomeruläre Veränderungen, entsprechend einer diabetischen oder hypertensiven Nephropathie,
  • leichte interstitielle Fibrose,
  • leichte bis moderate Atherosklerose,
  • Immunfluoreszenz negativ für spezifische Antigene,
  • Kongorot-Färbung negativ für Amyloid,
  • elektronenmikroskopische Auswertung negativ für Amyloid und immunologische Ablagerungen.

Zusammen mit den Oxalatkristallen im Urinsediment wird die Diagnose einer Oxalat-Nephropathie gestellt. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, fragen die Ärzte den Patienten nochmals genauer nach seiner Ernährungsweise. Dieser erzählt, dass er sehr auf seine Gesundheit achte und sich regelmäßig über Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel informiere, welche vor Krebs schützen können.

Er trinkt jeden Tag mindestens einen Liter Mandelmilch und isst Weizenkeime und verschiedene Arten von Nüssen. Nach dem ersten Klinikbesuch machte er sich verstärkt Sorgen und erhöhte die Aufnahme all dieser Antioxidantien. Außerdem nimmt er nun täglich 2-3 Esslöffel Tomatenmark, eine Handvoll Paranüsse, Haselnüsse, Walnüsse, Pistazien, Pekannüsse, Mandeln und mehrere Teelöffel Kakaopulver zu sich.

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Oxalatdosis weit über der empfohlenen Menge

Durch die oxalatreiche Ernährung mit verschiedenen Lebensmitteln hat der 81-Jährige die durchschnittliche Tagesdosis von 150 mg um das Zehnfache übertroffen. In früheren Fallberichten gingen Oxalatnephropathien auf hohe Dosierungen von Vitamin C, Ethylenglykol-Intoxikationen oder exzessiven Konsum von Cashews zurück.

Die Ärzte empfehlen eine oxalatarme Ernährung, eine hohe Flüssigkeitsaufnahme, Kalziumacetat zur Bindung von Oxalaten und eine Beendigung der Vitamin C-Einnahme. Bei einer Kontrolluntersuchung ein paar Wochen später liegt der Kreatininwert bei 4,07 mg/dl. Im weiteren Verlauf sinken die Werte auf 3,17 mg/dl und 2,99 mg/dl. Der Blut-Harnstoff-Stickstoff normalisiert sich und es treten keine Anzeichen einer Urämie auf.

Wiederholte Analysen des Urins zeigen keine Kristalle oder Zylinder. Auch können mehrere Monate später keine Oxalate im Urin nachgewiesen werden. Der Patient nimmt weiterhin Kalziumacetat mit den Mahlzeiten und trinkt täglich mindestens 2 Liter Wasser. Er führt weiter einen gesunden, aktiven Lebensstil und geht jeden Tag mehrere Kilometer spazieren.

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  1. Clark B et al. Diet-induced oxalate nephropathy. BMJ Case Rep 2019; 12: e231284.

Bildquelle: © Getty Images / ThitareeSarmkasat

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