08. Mai 2020

Mäusebiss mit Folgen

Beim Biss der Maus hat sich der Mann mit dem Sin-Nombre-Virus angesteckt, einem Virus aus der Gattung der Hantaviren.1 Auch in Deutschland kommt es jährlich zu bis zu über 1000 Infektionen mit Viren dieser Familie.2

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Mäuseviren mit 2 schwerwiegenden Krankheitsbildern

Hantaviren werden von Mäusen, in Deutschland besonders von Rötelmäusen, übertragen und mit 2 schwerwiegenden klinischen Krankheitsbildern assoziiert: hämorrhagischem Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) und dem Hantavirus-assoziierten kardiopulmonalen Syndroms (HCPS), welches in den USA vor allem durch das Sin-Nombre-Virus ausgelöst wird. Der natürliche Wirt dieses Virus ist die Hirschmaus (Peromyscus Maniculatus).

Eine Infektion kann über das Einatmen von Partikeln aus kontaminiertem Mäusekot oder durch Speichel bei einem Tierbiss erfolgen, wie im Falle des beschriebenen Patienten. Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 4 Wochen, gefolgt von einer Prodromalphase von 3 bis 5 Tagen. Diese Phase ist charakterisiert durch hohes Fieber, Myalgien, Kopf- und Nackenschmerzen, sowie Übelkeit und Erbrechen.

Im weiteren Verlauf der kardiopulmonalen Phase kommt es zu produktivem Husten und Dyspnoe, bis zu schweren Atemproblemen. Auch eine Myokarddepression kann auftreten. Die Sterblichkeit bei dieser Erkrankung liegt bei 30-40%.

Diagnostischer Nachweis und Therapie

Ein ELISA-Test auf IgM- und IgG-Antikörper gegen das Sin-Nombre-Virus sind positiv. Alternativ sind auch serologische Untersuchungen, Nukleinsäurenachweise oder immunhistochemische Methoden zur Diagnose möglich.

Das Virostatikum Ribavirin, ein Nukleosidanalogon, zeigt zwar in vitro Effekte gegen Hantaviren, die klinischen Daten zur Wirksamkeit sind jedoch heterogen, bei Auftreten toxischer Effekte. Die Behandlung des HCPS erfolgt daher durch supportive Maßnahmen.

Aufgrund des plötzlichen Auftretens der Symptome (<7 Tage), bilateralen Verdichtungen im Thorax-CT, der Abwesenheit von Lungenödemen und einer schwer beeinträchtigen Sauerstoffsättigung, erfüllt der Patient die Kriterien eines ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome).

Der 24-Jährige wird über 3 Tage mit niedrigem Tidalvolumen (6 ml/kg Körpergewicht) mechanisch beatmet. Die Sauerstoffsättigung konnte durch die PEEP-Beatmung und einer leichten Diurese verbessert werden. Die initiale Antibiotikatherapie wird eingestellt, da kein bakterieller Erreger nachgewiesen werden kann.

Im Verlauf der folgenden Tage verbessert sich der respiratorische Status und am dritten Tag des Klinikaufenthalts kann der Mann extubiert werden. 2 weitere Tage später kann er nach Hause entlassen werden und wird von seinem Hausarzt betreut.

  1. Barros N et al. Case 12-2020: A 24-Year-Old Man with Fever, Cough, and Dyspnea. N Engl J Med 2020; 382: 1544-1553.
  2. Hantavirus-Erkrankung. RKI-Ratgeber, 02.07.2015

Bildquelle: © Getty Images

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