24. September 2021

Donnerschlagskopfschmerzen nach Masturbation – Fallauflösung

Erfahren Sie hier im zweiten Teil des Beitrags, welche Untersuchung die Ärzte und Ärztinnen weiter durchführen und wie sie dem Patienten schließlich helfen können. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Behandlung im Fall: Coiling und Stent

Die Folgeangiographie am neunten Tag des Krankenhausaufenthalts ergibt, dass sich die dilatierende Läsion in ein Aneurysma umgewandelt hat (Abb. 1H, 1I). Das Aneurysma in Verbindung mit der Stenose entspricht einer Dissektion und wird mit Coiling und Stent noch am selben Tag behandelt (Abb. 1J) – der Patient wird mit einer ausgezeichneten Prognose entlassen.

Abb. H, I & J

Der Kopfschmerz bei diesem Patienten entspricht einem Donnerschlag-Kopfschmerz (thunderclap headache, TH). Zunächst besteht in dem vorliegenden Fall ein starker Verdacht auf ein reversibles zerebrales Vasokonstriktionssyndrom (RCVS), da

  • die häufigste Ursache für einen TH bei Personen ohne aneurysmatische Subarachnoidalblutung (SAB) das RCVS ist, und
  • eine vorübergehende segmentale arterielle Stenose in Verbindung mit koitalen und masturbatorischen Kopfschmerzen beschrieben ist.

Allerdings fehlen die charakteristischen Zeichen einer segmentalen Arterienverengung, sodass ein RCVS unwahrscheinlich ist. Andere Ursachen für eine nicht-aneurysmatische SAB wie Vaskulitis, arteriovenöse Fistel und venöse Thrombose sind aufgrund der angiographischen Befunde ebenfalls unwahrscheinlich.

Schließlich wird bei der zweiten Angiographie eine Koronare Herzkrankheit (KHK) diagnostiziert und mit Coiling behandelt. Nicht selten wird die Diagnose einer KHK nicht in der sehr akuten Phase gestellt, da die angiographischen Anzeichen für eine Dissektion, wie im vorliegenden Fall, auch erst in der subakuten oder chronischen Phase auftreten können.

Physiologische Veränderungen fördern Arteriendissektion

Ein anderes Forschungsteam untersuchte zu dieser Thematik zehn gesunde männliche Freiwillige und berichtete, dass in Folge von Masturbation sowohl die Herzfrequenz, als auch Blutdruck und Noradrenalin-Plasmaspiegel vorübergehend anstiegen.2 

Diese durch Masturbation induzierten physiologischen Veränderungen können zur Entwicklung einer spontanen zervikozephalen Arteriendissektion (spontaneous cervicocephalic artery dissection, sCAD) beitragen.

Erster Fall von sCAD während Masturbation

Laut den Autorinnen und Autoren des vorliegenden Fallberichts wurde in der englischen Literatur bisher von zwei Schlaganfall-Fällen in Zusammenhang mit Masturbation berichtet. In beiden Fällen handelte es sich um eine Subarachnoidalblutung aufgrund eines rupturierten Aneurysmas. Der vorliegende Fall ist der erste, in dem über einen Fall von sCAD berichtet wird, der sich während der Masturbation entwickelte.

  1. Oomura M et al.: „Development of Internal Carotid Artery Dissection During Masturbationin the Journal of Stroke and Cerebrovascular Diseases (2021)
  2. Kruger T et al. Neuroendocrine and cardiovascular response to sexual arousal and orgasm in men. Psychoneuroendocrinology 1998; 23: 401-411.

Bildquelle: © Getty Images/George Pachantouris

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