29. Januar 2021

Hobbyjäger mit Biofilm und orangenem Sputum

Ein 40-jähriger Krankenpfleger aus dem US-Bundesstaat Arkansas erlegt bei der Jagd einen Hirsch und weidet ihn aus. In den darauffolgenden Tagen treten bei dem Hobbyjäger eine Reihe mysteriöser Symptome auf.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Kasuistik im Journal BMJ Case Reports.1 Redaktion: Christoph Renninger

Folgenschweres Jagdglück?

Der 40-Jährige ist alleine im Wald auf der Jagd, als er einen ausgewachsenen männlichen Hirsch erspäht. Mit einem gezielten Schuss erlegt er das Tier und nimmt es mit nach Hause, um es dort weiterzuverarbeiten. Obwohl der Geweihträger in freier Wildbahn gesund erschien, fallen dem Mann beim Säubern und Ausweiden flüssigkeitabsondernde Abszesse in den Atemwegen auf.

Beim Entfernen der Organe trägt der Hobbyjäger weder Handschuhe noch andere Schutzausrüstung. Nachdem er den Kadaver ausgenommen hat, zündet er sich eine Zigarette an. In den nächsten Tagen treten bei ihm Übelkeit, Kurzatmigkeit und Palpitationen auf. Auf der linken Seite seines Mund-Rachen-Raums entstehen Exsudate, aus denen sich ein Biofilm über der Zunge und den oberen Atemwege bildet. Im weiteren Verlauf leidet der Krankenpfleger unter Fatigue, durchgehenden Kopfschmerzen, Muskelsteifigkeit, Verstopfung und Fieber. Außerdem tritt ein produktiver Husten mit orangefarbenem Sputum auf.

Während einer Arbeitsschicht bestimmt er seine Sauerstoffsättigung, welche bei 89% liegt (2200 m über Meeresspiegel). In kurzer Zeit nimmt er 6,4 kg zu und wiegt nun 107,5 kg.

Zuvor kaum medizinische Auffälligkeiten

Der Mann sucht eine Woche nach der Jagd seinen Hausarzt auf, da sich die Übelkeit, Kurzatmigkeit und Fatigue weiter verschlimmern. In seiner Krankenakte finden sich eine Hypertonie, welche durch Ernährung und körperliche Aktivität gut kontrolliert ist, und Arachnoidalzysten, weshalb er täglich Ibuprofen einnimmt.

Es ist weder ein metabolisches Syndrom noch ein Diabetes mellitus bekannt. Der Patient hat alle empfohlenen Impfungen erhalten. Er raucht Zigaretten und trinkt am Wochenende 2 bis 3 Bier.

Bei der Untersuchung werden folgende Befunde erhoben:

  • Körpertemperatur: 37°C
  • Blutdruck: 130/62 mHg
  • Puls: 71/Min
  • Gewicht: 107,5 kg
  • klarer Nasenausfluss, leichte Verstopfung der Nasennebenhöhlen
  • Rachenraum überdeckt mit Exsudaten
  • oropharyngeales Erythem
  • leichte zervikale Lymphknotenschwellung (bilateral)
  • Auskultation: Rhonchus in der Lungenbasis (bilateral)

Die Laborwerte sind unauffällig und liegen im Normbereich, ausgenommen der Leukozytenzahl mit 10,4 × 10^9^/l. In der Röntgenaufnahme des Thorax ist die Herzsilhouette nicht pathologisch, in der Lunge sind keine akuten Infiltrate oder Ergüsse zu sehen. Die Bronchialwände sind verdickt, entsprechend einer Bronchitis.

Da sein Arzt keine Diagnose stellen kann, begibt sich der Patient selbst auf die Suche nach weiteren Informationen. Mit wessen Hilfe er schließlich fündig wird, auf welche kuriose Weise eine Therapie gefunden wird und wie es dem Mann weiter ergeht, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. Meili Z. Trueperella pyogenes pharyngitis in an immunocompetent 40-year-old man. BMJ Case Reports 2020; 13: e236129

Bildquelle: © Getty Images/ysbrandcosijn

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