13. September 2019

West-Nil-Fieber: Verbreitung, Symptome & Diagnostik

In Deutschland ist das West-Nil-Fieber bei Menschen bislang durch importierte Erkrankungen aufgetreten. Doch auch in diesem Jahr konnten Forscher das Virus bei einigen Tieren nachweisen. Das Friedrich-Loeffler-Institut geht davon aus, dass die Viren nun auch hierzulande überwintern können.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf Informationen des Robert-Koch-Instituts.1

Erreger, Vorkommen & Infektionswege

Das West-Nil-Virus (WNV-Subtypus 1 & 2) zählt zu den am weitesten verbreiteten Flaviviren und kommt auf allen Erdteilen vor. Besonders betroffen sind Afrika, der Mittlere Osten, Indien und Südostasien, aber auch Regionen in Nordamerika. Durch Zugvögel kann das Virus auch in nördliche Gebiete gelingen und es zu saisonalen Ausbrüchen kommen.

Der wichtigste Übertragungsweg besteht über Stechmücken (vor allem Culex-, aber auch Aedes- und Mansonia-Arten) zwischen wild lebenden Vögeln. Allerdings können an Vögeln infizierte Mücken das Virus auch auf Säugetiere (z.B. Pferde) oder Menschen übertragen. Aufgrund der niedrigen Virämie sind Menschen keine Virusquelle für Mücken.

Weitere mögliche Übertragungswege, mit teilweise schweren Verläufen und Todesfällen, sind Organtransplantationen, Bluttransfusionen und während der Schwangerschaft auf den Fötus. Blutspendedienste können sich beim European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) über die aktuelle Verbreitung von WNV informieren.2

Zur Expositionsprophylaxe empfiehlt das RKI langärmelige Hemden/Blusen und lange Hosen, Moskitonetze und Fenstergitter, die Anwendung von Repellentien und Insektiziden, sowie den Aufenthalt in geschlossenen, klimatisierten Räumen am Abend. Derzeit gibt es keinen Impfstoff gegen West-Nil-Fieber.

Klinischer Verlauf und Therapie

Der Großteil der Infektionen verläuft klinisch unauffällig. Bei etwa jedem Fünftem tritt eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung auf, die etwa 3-6 Tage andauert. Die Inkubationszeit liegt bei 2-14 Tagen. Der abrupte Krankheitsbeginn ist durch Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen gekennzeichnet. Bei der Hälfte der Erkrankten breitet sich ein blasses, makulopapulöses Exanthem vom Stamm zum Kopf und den Gliedmaßen aus.

Bei etwa jeder 150. infizierten Person kommt es zu einem schweren Krankheitsverlauf, meist mit einer Meningitis, selten auch einer Enzephalitis. Mögliche Symptome die auftreten können sind:

  • mentale Veränderungen,
  • Muskelschwäche,
  • schlaffe Lähmungen,
  • Ataxie,
  • extrapyramidale Symptome,
  • Optikusneuritis und Veränderungen der anderen Hirnnerven,
  • Polyradikulitis,
  • epileptische Anfälle,
  • Entzündungen von Herz und/oder Leber.

In den meisten Fällen heilt das West-Nil-Fieber ohne Komplikationen aus, jedoch sind nach einer Enzephalitis Spätfolgen häufig (ca. 50% der Patienten). Tritt eine Enzephalitis auf, liegt die Letalität bei 15-40%, wobei vor allem ältere Patienten versterben.

Da es keine spezifische antivirale Therapie gibt, erfolgt die Behandlung symptomatisch.

Diagnostik & Meldung

Besteht der Verdacht auf West-Nil-Fieber, sollte die Diagnostik wenn möglich in einem spezialisierten Labor erfolgen. Während der ersten Tage nach Symptombeginn ist ein Nachweis von viraler RNA durch RT-PCR in Vollblut, Serum oder Liquor möglich. Im späteren Verlauf können Antikörper in Serum und Liquor durch West-Nil-Virus-ELISA nachgewiesen werden.

Allerdings sollte beachtet werden, dass Infektionen mit anderen Flaviviren (FSME, Gelbfieber, Dengue, Usutu) oder Impfungen zu Kreuzreaktionen im ELISA führen können. Differenzialdiagnostisch kommen andere Erreger einer viralen oder bakteriellen Meningoenzephalitis in Frage.

Nach §7 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht eine Meldepflicht für den direkten oder indirekten Erregernachweis.

  1. West-Nil-Fieber im Überblick. Robert-Koch-Institut, Stand 26.08.2019
  2. Weekly updates: 2019 West Nile virus transmission season. European Centre for Disease Prevention and Control

Bildquelle: © Getty Images/tskstock

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