11. Dezember 2018

Krankheit aus der Vergangenheit

Besonders das Essverhalten des Dreijährigen ist auffällig, da er seit 1,5 Jahren ausschließlich mit Keksen und Kuhmilch ernährt wird und andere Lebensmittel komplett verweigert. Die Ärzte stellen die Diagnose eines alimentären Skorbuts.1

Lesedauer: 2 Minuten

Extrem einseitige Ernährung

Es liegt eine schwere Fütterungsstörung vor, ebenso eine Störung des Sozialverhaltens und der emotionalen Regulation. Durch die reine Ernährung mit Keksen und Milch kommt es zu einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen.

Aufgrund des langfristigen Mangels an Vitamin C entwickelt sich ein alimentärer Skorbut (Möller-Barlow-Syndrom). Die Krankheit ist vor allem aus der Geschichte bekannt, heutzutage tritt sie meist in Entwicklungs- oder Schwellenländern auf. In Industrieländern sind Fälle inzwischen vor allem bei neuropsychiatrischen Störungen oder Entwicklungsverzögerungen bekannt.

  • Die Symptome eines Skorbuts sind vielfältig und häufig unspezifisch. Auftreten können:

    • petechiale Einblutungen,
    • Veränderungen der Gingiva,
    • Wundheilungsstörungen,
    • Eisenmangelanämie,
    • Appetitlosigkeit,
    • Irritabilität,
    • Myalgien und Arthralgien,
    • psychologische Beeinträchtigungen.

Substitutionstherapie schlägt an

Die Ärzte beginnen mit einer Vitamin-C-Substitution: zunächst 100 mg/ Tag i.v., später 250 mg/Tag oral. Außerdem erhält der Junge eine vollbilanzierte Trinknahrung mit Vitaminen und Spurenelementen. Gegen die Schmerzen verabreichen die Ärzte ihm Ibuprofen und ein lokales Analgetikum zur Betäubung der Mundschleimhautläsionen.

Nach kurzer Zeit benötigt der Junge schon weniger Schmerzmedikamente. Bereits am zweiten Tag beginnt das Kind wieder zu krabbeln und macht nach einer Woche die ersten Gehversuche.

Bei einer Kontrolluntersuchung drei Wochen später sind die Einblutungen an den Femurmetaphysen rückläufig. Nach drei Monaten ist die Knochenstruktur wieder vollständig normalisiert. Die Serumwerte aller Mineralstoffe und Vitamine sind dank der Trinknahrung wieder im altersgemäßen Bereich.

Auch psychologische Hilfe notwendig

Neben der Gabe von Vitamin C veranlassen die Ärzte eine psychosomatische Therapie der Fütterungsstörung. Das gestörte Sozialverhalten könnte Symptom oder Ursprung der Erkrankung sein.

Aufgrund der Seltenheit ist die Diagnose von Skorbut eine Herausforderung bei der neben laborchemischen Untersuchungen auch die Sozial- und Familienanamnese eine wichtige Rolle spielen. Eltern sollten im Rahmen der Kindervorsorgeuntersuchungen über eine ausgewogene Ernährung aufgeklärt werden, um Mangel- und Fehlernährung zu verhindern.

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  1. Tebart L et al. Ein seltener Fall von alimentärem Skorbut. Monatsschrift Kinderheilkunde 2018; 1-4.

Bildquelle: © istock.com/Studio-Annika (Symbolbild mit Modell)

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