11. Dezember 2018

3-Jähriger mit Gehverweigerung und Blutungen: Was steckt dahinter?

Der kleine Junge weigert sich seit zwei Wochen zu gehen und reagiert empfindlich auf Berührungen. Zudem hat er diffuse, schlecht heilende Schleimhautläsionen. Mit einer entscheidenden Frage kommen die Ärzte schließlich zur Diagnose.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Kasuistik in der Fachzeitschrift “Monatsschrift Kinderheilkunde”, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Sturz reicht nicht als Erklärung aus

Ein Ehepaar kommt mit seinem dreijährigen Sohn (99 cm, 16,7 kg) in die Klinik, da seit zwei Wochen eine Gehverweigerung und eine Berührungsempfindlichkeit bestehen. Im Mundraum zeigt sich eine hyperplastische Gingivitis mit mehreren blutenden Läsionen.

Vier Wochen vor dem Besuch in der Klinik war der Junge auf das Gesicht gefallen und die Verletzungen im Mund mussten chirurgisch versorgt werden. Bei den Kontrolluntersuchungen zeigt sich ein schlechter Heilungsverlauf. Auch hier bestand bereits der Eindruck einer hyperlastischen Entzündung.

Seit dem Sturz zeigt der Junge eine Gehstörung (Schonhinken), die im Laufe der Zeit in eine komplette Gehverweigerung übergeht. Die Ärzte stellen eine Flexionshaltung beider Hüft- und Kniegelenke fest.

Auffälligkeiten in Labor und Radiologie

Im Ultraschall sind eine subperiostale Einblutung an der distalen Femurmetaphyse in beiden Beinen zu erkennen. Zudem zeigt das Röntgenbild medial betonte Vorwölbungen mit Abbruchfrakturen. Auch liegt eine Mehrsklerosierung der metaphysären Linie be einer angrenzenden, bandförmigen Demineralisierung vor.

Das Blutbild sowie die die Infektionsparameter (C-reaktives Protein, Blutsenkungsgeschwindigkeit) sind unauffällig. Auch die Werte zur Leber- und Nierenfunktion sind im Normbereich, Parameter des Knochenstoffwechsels (Kalzium, Phosphat, alkalische Phosphatase, Vitamin D, Parathormon) sind ohne pathologischen Befund.

Folgende Werte liegen jedoch deutlich unter dem altersgemäßen Normalbereich:

  • Biotin,
  • Selen,
  • Zink,
  • Vitamin C,
  • Vitamin B3,
  • Folsäure.

Bei der weiterführenden Anamnese stellen die Ärzte unter anderem Fragen zu Sozialverhalten, Ernährung und Emotionen des Jungen. Die Antworten der Eltern führen schließlich zur Diagnose. Wie es dem Kind weiter ergeht, lesen Sie im zweiten Teil.

  1. Tebart L et al. Ein seltener Fall von alimentärem Skorbut. Monatsschrift Kinderheilkunde 2018; 1-4.

Bildquelle: © istock.com/Ivanko_Brnjakovic (Symbolbild mit Modell)

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