25. März 2021

Fitnessfreak mit Herzklopfen, zittert und ist verwirrt – was ist der Grund?

Ein 28-jähriger Mann stellt sich in einer endokrinologischen Ambulanz vor. Er berichtet über episodisch auftretendes Herzklopfen und Zittern. Ein Rätsel für die behandelnden Ärzte. Ob eine therapierte Persönlichkeitsstörung eine Rolle spielt?

Lesedauer: 5 Minuten

Hintergrund

Ein 28-jähriger Mann stellt sich in einer endokrinologischen Ambulanz zur Abklärung eines breiten Spektrums von Symptomen vor. Seine Familienangehörigen sind der Auffassung, dass diese Beschwerden wohl das Ergebnis einer hormonellen Anomalie seien.

Alamiert durch episodisch auftretendes Herzklopfen

Er berichtet über episodisch auftretendes Herzklopfen und Zittern, das sich in den letzten 6 Monaten neben einer zunehmenden Müdigkeit und Verwirrtheit entwickelt habe. Als die Episoden vor etwa 6 Monaten begannen, hatten sie normalerweise 30 bis 60 Sekunden gedauert. Zu dieser Zeit hatte er tagsüber 6 bis 10 solcher Episoden. An vergleichbare nächtliche Episoden kann er sich nicht erinnern. Wetterveränderungen hatten keinen Einfluss auf seine Symptome.

5 Jahre ohne psychische Beschwerden

Der Patient gibt an, bisher immer weitgehend gesund gewesen zu sein, abgesehen von einer Persönlichkeitsstörung, die vor etwa 5 Jahren mit Psychotherapie und Medikamenten behandelt worden sei. Er sagt, dass er jetzt seit mindestens 5 Jahren „frei von der Krankheit“ sei, und verneint die Frage nach weiteren Erkrankungen und Beschwerden. Er habe sich in den vergangenen 6 Monaten gesorgt, dass „etwas nicht stimmt“, obwohl er sein Bestes gebe, um seinen Körper in Form zu halten.

Dafür verbringe er beinahe täglich 2 bis 3 Stunden im Fitnessstudio. Im vergangenen halben Jahr habe er ein Nahrungsergänzungsmittel genommen, um mehr Muskeln aufzubauen, weil er das Gefühl hatte, dass sein intensives Training ihn dabei nicht weiterbringe.

In seiner Familie sei ein Diabetes mellitus Typ 2 bekannt. Bei seiner Mutter habe die Menopause verfrüht eingesetzt. Über die Gesundheit anderer Familienmitglieder könne er keine genaueren Angaben machen.

Körperliche und apparative Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung hatte der Patient die folgenden Vitalparameter: Blutdruck 110/70 mmHg, Puls 65/min, Atemfrequenz 16/min, Gewicht 70 kg, BMI 22. Er hatte einen gut gebauten, muskulösen Körper. Sein Verhalten war ruhig und kooperativ.

Bei der Untersuchung des Halses war die Schilddrüse palpatorisch normal groß ohne tastbare Knoten. Vergrößerte Lymphknoten waren auch nicht zu finden. Die Untersuchungsergebnisse von Herz und Lunge waren unauffällig. Das Abdomen war weich und ohne Resistenzen oder druckschmerzhafte Stellen. Die neurologischen Untersuchungsbefunde waren unauffällig. Die Untersuchung der Genitalien ergab ein Hodenvolumen von je 25 ml ohne tastbare Massen bei einem normal entwickelten Penis.

Typische Episode während der Untersuchung

Zufällig konnte während seiner Untersuchung eine typische Episode mit Herzklopfen, Zittern, Schwäche und Verwirrung registriert werden. Sein Blutzuckerspiegel lag währenddessen bei 88 mg/dl.

Ihm wurden ein Glas Orangensaft und einige Cracker gereicht, worauf seine Symptome wieder verschwanden. Es wurde ein Fastentest vorgeschlagen. Dazu wurde dem Patienten ein Blutzuckermessgerät mitgegeben, damit er seinen Blutzuckerwert zusammen mit dem Datum und der Uhrzeit des Auftretens solcher Episoden aufzuzeichnen konnte.

Bei der Bestimmung der Laborwerte gab es folgende Ergebnisse:

  • Leukozyten: 7.000 Zellen/µl
  • Hb: 16,8 g/dl
  • Hkt: 49,5%
  • Thrombozyten: 200.000 Zellen/µl
  • Glucose: 75 mg/dl
  • Kreatinin: 1 mg/dl (normal 0,9–1,3 mg/dl)
  • Gesamtcholesterin: 250 mg/dl
  • Triglyceride: 150 mg/dl
  • LDL: 180 mg/dl
  • HDL: 45 mg/dl
  • Elektrolyte: normal
  • Leberwerte: normal
  • TSH: 1,4 mU/l (normal 0,4–4 mU/l)
  • T4: 1 µg/dl
  • Cortisol (8 Uhr morgens): 12 µg/dl
  • IGF-1 (insulinartiger Wachstumsfaktor 1, Somatomedin C): 190 ng/ml
  • Metanephrin im Urin: normal
  • Gesamttestosteron (8 Uhr morgens): 700 ng/dl
  • FSH (follikelstimulierendes Hormon): 4,3 IU/l
  • LH (luteinisierendes Hormon): 3,6 IU/l

Die Überprüfung seiner Blutzuckerprotokolle über ein paar Wochen ergab einen Blutzuckerbereich von 77 bis 130 mg/dl, einschließlich Nüchternmessungen und Messungen nach einer Mahlzeit. Der Patient berichtete von 6 bis 10 der bekannten Episoden täglich. Seinen Blutzuckerspiegel hatte er demnach auch mindestens 4- oder 5-mal täglich über Kapillarblut im Finger kontrolliert.

Welche Faktoren die Ärzte in ihre Diagnostik miteinbezogen, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

Bildquelle: © Getty Images/ilbusca

    Jetzt kommentieren

    Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

    Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


    Jetzt kommentieren

    Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
    coliquio GmbH gemäß §4 HWG.
     
    coliquio GmbH
    Turmstraße 22
    78467 Konstanz
    www.coliquio.de

    Tel.: +49 7531 363 939 300
    Fax: +49 7531 363 939 900
    Mail: info@coliquio.de

    Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
    Felix Rademacher, Martin Drees
    Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
    Registernummer: HRB 701556
    USt-IdNr.: DE256286653