29. Oktober 2021

Mittagessen mit üblen Folgen: Das ist die Ursache

Anhand der Symptome, des EKGs und nach Ausschluss der Differenzialdiagnose, kommen die Ärztinnen und Ärzte auf eine Scombroid-Vergiftung, ausgelöst durch den Thunfischsalat.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Weitere Behandlung ist erfolgreich

Bei Behandelnden ordnen Adrenalin an, auch wenn keine Atemprobleme oder Schwellungen bestehen. Ebenso werden Steroide und Antihistaminika gegeben, außerdem weitere zwei Liter Kochsalzlösung.

Nach 15-20 Minuten lassen die Symptome des Patienten nach, der Puls liegt bei 100/Minute. Eine weitere halbe Stunde später bessert sich sein Zustand deutlich. Ein erneutes EKG zeigt eine Normalisierung der ST-Strecken (Abb.1).

Der 53-Jährige fühlt sich bald wieder ganz gesund, von leichten Kopfschmerzen abgesehen. Aufgrund der alarmierenden Symptome bei der Aufnahme und der Auffälligkeiten im EKG bleibt der Mann zur Überwachung eine Nacht in der Klinik.

Am nächsten Tag besteht die Niereninsuffizienz nicht mehr, die Laborwerte liegen wieder alle im Normbereich und der Mann kann entlassen. Das Restaurant wird über die Angelegenheit informiert.

Schuld war (wohl) der Thunfischsalat

Der Mann hat eine Scombroid-Vergiftung erlitten, eine Fischvergiftung, die vor allem durch Makrelenartige (Scombridae, z.B. Makrelen, Thunfisch, Sardinen, Hering, …) mit dunklem Fleisch verursacht wird. Bei unsachgemäßer Lagerung und Handhabung kann das im Fisch vorhandene Histidin durch eine Decarboxylase in Bakterien (z.B. Proteus, E. coli, Clostridien oder Pseudomonas) in Histamin umgewandelt werden.

Der Fisch soll vom Fang bis zum Verzehr bei <4°C gelagert werden, um die Bildung von Histamin zu verhindern. Der Prozess ist auch durch Kochen nicht reversibel. Typischerweise treten Symptome innerhalb von 20-30 Minuten auf und dauern 4-48 Stunden an.

Häufige Symptome sind:

  • erythematöser Ausschlag,
  • Kopfschmerzen,
  • Durchfall,
  • Bauchkrämpfe,
  • Sehstörungen,
  • Übelkeit,
  • Schweißausbrüche.

Die Symptomatik kann einer anaphylaktischen Reaktion ähneln, allerdings ohne ein Anschwellen der Atemwege, Bronchospasmen oder Atemnot. Patienten sprechen meist auf eine Therapie mit Antihistaminika an und die allgemeine Prognose ist bei Scombroid-Vergiftungen gut.

Nicht das einzige Risiko beim Fischgenuss

Eine weitere Differenzialdiagnose ist Ciguatera, ein marines Toxin, das in großen Rifffischen in karibischen Gewässern vorkommt. Auch Fälle am Golf von Mexiko sind bekannt. Das Toxin findet sich in bestimmten Planktonspezies, die von den Fischen gefressen werden und ist stabil gegenüber Kälte und Hitze.

Ein charakteristisches Symptom bei Ciguatera ist eine veränderte Temperaturwahrnehmung, die bei etwa der Hälfte der Patienten auftritt. Die Symptome treten im Gegensatz zur Scombroid-Vergiftung mit einer Latenz von bis zu 12 Stunden auf.

Lesen Sie mehr in unserer Themenstrecke “Fischverzehr und seine Folgen”.

  1. Taylor R et al. The Sea Was Angry That Day My Friends: An Inland Case of Acute Scombroid Poisoning With a Twist. Cureus 2021; 13(9): e18394.

Bildquelle: © Getty Images/Giordano Cipriani

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