02. Dezember 2020

Fischgenuss mit Folgen: Japaner mit intermittierendem Fieber

Ein 54-jähriger Japaner leidet seit einem Monat immer wieder unter Fieber, weitere Symptome bestehen jedoch nicht. Die Bildgebung führt die Ärzte zu einer seltenen Diagnose.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Beitrag beruht auf einer Kasuistik im Journal BMC Surgery.1 Redaktion: Christoph Renninger

Fieber, ansonsten unauffällig

Der 54-Jährige sucht aufgrund von Fieber seinen Hausarzt auf, der ihm Medikamente gegen eine Erkältung verordnet. Die erhöhte Temperatur besteht jedoch weiterhin. Nachdem er über einen Monat unter intermittierendem Fieber leidet, sucht er mehrere Kliniken auf und wird schließlich in die allgemeinmedizinische Station der berichtenden Ärzte verwiesen.

Bei der Untersuchung liegt die Körpertemperatur bei 37,5°C, auch sonst liegen keine Symptome, wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder eine abdominale Distension vor. In der Krankengeschichte findet sich lediglich die Diagnose einer Hypertonie.

Im Labor fallen erhöhte Entzündungsparameter auf:

  • Leukozyten: 17,600/µl (80,5% Neutrophile)
  • C-reaktives Protein: 7,66 mg/dl
  • Bilirubin, Aspartat-Aminotransferase, Alanin-Aminotransferase: normaler Bereich

Abb.1 CT-Scan

Röntgenaufnahmen von Brust und Abdomen zeigen keine Auffälligkeiten. Ein CT mit Kontrastmittel offenbart jedoch einen Abszess im rechten Leberlappen (Segment 8) und ein längliches Objekt mit hoher Dichte und Dichteanhebung im Fettgewebe (Abb.1). Freie Luft oder weitere Abszesse im Bauchbereich sind nicht zu erkennen. In einer bei der Aufnahme entnommenen Blutkultur wächst der Keim Streptococcus oralis.

Verschluckte Fischgräte für Leberabszess verantwortlich?

Der behandelnde Arzt hat den Verdacht einer Perforation des Dünndarms durch eine Fischgräte, welche über die Pfortader zum Leberabszess führt. Der Patient isst gerne und häufig Fisch, kann sich aber nicht daran erinnern, eine Gräte verschluckt zu haben.

Der Abszess ist etwa 5 cm groß. Die Ärzte führen eine perkutane Drainage durch und verabreichen dem Patienten Ceftriaxon und Metronidazol. Aus der eitrigen Flüssigkeit aus dem Abszess wird eine Kultur angelegt, in der Streptococcus intermedius wächst.

Da der Patient keine abdominalen Beschwerden hat, wird für einen operativen Eingriff eine Dopppelballon-Enteroskopie (DBE) durchgeführ – doch es werden keine Fremdkörper, Divertikel oder Lecke festgestellt.

Operation bestätigt den Verdacht

Im Anschluss wird eine laparoskopische Operation durchgeführt. Es finden sich keine Hinweise auf Aszites oder abdominale Abszesse. Das Meckel-Divertikel befindet sich etwa 50 cm oberhalb des Ende des Ileums. Es ist mit dem Dünndarmmesenterium verbunden und zeigt eine Inflammation.

Abb.2 Meckel-Divertikel durch Fischgräte perforiert

Nach Entfernung der Mesenterium-Verbindung finden die Chirurgen eine 2 cm lange Fischgräte, welche die Spitze des Meckel-Divertikels perforiert. Dies ist zuvor vom Mesenterium verdeckt gewesen (Abb. 2). Ansonsten finden sich keine Auffälligkeiten im Darm.

Die Ärzte führen eine Divertikulektomie durch. Eine laparoskopische Drainage des Leberabszesses ist nicht notwendig. In der Histopathologie zeigt sich ein Meckel-Divertikel ohne ektopisches Gewebe.

Der Patient erholt sich ohne besondere Vorkommnisse vom operativen Eingriff und kann 13 Tage nach der Operation aus der Klinik entlassen werden.

Fazit der Autoren: Leberabszesse aufgrund einer Perforation des Magen-Darm-Trakts durch Fremdkörper sind selten. Es gibt nur wenige Fallberichte von Abszessen über die V. portae, welche durch Entzündungen im unteren Bereich des gastrointestinalen Systems ausgelöst werden. Laut den Autoren sind bislang 24 Fälle von Perforationen durch Fischgräten mit ähnlichen Folgen bekannt. Die Art des verzehrten Fisches ist meist unbekannt.

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