25. Oktober 2019

55-Jährige nach täglichen Einläufen kraftlos und verwirrt

Eine Frau wird wegen Bauchschmerzen, Verstopfung und zunehmender Kraftlosigkeit von ihrer Familie in die Notaufnahme gebracht. Um ihre Beschwerden zu lindern, hat die Patientin tägliche Einläufe mit Kaffee durchgeführt und Kombucha-Tee getrunken. Nur drei Tage später verstirbt sie.1

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Fall wurde von Saeid Mirzai et al. in der OPEN ACESS – Fachzeitschrift IDCases publiziert unter der Creative Commons-Lizenz1 und von Dr. med. Laura Cabrera für Sie zusammengefasst.

Seit einer Woche bettlägerig

Eine 55 Jahre alte Frau aus dem Bundesstaat Alabama (USA) wird von ihrer Familie in die Notaufnahme gebracht. Die Dame leidet unter Bauchschmerzen, Schwäche und fluktuierenden Verwirrungszuständen. Seit einer Woche ist sie zu schwach, um aus dem Bett aufzustehen und kann auch kaum essen, habe sich aber geweigert, ins Krankenhaus zu gehen. (Wann genau die Beschwerden begannen, wird nicht angegeben.)

Die Frau machte tägliche Kaffee-Einläufe

Um ihre Verstopfung zu lindern, hat die Patientin tägliche Einläufe mit Kaffee durchgeführt und zweimal am Tag Kombucha-Tee getrunken. Ihre Anamnese ist blande, bis auf eine Appendektomie sowie eine exploratorische Laparotomie nach einem Autounfall. Beide Eingriffe liegen jedoch mehrere Jahre zurück.

Die Untersuchungsergebnisse bei Aufnahme

Die körperliche Untersuchung ergab:

  • Blutdruck 94/60 mmHg
  • Puls 101/min
  • Atemfrequenz 28
  • Temperatur 35,8 °C

Zum Zeitpunkt der Untersuchung ist die Patientin bei vollem Bewusstsein (GCS 15), aber nicht voll orientiert. Die Hirnnerven sind grobkursorisch intakt.

Das Herz ist auskultatorisch unauffällig, das Abdomen ist bei Untersuchung nicht druckschmerzhaft, es besteht keine Abwehrspannung. Die Laborwerte sind in den Abbildungen aufgeführt. Im Urin fand man Eiweiß, Ketonkörper, stark erhöhte Glukosewerte, Hefepilze, und Hyalinzylinder. Die Leukozyten im Urin waren normal. Ein Drogenscreening war außerdem positiv für Cannabis.

Diabetische Ketoazidose bei Diabetes mellitus Typ 1

Die Ärzte stellen somit eine diabetische Ketoazidose fest und diagnostizieren einen neu aufgetretenen Diabetes mellitus Typ 1. Sie beginnen die Behandlung mit intravenöser Flüssigkeitszufuhr, Insulin sowie Vancomycin, Piperacillin-Tazobactam und Fluconazol, da sie von einer Urosepsis ausgehen.

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Ein CT-Scan des Kopfes am Tag der Krankenhauseinweisung zeigte einen normalen Befund, ebenso wie ein Röntgen-Thorax. In der CT-Bildgebung von Abdomen und Becken hingegen sind dilatierte Dünndarmschlingen mit möglicher Obstruktion sichtbar, woraufhin eine Orogastralsonde gelegt wird.

Die Patientin trübt trotzdem weiter ein

Am nächsten Morgen haben sich zwar die Laborwerte verbessert, doch sowohl der geistige als auch der körperliche Zustand verschlechtern sich massiv, sodass sie zur Stabilisierung des Blutdruckes Norepinephrin erhält. Als am darauffolgenden Behandlungstag auch zusätzliches Phenylephrin keine Stabilisierung bringt und die Patientin komatös wird, intubieren die Ärzte.

Am dritten Behandlungstag erleidet die Patienten einen Herz-Kreislaufstillstand und wird reanimiert. Ihre Darmgeräusche fehlen, und ein erneutes CT offenbart einen Pneumocephalus mit Verschiebung der Mittellinie. Doch woher kommt die Luft?

  1. Mirzai S. et al.: Probable Clostridium septicum pneumocephalus in a user of natural remedies with newly diagnosed diabetes mellitus type 1. IDCases Volume 17, 2019, e00581

Titelbild: © Getty Images/ a-lesa

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