04. Juni 2021

Elektriker (70) mit Ödemen und Ausschlag (Teil 2)

Die Untersuchung in der Notaufnahme offenbart 39°C Fieber. Die Ärzte nehmen Blut ab und konsultieren das Team von der Infektiologie. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Artikel basiert auf dem Bericht von Grant et al (2020) in BMJ Case Report. Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera.

Ein EKG und ein Röntgen-Thorax zeigen keine Auffälligkeiten. Folgende Laborwerte werden angefordert:

  • Hämoglobin 118g/L
  • Thrombozyten 92×109/L
  • Leukozyten 5,1×109/L, mit 21,7% Monozyten (normal 1-12,5%)
  • Restliches Differenzialblutbild unauffällig.
  • Kreatinin 1,56 mg/dL (Baseline bei 0,6)
  • Alkalische Phosphatase 118 IU/L
  • ASAT 188 IU/L, ALAT 281 IU/L
  • Urinstix: 2+ Eiweiß, 1+ Bilirubin, Spuren von Blut sowie 1+ Ketone
  • Troponin I, Laktat und TSH im Normbereich
  • HIV sowie Hepatitis A, B und C negativ
  • Zwei Blutkultur-Sets werden abgenommen und sind im weiteren Verlauf negativ.

Aufnahme in die Innere Medizin

Der Patient wird nun in die Betreuung der Internisten übergeben. Diese gehen aufgrund seines Aufenthaltes im Nordosten der USA von einer durch Zecken übertragenen Erkrankung aus und beginnen gleich die Therapie mit Doxycyclin. Die Infektiologen werden hinzugezogen.

Ein Mann, eine Zecke, drei Infektionen

Die Infektiologen fordern Untersuchungen auf Lyme-Borreliose, Babesien, Anaplasma, Ehrlichia und Rickettsien an, ebenso wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit (erhöht mit 57 mm/Stunde), C-reaktives Protein (leicht erhöht mit 6.1 mg/dL) und Kreatinkinase (normal).

Ein CT von Abdomen und Becken zeigte Hinweise auf Anasarka, also ein generalisiertes Ödem in der Subkutis. Der Patient wurde entlassen und ambulant weiterbehandelt. Zwei Tage später ergab die infektiologische Serologie eine dreifache Infektion mit Borrelia burgdorferi, Anaplasma phagocytophilum und Babesia microti.

Entsprechend setzten die Ärzte zusätzlich zum Doxycyclin, das gegen Borrelien und Anaplasma wirkt, auch Atovaquon und Azithromycin an, um die Babesiose zu behandeln – erst dann bessern sich auch die Beschwerden des Patienten.

Ein Jahr später berichtet der Patient noch über Missempfindungen an der Stelle des vermuteten Insektenstiches.

  1. Grant L et al. One man, three tick-borne illnesses. BMJ Case Rep 2021; 14:e241004.

Bildquelle: © Getty Images/Kong Ding Chek

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