02. November 2021

Stechende Brustschmerzen durch Cannabis-Konsum?

Einen 18-Jährigen treibt es mit stechenden Brustschmerzen in die Notaufnahme. Hat der gelegentliche Cannabis- und Metamphetamin-Konsum Schuld an dem Zustand des jungen Mannes?

Lesedauer: 1,5 Minuten

Redaktion: Ingrid Chen, MD; Dieu-Thu Nguyen-Khoa, MD

Fallbeschreibung

Ein 18-jähriger Mann ohne nennenswerte medizinische Vorgeschichte erscheint wegen Brustschmerzen, die ihn um vier Uhr morgens plötzlich aus dem Schlaf gerissen hätten, in der Notaufnahme. Der als stechend beschriebene Schmerz wird vom Patienten in der mittleren infrasternalen Region lokalisiert und strahle in den Hals aus, wie er sagt. Als er gebeten wird, die Intensität auf einer visuellen Analogskala zwischen 1 bis 10 einzustufen, ordnet er ihn bei 8 ein.

Fragen nach Fieber, Schüttelfrost, Husten, Bluthusten, Übelkeit oder Erbrechen verneint der Patient. In der jüngeren Vergangenheit habe es auch keine Verletzungen oder Operationen gegeben. Der Patient raucht nach eigenen Angaben seit acht Jahren Zigaretten. Gelegentlich konsumiere er auch Cannabis und experimentiere mitunter auch mit dem Rauchen von Methamphetamin. Er trinke keinen Alkohol, nehme keine Medikamente ein und es seien auch keine Allergien gegen bestimmte Medikamente bekannt.

Die Befunde

Bei der körperlichen Untersuchung haben die Ärztinnen und Ärzte einen gut entwickelten und gut genährten jungen Mann vor sich. Es besteht keine Atemnot. Auch finden sich keine Anzeichen einer Tachypnoe oder Zyanose. Folgende Vitalparameter werden festgestellt: Körpertemperatur 36,7 °C, Blutdruck 94/58 mmHg, Puls 67/min, Atemfrequenz 20/min und Sauerstoffsättigung 95 % unter Raumluft.

Es ist keine obere Einflussstauung in Form gestauter Halsvenen erkennbar und die Atemexkursionen sind normal und effizient. Die Lunge ist auskultatorisch beidseits frei ohne Giemen, Brummen oder Rasselgeräusche. Das Herz schlägt regelmäßig bei gleichbleibender Frequenz mit normalem 1. und 2. Herzton. Klappen- oder Strömungsgeräusche, Krepitation oder ein Galopprhythmus werden nicht festgestellt. Sein Abdomen ist weich, nicht druckschmerzhaft und nicht eingefallen. An den Extremitäten finden sich ebenso wenig Trommelschlägelfinger wie Zeichen einer Zyanose oder Ödeme und auch kein subkutaner Crepitus.

Die initialen Laborwerte zeigen die folgenden Befunde:

  • Leukozyten: 11.000 Zellen/µl (normal 4.500-11.000 Zellen/µl), davon neutrophile Granulozyten 73,9% (normal 41,8-77%)
  • Hb: 15,1 g/dl (normal 13,5-17,5 g/dl)
  • Hkt: 44% (normal 39,8-50,7%)
  • Thrombozyten: 263.000/µl (normal 141.000-400.000 Zellen/µl)

Die Basis-Stoffwechselparameter sind normal. Auch das toxikologische Urinscreening ist negativ. Die BSG beträgt 5 mm/h (normal < 15 mm/h).

Es wird ein EKG abgeleitet, das einen normalen Sinusrhythmus mit einer Herzfrequenz von 55/min ohne ST-Strecken- oder T-Wellen-Anomalien zeigt. Daraufhin wird ein Röntgen-Thorax in zwei Ebenen angefertigt (s. Abb. 1 u. 2).

Abb.1 & 2: Röntgen-Thorax

Erfahren Sie im zweiten Teil des Beitrags medizinische Hintergründe zu diesem Fall.

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape erschienen.

Bildquelle: © Getty Images/Catherine Falls Commercial

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