22. November 2019

Eigenbrauer-Syndrom nach Antibiotikatherapie

In einer Stuhlprobe stellen die Ärzte Saccharomyces cerevisiae (Back- oder Bierhefe) und S. boulardii (Arzneihefe) fest. Der Pilzbefall des Darms bestätigt sich und erklärt die Blutalkoholwerte.1

Lesedauer: 2 Minuten

Verdacht auf aktive Hefepilze bestätigt sich

Nachdem die Ärzte die Hefepilze nachweisen konnten, hegen sie den Verdacht des Eigenbrauer-Syndroms. Um die Diagnose zu bestätigen, erhält der Patient eine kohlenhydratreiche Speise. Im Anschluss wird sein Blutalkoholspiegel überwacht. Nach 8 Stunden liegt der Wert bei 57 mg/dl.

Bei Endoskopien werden Proben aus Dünndarm und Blinddarm entnommen: Im Sekret finden sich Candida albicans und C. parapsilosis. Auch die Immunglobuline sind erhöht. Die Ärzte beginnen eine Therapie mit dem Antimykotikum Fluconazol oral (150 mg/Tag) und verordnen eine kohlenhydratfreie Ernährung.

Langwierige Therapie und Rückfall durch Pizza

Nach 10 Tagen der Therapie stellt sich keine Verbesserung ein und die Ärzte stellen auf das Fungistatikum Nystatin (500.000 IE, 3 x täglich) um. Der Mann wird wieder nach Hause entlassen.

Allerdings treten immer noch Episoden von “selbstgenerierter Trunkenheit” auf. Die Ärzte wechseln zu Itraconazol (150 mg/Tag). Nachdem keine Verbesserung eintritt, erhöhen sie die Dosis auf 200 mg/Tag und die Symptome verschwinden.

Dann isst der Bauarbeiter allerdings gegen den Rat seiner Ärzte Pizza, trinkt Limonade und erleidet einen schweren Rückfall. Daraufhin fällt die Entscheidung für eine intravenöse Micafungin-Therapie (150 mg/Tag) über 6 Wochen.

Eigenbrauer-Syndrom

Das Eigenbrauer-Syndrom zählt zu unterdiagnostizierten Erkrankungen. Veränderungen des Mikrobioms im Darm können zum Wachstum von Pilzen wie Candida und S. cerevisiae führen. Diese sind in der Lage Kohlenhydrate in Alkohole umzusetzen.

Die erste Fallserie wurde in den 1970ern in Japan berichtet, 10 Jahre darauf erstmals in den USA. Bei früheren Berichten waren Patienten unter Immunsupprimierung, mit Morbus Crohn oder einem Kurzdarmsyndrom betroffen. Der beschriebene Fall ist der erste veröffentlichte, in dem eine Antibiotikatherapie zu einem Eigenbrauersyndrom führte.

Zu den ersten Symptomen zählen Stimmungsänderungen, Delirium und Konzentrationsschwierigkeiten (Brain Fog). Patienten mit Anzeichen einer Alkoholintoxikation, die glaubhaft versichern, keinen Alkohol getrunken zu haben, können vom Syndrom betroffen sein.

Die Therapie erfolgt mit Antimykotika und einer Anpassung der Ernähung. Außerdem können Probiotika oder eine Stuhltransplantation eingesetzt werden.

Normaler Lebensstil ist wieder möglich

Nach Abschluss der Therapie ist kein Pilzwachstum im Darmsekret mehr nachweisbar. Der Patient erhält ein Gerät zur Bestimmung des Atemalkoholwerts und soll sich bei positiven Werten umgehend melden.

Um die Darmflora zu normalisieren und das Wachstum von Pilzen zu verhindern, erhält er ein Probiotikum (Lactobacillus acidophilus, 3 Milliarden koloniebildende Einheiten je Kapsel). Kohlenhydrate werden schrittweise wieder in die Ernährung eingeführt.

1,5 Jahre später ist der Mann frei von Symptomen und geht wieder seinem früheren Lebensstil nach. Er ernährt sich ohne besondere Einschränkungen und überprüft regelmäßig seinen Atemalkoholwert.

  1. Malik F et al. Case report and literature review of auto-brewery syndrome: probalby an underdiagnosed medical condition. BMJ Open Gastro 2019; 6: e000325.

Bildquelle: © Mogana Das Murtey & Patchamuthu Ramasamy

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