22. November 2019

Vernebeltes Gehirn ohne Alkohol?

Seit Jahren leidet ein 46-Jähriger immer wieder unter Depressionen, Gedächtnisproblemen und psychischen Veränderungen. Als er wegen einer Trunkenheitsfahrt festgenommen wird, beteuert er, keinen Alkohol getrunken zu haben. Kann man ihm glauben?

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel in der Fachzeitschrift BMJ Open Gastroenterology, den Christoph Renninger für Sie zusammengefasst hat.1

Symptome erstmals nach Daumenverletzung

Der aktive, zuvor gesunde Mann (1,88 m, 104 kg) zieht sich im Januar 2011 eine komplizierte Verletzung am Daumen zu und nimmt Antibiotika (Cefalosporin 250 mg, 3 x täglich, 3 Wochen) ein. Eine Woche nach Abschluss der Therapie treten erstmals Persönlichkeitsveränderungen und ein „vernebelter Geist” auf.

Erst 3 Jahre später konsultiert er seinen Hausarzt. Dieser verweist ihn an einen Psychiater, der eine Therapie mit Lorazepam und Fluoxetin beginnt. Ansonsten nimmt er keine Medikamente ein. Bei einem Besuch in einer Klinik für Innere Medizin berichtet er zudem über Gedächtnisstörungen.

Betrunken ohne Alkoholkonsum?

Eines Tages wird er wegen des Verdachts einer Trunkenheitsfahrt festgenommen. Er verweigert eine Atemalkoholbestimmung und wird zur Blutentnahme in eine Klinik gebracht. Dort stellen die Ärzte einen Blutalkoholwert von 200 mg/dl (entspricht ca. 2 ‰ g/kg) fest.

Der Mann beteuert jedoch mehrfach, dass er keinen Alkohol getrunken habe. Das Klinikpersonal und die Polizei glauben ihm aber nicht. Am nächsten Tag hat er sich vollständig erholt und wird nach Hause entlassen.

Unauffällige Untersuchungen

Nach dieser Episode sucht er eine Klinik auf. Dort sind alle Standardlaboruntersuchungen (großes Blutbild, metabolische Werte, Immunologie, Urinanalyse) ohne pathologischen Befund.

In der folgenden Zeit sucht der Mann mehrere Internisten, Psychiater, Neurologen und Gastroenterologen auf, die ihm aber alle nicht helfen können. Bei einem Sturz zieht er sich intrakranielle Blutungen zu und muss in einer neurochirurgischen Klinik behandelt werden.

Während des 10-tägigen Klinikaufenthalts, bei dem er sich wieder vollständig erholt, liegen seine Blutalkoholwerte zwischen 50 und 400 mg/dl. Immer wieder bekräftigt er, keinen Alkohol zu trinken. Doch das Klinikpersonal überzeugt er nicht.

Auflösung im zweiten Teil

Der 46-jährige Bauarbeiter gibt nicht auf und sucht Hilfe in einem Onlineforum. Dort wird dem Mann, der aus Ohio stammt, für weitere Untersuchungen das Richmond University Medical Center in New York empfohlen. Auch in dieser Klinik rätseln die Ärzte zunächst über den Zustand des Patienten, doch dann führen sie einen einfachen Test durch.

  1. Malik F et al. Case report and literature review of auto-brewery syndrome: probalby an underdiagnosed medical condition. BMJ Open Gastro 2019; 6: e000325.

Bildquelle: © Getty Images/RapidEye (Symbolbild mit Modell)

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