06. Dezember 2019

Atemlosigkeit durch neue Federbetten

Die Federn in den neuen Bettdecken und Kissen haben bei dem Patienten zu einer Hypersensitivitätspneumonitis geführt. Im Blut konnten Antikörper gegen aviäre Antigene nachgewiesen werden, obwohl der Mann keinen Kontakt zu Vögeln hat.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Lungenkrankenheit durch Vogelfedern

Basierend auf den Angaben des Patienten, seiner Symptome und dem Röntgenbild vermutet der Arzt eine interstitielle Lungenerkrankung, höchstwahrscheinliche eine Hypersensitivitätspneumonitis, die durch Vogelfedern ausgelöst wird. Die exogene allergische Alveolitis ist durch Husten, Dyspnoe und Müdigkeit gekennzeicht und wird durch eine Sensibilisierung und Überempfindlichkeit auf Umweltantigene verursacht.

Bei einer Blutuntersuchung fallen ungewöhnlich hohe Werte für aviäre Präzipitine auf, die Erkrankung ist auch als Vogelhalterlunge bekannt. Im Falle des beschriebenen Patienten ist jedoch organischer Staub aus Enten- oder Gänsefedern in Bettdecke und Kopfkissen für die Symptome verantwortlich (Federbettenlunge). Die Prävalenz der Krankheit ist nicht bekannt, da sie nach Ansicht der Autoren des Fallberichts häufig nicht erkannt oder diagnostiziert wird.

Das Einatmen der Antigene führt zu einer Antwort des Immunsystems und einer Entzündung des Lungenparenchyms. Kommt es zu einer Dauerexposition kann eine Lungenfibrose mit Obliteration der Bronchiolen auftreten.

Federbetten werden durch synthetische Decken ersetzt

Unmittelbar nach dem ersten Telefonat mit dem Patienten, empfiehlt der Arzt, die Federbetten durch Decken mit synthetischer Füllung zu ersetzen. Außerdem solle er sich um den Schimmelbefall im Badezimmer kümmern und überprüfen, ob sich Vögel im Dachboden oder Kamin eingenistet haben. Nach dem Austausch der Betten verbessern sich die Symptome bereits merklich.

Da die Lungenfunktion jedoch eingeschränkt ist (Einsekundenkapazität, FEV1: 71%, forcierte Vitalkapazität, FVC: 64% des vorhergesagten Werts) und der Gastransport (Sauerstoff, CO 2 ) beeinträchtigt ist, entscheiden sich die Ärzte für eine Behandlung mit oralen Kortikosteroiden. Der Mann erhält im ersten Monat einmal täglich 40 mg Prednisolon. Danach wird über jeweils 2 Wochen die Dosis reduziert (30, 20, 15 mg) bis eine Erhaltungsdosis von 10 mg erreicht wird. Zum Magenschutz verordnen die Ärzte Omeprazol. Außerdem wird eine Analyse der Knochendichte durchgeführt.

Bei einer Kontrolluntersuchung 6 Monate später fühlt sich der Patient wieder vollkommen gesund. Dies bestätigt sich in Lungenfunktionstests und einem Röntgenthorax.

  1. Liu-Shiu-Cheong P et al. Feather duvet lung. BMJ Case Reports 2019; 12: e231237

Bildquelle: © Getty Images/Vershinsky

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