29. März 2019

Neutropenie nach Jagdausflug: Die Auflösung

Erfahren Sie hier im zweiten Teil des Beitrags, welche wichtige Information die Patientin den Ärzten zunächst vorenthalten hat.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Artikel beruht auf einer Kasuistik in der Fachzeitschrift Deutsche Medizinische Wochenschrift, die Laura Cabrera für Sie zusammengefasst hat. 1

Medikamenten-Anamnese: Ärzte haken erneut nach

Die Behandler fragen die Patientin erneut nach der Einnahme von weiteren Medikamenten. Nun gibt die junge Frau zu, dass sie wegen der starken Schmerzen nach dem Unfall 1g Novalgin eingenommen hat. Dank dieser Information stellen die Ärzte nun die Diagnose einer toxisch induzierten Agranulozytose durch Metamizol.

Wichtig: Eine Agranulozytose kann zu jedem Zeitpunkt einer Behandlung mit Metamizol auftreten, nach einmaliger Einnahme schon nach zwei Tagen. Die größte Gefahr ist dabei ein septischer Verlauf, weshalb bei Fieber unter Neutropenie eine breite kalkulierte Antibiose erfolgen sollte, eventuell auch antimykotisch.

Komplikation während des stationären Aufenthaltes

Im weiteren stationären Verlauf entwickelt die junge Frau starke Schmerzen im Oberbauch. Das Murphy-Zeichen ist positiv. Sonographisch stellen die Ärzte eine akute Cholezystitis fest, allerdings ohne Hinweise auf Eiteransammlungen oder Perforation, sodass sie die Patientin weiterhin konservativ antibiotisch behandeln.

Innerhalb von acht Tagen stabilisiert sich der Zustand und die Patientin kann entlassen werden. Eine Wiedervorstellung zur elektiven Cholezystektomie wird vereinbart.

Eine Stimulation der Granulopoese mit G-CSF war therapeutisch nicht nötig. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass dies bei der vorliegenden Indikation auch nicht evidenzbasiert wäre.

Zusammenfassung

In der Zusammenschau der Ereignisse lässt sich schlussfolgern: Zur Selbstbehandlung der Rückenschmerzen nach dem Unfall nahm die Patientin 1g Novalgin ein. Zirka zwei Tage später entwickelte sie eine medikamenten-induzierte Agranulozytose und als Konsequenz infektiöse Komplikationen. Eine davon war die Cholezystitis, die die hohen Leberwerte erklärt.

  1. Zimmermann M et al.: “Leukämie durch Kollision mit Wildschwein?“ Dtsch med Wochenschr 2019; 144(05): 335-339
  2. Bildquelle: © istock.com/fizkes

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