09. Dezember 2021

24-Jähriger mit starken Bauchschmerzen in der Notaufnahme

Ein junger Mann stellt sich nach einer wilden Party wegen plötzlicher Schmerzen im rechten Unterbauch, mit Übelkeit und Erbrechen in der Notaufnahme vor. Wie lautet Ihr Verdacht? 1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Autorenteam: Marie-Lee Simard, Alexandre Lafleur. Redaktionelle Bearbeitung: Dr. Linda Fischer

Fallbeschreibung

Die Schmerzen sind gleichbleibend stark und schränken den Patienten in seinen Bewegungen ein. Sie strahlen in die rechte Seite aus, jedoch nicht in die Leiste. Fragen nach Fieber, Gewichtsverlust, Durchfall, Blut im Stuhl, Miktionsbeschwerden oder Blut im Urin verneint er.

Das weitere Gespräch erbringt keine Hinweise auf ein kürzlich erlittenes Trauma, auf extreme körperliche Belastungen, auf Kontakte zu infektiös erkrankten Personen, auf Fernreisen oder auf ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Die persönliche Anamnese und die Familienanamnese sind ebenfalls unauffällig. Der Patient hat keine Allergien und nimmt keine Medikamente regelmäßig ein, insbesondere auch keine nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und kein Paracetamol. Er rauche nicht, trinke aber gelegentlich Alkohol. In der Freizeit schnupfe er gelegentlich Kokain. Zuletzt sei dies vor vier Tagen im Rahmen einer „wilden“ Party der Fall gewesen.

Körperliche und apparative Untersuchungen

Bei der Untersuchung kann der Patient frei atmen. Seine Vitalparameter:

  • Blutdruck 152/94 mmHg
  • Puls 57/min regelmäßig,
  • Atemfrequenz 20/min
  • Körpertemperatur 36,9 °C rektal
  • Sauerstoffsättigung unter Raumluft 100 %

Der Patient liegt ruhig auf der Liege; Bewegung löst jedoch die Bauchschmerzen aus. Das Abdomen erscheint zunächst normal und nicht aufgetrieben. Die Darmgeräusche sind normal auskultierbar.

Im rechten unteren Quadranten besteht eine erhebliche Druckempfindlichkeit, allerdings ohne Abwehrspannung oder Loslassschmerz. Bei der Palpation der Bauchdecke und der Leistengegend sind keine walzenförmigen Schwellungen tastbar. Die Perkussion des rechten Kostovertebralwinkels verursacht ein leichtes Unbehagen.

Die Herztöne sind normal und die Lungen frei. Es gibt keine Knöchelödeme. Die Haut erscheint normal ohne Hinweise auf eine Vaskulitis. Die übrigen körperlichen Untersuchungsbefunde sind unauffällig.

Bei der Bestimmung verschiedener Laborwerte bietet sich folgendes Bild:

  • Kreatinin: 123 µmol/l (normal 55–105 µmol/l)
  • Glomeruläre Filtrationsrate (eGFR): 69 ml/min/1,73 m2 (normal > 60 ml/min/1,73 m2)

In der Krankenakte des Patienten finden sich keine Angaben zu früheren Kreatininwerten. Der LDH-Wert beträgt 2.093 U/l (normal < 225 U/l).

  • Leukozyten: 11.800 Zellen/µl (normal 4500–11.000 Zellen/µl)
  • Hb: 15,6 g/dl (normal 13,5–17,5 g/dl)
  • AST: 426 U/l (normal 6–34 U/l)
  • ALT: 304 U/l (normal 20–60 U/l)

Der Bilirubinwert liegt im Normbereich, ebenso unauffällig sind die Werte für Lipase, Kreatinkinase und Laktat. Die Blutgasanalyse zeigt keine metabolische Azidose. Bei der Urinanalyse gibt es keine Hämaturie, keine Leukozyten und kein Nitrit, allerdings eine leichte Proteinurie mit einem Protein/Kreatinin-Verhältnis von 0,068 g/mmol (Referenzbereich < 0,015 g/mmol). Die Troponinwerte und das EKG sind normal.

Das Abdomen und das Becken werden sonografiert und anschließend computertomografisch ohne Kontrastmittel untersucht. Die Leber, die Gallenblase, die Nieren und der Blinddarm erscheinen dabei alle normal.

Der Patient erhält Flüssigkeit i.v., ein Opioid gegen die Schmerzen und Ondansetron gegen die Übelkeit.

Erfahren Sie im zweiten Teil dieses Beitrags, was die Ärztinnen und Ärzte diagnostizieren und auch medizinische Hintergründe zur gestellten Diagnose. Zum zweiten Teil >>

Bildquelle: © gettyImages/Studio 642

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