25. Mai 2018

Albtraumhafte Krankheit nach Traumurlaub: Auflösung

Der 37-Jährige hat sich vermutlich während seines Thailandurlaubs mit Leptospiren infiziert. Der Erreger kann mittels PCR und Serologie nachgewiesen werden. Nach der Diagnose wird die Therapie angepasst.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Fallbericht in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift, den Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Behandlung mit Penicillin G

Da vor allem Lunge und Nieren betroffen sind, beginnen die Klinikärzte zunächst mit einer antiobiotischen Therapie mit Piperacillin/Tazobactam und Clarithromycin. Allerdings kommt es zu keiner Verbesserung und eine Nierenbiopsie zeigt eine tubulointerstitielle Nephritis.

Nachdem mittels PCR und Serologie Leptospiren als Auslöser des pulmo-renalen Syndroms identifiziert werden, erfolgt am sechsten Tag in der Klinik die Umstellung auf Penicillin G. Die Symptome des Patienten verbessern sich und er kann nach zwei Wochen auf die Normalstation verlegt werden und eine Dialyse ist nicht mehr notwendig. Nach insgesamt 24 Tagen kann er das Krankenhaus gesund verlassen.

Leptospiren: Nicht nur in den Tropen zu Hause

Der pathogene Erreger Leptospira interrogans gehört zu der Bakterienklasse der Spirochäten und kommt vor allem in tropischen und subtropischen Ländern vor, allerdings können die Bakterien auch im gemäßigten Klima Westeuropas auftreten. In Deutschland treten jährlich zwischen 37 und 166 Fälle von Leptospirose auf, etwa ein Viertel der Infektionen werden aus dem Ausland importiert.

Leptospiren werden vor allem durch den Kontakt mit Wasser übertragen, das durch den Urin infizierter Nagetiere verunreinigt wurde. Die Bakterien gelangen dabei über kleine Hautverletzungen oder die Schleimhäute in den Körper. Auch der Biss infizierter Tiere kann zur Übertragung der Erreger führen.

Gefährdete Berufsgruppen sind daher Kanalarbeiter, Laborpersonal und Landwirte. Immer wieder ist in Deutschland nach Sportveranstaltungen, insbesondere beim Triathlon, zu mehreren Fällen von Leptospirose gekommen. Auslöser ist verunreinigtes Flusswasser, aufgrund von Einschwemmungen aus dem Uferbereich oder der Kanalisation.2

Leichte Grippe bis zu Todesfällen

Nach einer Inkubationszeit von 7-14 Tagen kann das klinische Bild einer Leptospirose sehr unterschiedlich erscheinen. In 90% der Fälle kommt es zu milden, grippeähnlichen Symptomen, allerdings sind auch schwere septische Erkrankungen möglich, die innerhalb weniger Tage zum Tod führen. Prinzipiell können alle Organsysteme betroffen sein.

Die WHO gliedert die Leptospirose in vier klinische Kategorien:

  • Grippeähnliche Symptome,
  • Morbus Weil (Trias aus Nierenversagen, Ikterus und Splenomegalie),
  • Meningitis/Meningoenzephalitis,
  • Pulmonale Hämorrhagien mit respiratorischer Insuffizienz.

Weitere Symptome, die nach einer Infektion auftreten können, sind häufig eine Thrombozytopenie, EKG-Veränderungen und Arrhythmien. Seltener kommt es zu einer Pankreatitis, Cholezystitis und Rhabdomyolyse.

Zur Behandlung wird bei leichten Krankheitsverläufen Doxycyclin (2 x mg/d p.o. für 7 Tage) empfohlen, bei schweren Erkrankungen Penicillin G ( 1,5 Mio. E/6 h i.v. für 7 Tage) oder Cefriaxon (1 g/d i.v. für 7 Tage). Ist die Lunge stark betroffen, kann Methylprednisolon einen positiven Effekt haben.2

Reiseerkrankungen: Eine diagnostische Herausforderung

Leiden Patienten nach Reisen in ferne Länder unter Fieber oder anderen Beschwerden, ist die Differenzialdiagnose oftmals eine Herausforderung, da sowohl Reisekrankheiten mit exotischen Erregern als auch Erkrankungen, die nicht mit der Reise assoziiert sind, in Betracht gezogen werden müssen. Mit welchen sechs Anamnesefragen Sie wichtige Hinweise auf die Ursache erhalten, lesen Sie im Beitrag “Fieber nach Fernreise: Gezielt zur Diagnose”.

Die News der Woche im Video

Dauer: 3 Minuten

  1. Schenk LK et al. Fieber und pulmo-renales Syndrom mit akuter Cholezystitis nach Südostasienreise – eine differenzialdiagnostische Herausforderung. Dtsch Med Wochenschr 2018; 143: 263-266.
  2. RKI-Ratgeber: Leptospirose. Robert Koch Institut, Epidemiolgisches Bulletin 42/2015

Bildquelle: CDC/Dr. Martin Hicklin

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