28. Februar 2018

Lymphknotenveränderung: Das ist die außergewöhnliche Ursache

Im Darm des Patienten hatte sich der Zwergbandwurm vermehrt und dabei Mutationen entwickelt, die zu malignen Fähigkeiten führen. Die Krebsstammzellen von H. nana besiedelten weitere Körperregionen und führten zu den Symptomen. (Lesedauer: 2 Minuten)

Dieser Beitrag beruht auf einem Fallbericht im New England Journal of Medicine, den Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, für Sie zusammenfasst.1

Erstaunliche Funde bei der DNS-Analyse

Die Wissenschaftler am CDC führen eine Analyse zum Nachweis von Pilz- und Parasiten-DNS durch. Sie finden eine 99%ige Übereinstimmung mit dem Zwergbandwurm (Hymenolepis nana). Dieser Befund ist überraschend, da die Zellen keinerlei Struktur von Bandwurmgewebe aufweisen. Mittels Immunhistochemie und<em> in situ</em>Hybridisierung bestätigt sich das Ergebnis.

Eine detailierte Genomanalyse identifizierte unter anderem Mutationen in fünf proteincodierenden Genen, darunter Transkriptionsfaktoren, die bei der Entwicklung eine Rolle spielen, eine Kinase, die bei der Autophagie beteiligt ist und Aktin-bindende Proteine. Bei drei dieser Gene ist bekannt, dass ihre Säugetier-Homologe bei der Entstehung von Krebs von Bedeutung sind.

  • H. nana (Zwergbandwurm) ist der häufigste menschliche Bandwurm und kommt weltweit vor. Etwa 75 Millionen Menschen sind mit dem Parasiten infiziert, wobei es Regionen gibt in denen 25% der Kinder betroffen sind.

    Infektionen beschränken sich üblicherweise auf das Gastrointenstinalsystem und verlaufen asymptomatisch. Im Dünndarm legen erwachsene Tiere ihre Eier ab. Die Embryonen (Onkosphären) wandern in die Darmzotten ein, wo sie sich zu Larven (Cystericoiden) weiterentwickeln. Anschließend lagern sich die Würmer in der Schleimhaut ein.

    H. nana durchläuft als einziger Bandwurm seinen kompletten Lebenszyklus im Dünndarm des Wirts und benötigt daher keinen Zwischenwirt. Daher kann es zu einer hohen Parasitenbelastung kommen, insbesondere bei Personen mit geschwächtem Immunsystem.

    Die Therapie erfolgt mit Praziquantel oder Nitazoxanid, bei Gewebeinvasion der Larven ist Albendazol das Mittel der ersten Wahl.

Milieu für Mutationen

Extraintestinale Infektionen mit Zwergbandwürmern wurden bisalang nur in immungeschwächten Patienten beschrieben. Im Modell mit immunsupprimierten Mäusen konnten zudem abnorme, vergrößerte Cysticercoiden festgestellt werden.

Berichte über neoplastische, maligne Veränderungen von mehrzelligen Parasiten wie Bandwürmern sind nach Wissen der Autoren noch nicht publiziert. Durch die Vermehrung im Darm des HIV-positiven Patienten konnten mehrere Mutationen auftreten, die schließlich zur malignen Transformation führen.

Typisch hierfür sind die monomorphe Morphologie und zytologische Auffälligkeiten, sowie das invasive Verhalten und die Ausbildung von Metastasen. Ursprung sind vermutlich Neoblasten (pluripotente Stammzellen), da diese die einzigen proliferativen Zellen in Plattwürmen sind.

Erste Beschreibung dieser Art

Dies ist die erste Beschreibung eines Falls, bei dem Tumorzellen eines Zwergbandwurms auf seinen menschlichen Wirt übergegangen sind und sich in verschiedenen Organen vermehrten. Mehrzellige Parasiten besitzen häufig die Fähgikeit zur Invasion von Gewebe, werden aber üblicherweise vom Immunsystem kontrolliert.

Aufgrund der HIV-Infektionen und der schlechten Therapieadhärenz des Patienten, ist diese neuartige Verbindung zwischen Infektionen und Krebserkrankungen möglich gewesen.

Die Autoren vermuten, dass möglicherweise in Entwicklungsländern, in denen HIV- und H. nana-Infektionen weitverbreitet sind, maligne Veränderungen des Bandwurms fälschlicherweise als menschliche Tumorzelllen diagnostiziert werden können.

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  1. Muehlenbachs A et al. Malignant Transformation of Hymenolepis nana in a Human Host. New Eng J Med 2015; 373(19): 1845-1852.

Bildquelle: © selvanegra-istockphoto.com

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