28. Februar 2018

Lymphknotenveränderung nicht menschlichen Ursprungs?

Bei einem 41-jährigen, HIV-positiven Patienten kommt es zu Wucherungen an verschiedenen Organen und abnormen Veränderungen der Lymphknoten. Doch die Biopsie stellt die Ärzte vor ein Rätsel. (Lesedauer: 2 Minuten)

Dieser Beitrag beruht auf einem Fallbericht im New England Journal of Medicine, den Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Patient mit Fieber, Husten, Fatigue und Gewichtsverlust

Der 41-jährige Mann stellt sich in der Klinik in Kolumbien vor, da er seit Monaten unter Fieber, Husten, Fatigue und Gewichtsverlust leidet. Vor sieben Jahren hat er die Diagnose einer HIV-Infektion erhalten, seine Medikamente nimmt er jedoch nicht regelmäßig ein.

Die Viruslast beträgt 70.000 Kopien/ml (kritisch bei >50.000 Kopien/ml), die Zahl von CD4-Zellen liegt bei 28/mm 3 (kritisch bei <100/mm 3). In einer Stuhlprobe werden Eier des Zwergbandwurms Hymenolepis nana und Zysten des Parasiten Blastocystis hominis festgestellt.

Bei der Computertomographie (CT) entdecken die Ärzte Knoten in der Lunge (0,4-4,4 cm), Leber und den Nebennieren. Außerdem stellen sie eine Lymphadenopathie an zervikalen, mediastinalen und abdominellen Lymphknoten fest. Es werden Biopsien aus der Lunge und Halslymphknoten entnommen.

Die Ärzte verordnen das antiparasitäre Medikament Albendazol und nehmen die antiretrovirale Therapie mit Tenofovir wieder auf. Der Zustand des Mannes verschlechtert sich jedoch weiter, vor allem die Lymphknoten wachsen auf bis zu 5 cm an. Es kommt zu Nierenversagen. Der Patient lehnt die Dialyse ab, wird palliativ gepflegt und verstirbt schließlich.

Experten des CDC rätseln über Biopsie

Die Probe aus dem Lymphknoten wird an die US-amerikanischen Centers for Disease Control und Prevention (CDC) gesendet. Die Experten untersuchen die abnormale, feste, noduläre Masse und stellen nach einer Präparation fest, dass die normale histologische Struktur von Nestern kleiner, atypischer Zellen verdrängt wird.

Die auffälligen Zellen (Durchmesser: 5-6 µm) zeigen wenig Zytoplasma, atypische Zellkerne und prominente Nucleoli. Außerdem werden mitotische Aktivität, Gefäßinvasion und Nekrosen festgestellt. Allerdings ist keine Form der Zelldifferenzierung zu erkennen.

Immunhistochemische Färbungen für humanes Zytokeratin und Vimentin, die häufig von Tumorzellen exprimiert werden, sind negativ. Freilebende Amöben können ebenfalls nicht nachgewiesen werden.

Die Diagnose erweist sich auch für die Fachleute als äußerst schwierig, Die Zellen zeigen offensichtliche Eigenschaften maligner Prozesse, wie die Invasion von Gewebe, ungeordnetes Wachstum und eine monomorphe Form, die an Stammzellen erinnert. Dem entgegen steht die geringe Zellgröße (<10 µm), die für eine Infektion mit eukaryotischen, einzelligen Organismen spricht.

Woher stammen die mysteriösen Zellen?

Eine genetische Analyse bringt schließlich ein überraschendes Ergebnis. Welche außergewöhnliche Ursache zu den Wucherungen und Lymphadenopathien und schließlich zum Tode des Patienten geführt hat, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

  1. Muehlenbachs A et al. Malignant Transformation of Hymenolepis nana in a Human Host. New Eng J Med 2015; 373(19): 1845-1852.

Bildquelle: © 7activestudio-istockphoto.com

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.
 
coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653