17. März 2018

Das war der Auslöser für die Unterbauchschmerzen

Nach der Bauchöffnung stellen die Ärzte einen Uterus didelphys, eine Doppelanlage der Gebärmutter, fest. Das rechte Horn ist blutgefüllt, da hier keine Verbindung zwischen Zervix und Vagina besteht. (Lesedauer: 2 Minuten)

Dieser Beitrag basiert auf einem Fallbericht im Journal of Medical Case Reports, den Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Herzförmiger Uterus

Die 13-Jährige hat eine angeborene Uterusfehlbildung, da während der Embryonalentwicklung die Gebärmutter doppelt angelegt worden ist. Während beim linken Uterushorn der Gebärmutterhals mit der Vagina verbunden ist, ist dies auf der rechten Seite nicht der Fall. Das angestaute Menstruationsblut (Hämatometra) führt zu den Schmerzen im Unterleib.

Die Eierstöcke und Eileiter hingegen sind normal ausgebildet. Nach der Diagnose führen die Ärzte eine transabdominelle Drainage des Blutes durch. Anschließend bestätigt sich die Diagnose des Uterus didelphys im MRT. Außerdem wird auf der rechten Seite eine Nierenaplasie festgestellt.

Eine Woche später wird das Mädchen operiert und die Verbindung zwischen rechtem Uterus und Vagina hergestellt. Sie erholt sich gut vom Eingriff und hat eine normale Menstruation ohne Regelschmerzen, auch beim Kontrolltermin sechs Monate später.

Diagnose nicht immer einfach

Uterusfehlbildungen können häufig nur schwer festgestellt und behandelt werden. Im beschriebenen Fall wurden invasive Maßnahmen eingeleitet, da starke akute Bauchschmerzen vorlagen und eine Ovarialtorsion nicht ausgeschlossen werden konnte. Anamnestisch hat die normale Regelblutung in den vergangenen neun Monaten gegen eine Fehlbildung gesprochen, ebenso die unauffälligen äußeren Genitalien.

Welche Anamnese-Fragen, körperliche Untersuchungen, Laborwerte und bildgebende Verfahren bei starken Bauchschmerzen hilfreich sind, lesen Sie im Beitrag “Akutes Abdomen: So können Sie vorgehen”.

Eine transvaginale Ultraschalluntersuchung hätte möglicherweise Hinweise auf die Fehlbildung liefern können, diese wird bei sexuell inaktiven Mädchen jedoch nicht empfohlen. Nach dem Ultraschall ist das MRT das bildgebende Verfahren der Wahl. Allerdings ist in Notfallsituationen der Zugang dazu oftmals begrenzt.

Müller-Gang nicht vollständig verschmolzen

Angeborene Uterusfehlbildungen entstehen, wenn die Verschmelzung des unteren Anteils des Müller-Gangs gestört ist. Dadurch kommt es zur doppelten Anlage der Gebärmutter mit zwei Zervices, in vielen Fällen auch der Vagina.

In 36% der Fälle von Müller-Gang-Anomalien treten weitere strukturelle Fehlbildungen auf. Insbesondere die Nieren sind hiervon häufig betroffen, da die embryonale Entwicklung begleitend verläuft.2

Die Klassifikation und Therapie weiblicher genitaler Fehlbildungen werden in einer S1-Leitlinie zusammengefasst. Die Leitlinie wird derzeit überarbeitet und das Update soll im Laufe dieses Jahres veröffentlicht werden.3

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  1. Klimek P et al. Hematometra presenting as an acute abdomen in a 13-year-old postmenarchal girl: a case report. Journal of Medical Case Reports 2012; 6: 419.
  2. Oppelt P et al. Female genital malformations and their associated abnormalities. Fertil Steril 2007; 87: 335-342.
  3. Weibliche genitale Fehlbildungen. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). AWMF-Register Nr. 015/052

Bildquelle: © chombosan-istockphoto.com

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