17. Dezember 2016

Kolikartige Bauchschmerzen eines Hobbyjägers: Eine verkannte Krankheit

Mit kolikartigen Bauchschmerzen kommt ein Patient mittleren Alters in eine Schweizer Notaufnahme. Auf der Suche nach der Ursache tappen die Ärzte jedoch lange im Dunkeln. Erst als der Patient nach Hause entlassen wird, trifft der entscheidende Hinweis ein. Erfahren Sie hier, welche seltene Erkrankung die Kollegen verkannt haben.

Dieser Beitrag basiert auf einer Publikation des Schweizerischen Medizin-Forums 2016 ; 16(32): 642–6441. coliquio-Redakteurin Dr. Nina Mörsch fasst die Einzelheiten zusammen.

Anamnese: Kolikartige Bauchschmerzen & erhöhte Leberwerte  

Ein 55-jähriger Patient wird vom Hausarzt in die Notaufnahme eingewiesen: Seit vier Tagen bestehen kolikartige Oberbauchschmerzen, die in die rechte Flanke ausstrahlen. Die Beschwerden sind seit zwei Tagen eher von dumpfem, konstantem Charakter. Der Patient hat kein Fieber, allerdings hatte der Hausarzt massiv erhöhte Leberwerte und gelbliche Skleren festgestellt. Der Hobbyjäger berichtete davon, zu Hause Schafe, Ziegen und Alpakas zu halten.

Klinische Befunde bei der Eintrittsuntersuchung

Bei der Eintrittsuntersuchung zeigte sich der schlanke Patient in gutem Allgemeinzustand, kardiopulmonal kompensiert (BD 148/98 mm Hg, P 67/min) und afebril bei 36,8°C. Es bestand eine Druckdolenz im rechten Oberbauch, der restliche Status war unauffällig.

Die Laborergebnisse zeigten

  • ein erhöhtes totales Bilirubin von 100,6 μmol/l,
  • direktes Bilirubin 56,0 μmol/l,
  • γ-GT bei 72 U/l und
  • alkalische Phosphatase bei 307 U/l.

Auch die Transaminasen waren mit einer ASAT von 1261 U/l und einer ALAT von 1825 U/l deutlich erhöht, ebenso die LDH mit 1193 U/l.

Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte und Schilddrüsenwerte waren hingegen unauffällig. In der Abdomensonographie zeigten sich die Gallenwege schlank mit diskreter Flüssigkeit um die Gallenblase. Der Patient wurde zur weiteren Abklärung einer endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikographie zugeführt. Es fanden sich keine Hinweise auf eine biliäre Obstruktion.

Leberwerte steigen weiter an – Ursache bleibt unklar

In den folgenden sieben Tagen stiegen die Leberwerte weiter an:

  • Maximales Bilirubin total 171,6 µmol/l
  • Direktes Bilirubin 146 µmol/l
  • Verdreifachung der Transaminasen (ASAT 3040 U/l, ALAT 4451 U/l, LDH 1995 U/l)

Die restlichen Cholestaseparameter wie γ-GT und alkalische Phosphatase normalisierten sich zunehmend. Das CRP blieb bei 5 mg/l. Die Frage nach der Ursache bleibt weiterhin unbeantwortet.

Suche nach infektiösen und autoimmunen Krankheiten

Anamnestisch gab es keine Lebererkrankungen in der Familie. Zudem gab der Patient glaubhaft an, weder Drogen zu konsumieren, noch risikoreichen Sexualkontakt zu haben.  Ebenfalls fanden sich keine Hinweise auf eine medikamentös-toxische Hepatitis. Die Serologien für Hepatitis A, B und C, Herpes simplex, CMV, EBV, HIV und Brucellose waren negativ. Die Laborparameter für eine Autoimmunerkrankung waren unauffällig.

Auffällig war eindeutig erhöhtes Ferritin (2499 μg/l) sowie ein leicht erhöhtes Eisen mit 31 μmol/l und eine berechnete Transferrinsättigung von 65% bei jedoch normwertigem Caeruloplasmin von 0,38 g/l. Das Alpha-1-Antitrypsin lag mit 2,22 g/l leicht über dem Referenzbereich von 0,90–2,0 g/l.

Entscheidender Hinweis nach Entlassung des Patienten

Der Allgemeinzustand des Patienten blieb weiterhin gut. Dennoch führten die Ärzte aufgrund der nach wie vor erhöhten Leberparameter eine Verlaufssonographie durch, die eine fragliche Raumforderung im Bereich des Gallenblasenfundus zeigte. Eine CT-Untersuchung des Abdomens ergab indes keine neuen Befunde. Ebensowenig gab es Hinweise auf eine Choledocholithiasis. Im Verlauf normalisierten sich die Leberenzyme.

Nachdem der zunehmend asymptomatische Patient schließlich mit geplanten Verlaufskontrollen nach Hause entlassen wurde, traf endlich der entscheidende Hinweis auf die Diagnose ein.

Ihre Meinung ist gefragt: Welche Erkrankung könnte hinter den Beschwerden stecken?

Schreiben Sie uns jetzt im Kommentarfeld unten Ihre Verdachtsdiagnose und gelangen Sie hier mit nur einem Klick zur Fallauflösung.

  1. Daniel Joller, Roman Gaudenz: Eine verkannte Krankheit in der Schweiz. SCHWEIZERISCHES MEDIZIN-FORUM 2015;15(5):111–113

Bildquelle: ©assalve – istockphoto.com

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